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© Xavier Gallego Morell, 123rf.com

Wirtschaftssimulation Widelands

Baumeister

Der Aufbau einer Volkswirtschaft hängt von vielen Faktoren ab. Wer bei der Wirtschaftssimulation Widelands die Ressourcen richtig einsetzt, herrscht im Handumdrehen über ein florierendes Reich.

Linux gilt gemeinhin nicht als bevorzugte Plattform für Gamer. Vor allem kommerzielle Spiele stehen bislang in den vielen Fällen nicht für das freie Betriebssystem bereit. Aber anspruchsvolle Spiele für Linux gibt es auch unter GPL-Lizenz und stehen kostenfrei bereit. Eines davon ist das seit Jahren kontinuierlich entwickelte Widelands [1]. Ähnlich wie das seit DOS-Zeiten bekannte Spiel "Die Siedler" simuliert es den Aufbau einer Volkswirtschaft und fordert vom Spieler daher strategisches wie taktisches Denken gleichermaßen.

Installation

Widelands findet sich inzwischen in den Repositories der meisten großen Distributionen. Sie installieren es entsprechend komfortabel über den Paketmanager des Systems. In der Regel handelt es sich dabei jedoch nicht um die aktuelle Version Build17. Möchten Sie diese verwenden, nutzen Sie den Quellcode des neuesten Releases von der Website des Projektes, den Sie auch auf der Heft-DVD finden.

Für OpenSuse gibt es darüber hinaus ein inoffiziellen Repository. Dies stellt das Spiel in der neuesten Version via 1 click install zum Einrichten bereit [2]. Eventuelle Abhängigkeiten löst das System dabei selbständig auf.

Im Web finden Sie eine ausführliche Anleitungen für unterschiedliche Linux-Distributionen, die beschreiben, wie Sie Widelands aus dem Quellcode kompilieren [3]. Diese detaillierten Hinweise sind dringend nötig, denn die Software weist eine stattliche Anzahl von Abhängigkeiten auf und setzt daher bei den meisten Distributionen zunächst die Installation zahlreicher Pakete voraus. Im Test unter Mandriva 2010.2 zog das System genau 99 zusätzliche Pakete mit einem Gesamtumfang von knapp 200 Megabyte auf die Platte.

Dabei tauchte ein weiteres Hindernis auf: Einige der Bibliotheken, die Widelands voraussetzt, stehen nicht in den erforderlichen Versionen bereit, sondern nur in neueren Varianten. Da die neuen teils andere Abhängigkeiten und Namen besitzen, bleibt als Ausweg nur, das Spiel mit dem Schalter --nodeps aus dem Quellcode zu kompilieren. Dieser bewirkt, dass das Setup sämtliche Abhängigkeiten ignoriert.

Eine saubere Installation der Software ist allerdings unter diesen Umständen nicht mit vertretbarem Aufwand möglich. Da im Test jedoch die neueste Variante des Spiels zum Einsatz kommen sollten, ging dem Test eine manuelle Installation der geforderten Bibliotheken voraus. Das gut 160 Megabyte große Tar-Archiv mit dem Quellcode des Spiels [r] entpacken Sie mit dem Befehl tar -xjvf widelands-build17-src.tar.bz2.

Wechseln Sie in das Unterverzeichnis widelands-build17-src und öffnen Sie in diesem ein Terminal. Starten Sie jetzt das Skript ./compile.sh mit Root-Rechten. Im Test ließ sich das Spiel umgehend und problemlos kompilieren. Im Anschluss starten Sie die Software mit der Eingabe von ./widelands in der Konsole.

Die brandneue Build 17 überzeugte jedoch trotz des erheblichen Aufwands bei der Installation weder unter Mandriva noch unter der aktuellen Version 12.1 von OpenSuse. Nach dem Vorspann und dem Beginn eines Spiels zeigten sich wiederholt auf beiden Systemen massive Fehler in der Grafik. So flackerte das Bild, es traten Artefakte auf, und beim Öffnen von Fenstern überdeckte eine Schraffur Textteile und zum Teil Symbole, sodass diese unleserlich waren.

Zudem fiel auf, dass während des Ladens der Animationen und der Auswahl eines Szenarios die CPU-Last bei 100 Prozent verharrte, und der Mauszeiger sich nur ruckelnd und unpräzise bewegen ließ. In dieser Form war das Spiel nicht einsatzfähig. Für den weiteren Test kam die in den Repositories befindliche Version zum Einsatz.

