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© Georgios Alexandris, 123RF

Lazarus 1.0: Entwicklungsumgebung für Free Pascal

Beeindruckende Umgebung

Nach einem 12 Jahre währenden Reifeprozess haben die Entwickler der Free-Pascal-IDE Lazarus die stabile Version 1.0 der weitgehend Delphi-kompatiblen Entwicklungsumgebung veröffentlicht.

Bereits 1972 entwarf Niklaus Wirth an der ETH Zürich Pascal, das eigentlich als Lehrsprache zum Erlernen strukturierter Programmierung gedacht war. Seitdem haben Generationen von Programmierern und Ingenieuren ihre ersten Schritte ins Entwicklerleben mit Pascal gemeistert. Nennenswerten kommerziellen Erfolg erlangte es mit den von Borland erstmals für Turbo Pascal 5.5 eingeführten Erweiterungen zur objektorientierten Programmierung (Object Pascal), die den ursprünglichen Sprachstandard stark veränderten.

Nichtsdestotrotz brachten es Borlands Produkte Turbo Pascal sowie dessen Weiterentwicklungen Borland Pascal und Delphi unter Windows zu einer großen Popularität. Noch heute entwickeln vor allem kleinere Firmen Software zum Eigenbedarf der Einfachheit und Schnelligkeit halber in Delphi (das heute allerdings Embarcadero gehört).

Object Pascal dient mittlerweile quasi als Standard-Dialekt und kommt auch in Free Pascal [1] zum Einsatz, das als Grundlage von Lazarus dient. Zwar hat Pascal heute an wirtschaftlicher Bedeutung eingebüßt – Stellenangebote für Pascal-Programmierer werden Sie vergeblich suchen. Dennoch lohnt es sich nach wie vor, das Programmieren anhand von Pascal zu lernen. Auch für Delphi an sich sowie dessen Visual Component Library (VCL) im Besonderen lassen sich aber durchaus ernstzunehmende Argumente finden. Die gelten auch für die Lazarus-IDE [2] samt ihrer VCL-kompatiblen Lazarus Component Library (LCL).

Wiedererweckt

Bei Lazarus handelt es sich wie beim Sprachstandard Free Pascal um Open Source. Sie können mit Lazarus aber trotzdem kommerzielle Programme entwickeln und diese dann vertreiben, denn während die IDE selbst der GPL unterliegt, kommt für die LCL-Klassenbibliothek die LGPL zum Einsatz, sodass man die resultierende Software auch als Closed Source vertreiben kann. Lazarus linkt dazu die LCL statisch an die von Ihnen entwickelte Object Pascal-Anwendung.

Die Kompatibilität von Lazarus und der LCL zu Delphi und der VCL ermöglicht ein ähnlich komfortables visuelles Zusammenklicken von grafischen Oberflächen wie unter Delphi — insbesondere wenn für Sie die Sprache für die eigentliche Programmlogik nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ebenfalls für Lazarus spricht, dass sich in der Umgebung mit wenig Aufwand plattformübergreifende Programme schreiben oder vorhandene Delphi-Programme portieren lassen. Lazarus' Unterstützung der jeweiligen Widget-Bibliotheken bewegt sich auf einem sehr hohen Abstraktionsgrad, außerdem unterstützt die IDE die Datenbanksysteme MySQL, PostgreSQL, dBase/FoxPro, Interbase/Firebird und MS SQL Server.

Der Haupteinsatzzweck von Lazarus dürfte aber neben dem Portieren von Delphi-Projekten darin liegen, vorhandenen Object Pascal-Programmen im Handumdrehen eine schicke Oberfläche überzustülpen. Lazarus unterstützt dazu die Toolkits Qt, GTK+, GTK2, Cocoa/Carbon (Mac OS``X), WinAPI und Windows CE. Außerdem spielt es mit zahlreichen Prozessorarchitekturen zusammen, wozu neben x86 und x86_64 auch PowerPC und ARM zählen. Lazarus läuft nicht nur unter Linux, sondern auch unter FreeBSD, Mac OS X und Windows.

Lazarus blickt seit der Version 0.0.5 aus dem Jahr 2001 auf nunmehr 12 Jahren Entwicklungsgeschichte zurück. Die von uns zuletzt getestete Version 0.9.28 vom März 2011 [3] enthielt noch Free Pascal 2.4.2. Die aktuelle auf Free Pascal 2.6.0 beruhende, symbolträchtige Version 1.0 wurde offiziell am 1. September 2012 auf der "Dutch Pascal Conference 2012" in Utrecht vorgestellt. Übrigens veröffentlicht das Lazarus-Team auch regelmäßig Snapshots der Entwickler-Version [4], aktuell in der Version 1.1.

Download und Installation

Lazarus findet sich zwar im Paketfundus aller gängigen Distributionen, zu Redaktionsschluss jedoch maximal in der Version 0.9.30.4 vom April 2012. Ubuntu 12.04 bringt zum Beispiel die Version 0.9.30.2 mit. Möchten Sie die offizielle Stable-Version 1.0 nutzen, kommen Sie derzeit nicht um das manuelle Herunterladen herum. Die Download-Links der Projektseite [5] verweisen auf die zugehörigen Sourceforge-Server. Das Sourceforge-Verzeichnis enthält separate DEB-Binaries für Free Pascal 2.6.0 und die Lazarus IDE 1.0-0 sowie den Quelltext, den Sie beim Hinzulinken von Packages benötigen (alle auch auf Heft-DVD).

Auch für unser 64-Bit-Testsystem unter Kubuntu finden sich passende Binärpakete [6]. Das Installieren der Free-Pascal- und Lazarus-Pakete funktioniert unter Kubuntu 12.04 problemlos via Kontextmenü mit Apper, Synaptic oder dem Ubuntu Software Center (Abbildung 1). Es gilt allerdings die korrekte Reihenfolge zu beachten: Sie müssen zuerst das Paket fp-src_2.6.0-120824_amd64.deb einrichten, danach erst lazarus_1.0-0_amd64.deb.

Abbildung 1: Aktuelle DEB-Pakete von Lazarus 1.0 lassen wie hier unter Kubuntu über das Paketmanagent einspielen.

Eine detaillierte Installationsbeschreibung, die auch viele Spezial- und Sonderfälle berücksichtigt, finden Sie im Free-Pascal-Wiki [7]. Ergänzend bietet das Lazarus-Wiki eine vollständige Dokumentation [8] sowie eine sehr umfangreiche FAQ [9].

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