Zum Einsatz kam deshalb unter Mageia 1 die Variante Build 16 aus den Repositories, die aus dem Stand tadellos funktionierte. Bei der Installation legte das Skript automatisch im Unterverzeichnis Spiele des Menüs einen entsprechenden Starter an, sodass Sie das Spiel komfortabel per Mausklick aktivieren. Widelands präsentiert sich danach in einem übersichtlichen Programmfenster (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Startfenster von Widelands beschränkt sich aufs Nötigste.

Über die Schaltfläche Optionen im Hauptmenü erreichen Sie Einstellungen zur Sprache, zur Bildschirmauflösung und zur akustischen Untermalung. Die Entwickler haben die Darstellung in der Grundeinstellung auf SVGA-Auflösung optimiert, was insbesondere für schwächeren Grafikkarten oder aber WXGA- und XGA-Bildschirme von Vorteil ist.

Sofern Sie einen höher auflösenden Bildschirm nutzen, lohnt es sich die vorgegebenen Werte entsprechend herauf zu setzen. Auf diese Weise sehen Sie einen deutlich umfangreicheren Bildausschnitt und einen besseren Überblick über das Spielgeschehen.

Das Spiel kennt zwei Modi: für einen einzelnen Spieler oder zu mehreren über das Netz. Die Software gestattet dabei das kooperative Spiel sowohl in einem Intranet als auch über das Internet. Nach Auswahl der gewünschten Spielart müssen Sie noch entsprechende Angaben zur IP-Adresse, zu den Account-Daten sowie zum Server im Netz machen. Möchten Sie alleine gegen den Computer spielen, so wählen Sie den Menüpunkt Einzelspieler. Damit haben Sie die Möglichkeit, Ihr Geschick gegen einen oder mehrere virtuelle Gegner zu beweisen.

Immer komplexer

Widelands hat sich – gemessen an den frühen Versionen [5] – zu einer deutlich anspruchsvolleren Simulation gemausert. Es bestehen nun innerhalb der simulierten Volkswirtschaft erheblich mehr wirtschaftliche Abhängigkeiten als bei früheren Varianten, sodass es ähnlich wie beim Schachspiel gilt, die Folgen bestimmter Spielzüge unter Berücksichtigung unterschiedlichster Aspekte genau abzuwägen.

Das ursprüngliche Konzept blieb jedoch gleich: ausgehend von einem Hauptquartier oder einem Dorf bei einer Burg eine florierende Wirtschaft zu begründen, die sich nach entsprechender räumlicher Expansion gegen Eindringlinge zu behaupten weiß. Dazu spielen Sie entweder sogenannte Kampagnen, die auf einer vorgegebenen Historie beruhen, oder Sie versuchen im freien Spiel Ihr Geschick. Dazu wählen Sie aus einer stattlichen Liste bereits vorhandener Karten die Passende aus.

Die Karten weisen unterschiedliche Größen auf mit einer jeweils eigenen Topographie. Sagt Ihnen keine der zahlreichen Landkarten zu, so erlaubt es der Editor, den Sie aus dem Hauptmenü heraus erreichen, eigene Karten zu entwerfen oder vorhandene zu bearbeiten. Dabei legen Sie neben den topographischen Merkmalen die Größen von Gebäuden und das Vorkommen von Rohstoffen fest. Anschließend entscheiden, welcher Volksgruppe Sie angehören möchten. Zur Auswahl stehen Barbaren, Atlanter oder Imperium.

Im nächsten Schritt definieren Sie, wie sich der Computer als Gegner verhält. Daneben legen Sie den Typ des Spiels fest. Durch Anklicken der Schaltfläche Typ wählen aus, ob Sie ein Endlosspiel bevorzugen oder beispielsweise die Alleinherrschaft anstreben. Sammler und Jäger entscheiden sich dagegen vermutlich für das Ziel, einen möglichst großen Waren- oder Baumbestand zu erreichen. Daneben steht der Besitz möglichst großer Ländereien steht als Ziel bereit.

Ein Klick auf die Schaltfläche Spiel starten öffnet das eigentliche Spiel. Widelands benötigt zum Vorbereiten des Szenarios einige Sekunden und präsentiert Ihnen anschließend das Hauptquartier beziehungsweise das Burg- oder Zitadellendorf. Sofern Sie als Startbedingung ein Dorf anstelle des herkömmlichen Hauptquartiers gewählt haben, bestehen bereits einige wichtige Gebäude, die allerdings nicht miteinander verbunden sind. Sie müssen zwischen den Anwesen also zunächst Wege bauen und anschließend neue Gewerbe ansiedeln.

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