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© Krysek, sxc.hu

Seltene Perlen

Verborgene Schätze aus dem Ubuntu App Showdown

13.09.2012
Nützliche Tools aus dem Ubuntu App Showdown erleichtern die Arbeit mit dem Desktop. Wir stellen Kandidaten vor, die es nicht in die finale Runde des Wettbewerbs geschafft haben.

Canonical hat im Juni 2012 einen Wettbewerb für Programmier mit dem Titel "Ubunut App Showdown" ausgerufen, den die Ubuntu-Gemeinschaft mit großer Begeisterung aufnahm. Obwohl die Teilnehmer nur drei Wochen zum Umsetzen ihrer Ideen hatten, fällt die mit 130 Projekten große Anzahl der Teilnehmer ins Auge.

Die vollständige Liste der eingereichten Programme findet sich im Ubuntu-Wiki [1], nebst einer Beschreibung der zum Hinzufügen des jeweiligen Personal Package Archives (PPA) erforderlichen Befehle. Meist genügt zum Hinzufügen der Quelle und zum Installieren des jeweiligen Tools ein Besuch der entsprechenden Seite auf Ubuntuupdates, wie zum Beispiel für Variety [2]. Ein Klick auf die Schaltfläche APT INSTALL zeigt das gewünschte Programm im Software Center.

TIPP

Wer in seinem Ubuntu-System automatische Updates erlaubt, findet mit Erscheinen des Heftes viele der für den Showdown eingereichte Programme, die übrigens nicht ausschließlich unter Ubuntu laufen, bereits im Software Center.

Die Teilnehmer durften übrigens keineswegs aus dem Vollen schöpfen und einfach Ihren bereits fertigen oder in Entwicklung befindlichen Programme einsenden, denn der Fokus auf "Apps" ist nicht nur Wortspiel, sondern weist darauf hin, dass die Veranstalter vor allem auf leichtgewichtige und gut gemachte Miniprogramme aus waren, die sich nicht nur von den Teilnehmer innerhalb der gesetzten Frist erstellen, sondern von den Gutachtern sinnvoll bewältigen ließen.

Ohne die Gewinner

Die drei offiziellen Sieger stehen inzwischen fest: Der Sieger Lightread [3], ein kompakter Client für Google Reader, stammte aus der Hand von Jono Cooper und George Czabania. Er erlaubt das komfortable Verwalten von RSS-Feeds unter Ubuntu. Interessant ist, dass die Entwickler bei Lightread auf die Programmiersprache Quickly gesetzt haben, einem Mix aus HTML, CSS und Python.

Das zweitplatzierte Tool Fogger [4] will den Unterschied zwischen Desktop- und Web-Anwendungen einebnen und erleichtert den Einsatz von Facebook auf dem Ubuntu-Desktop. Das Programm stellt die Funktionen von Facebook in Form einer App in einem Fenster bereit und integriert diese zusätzlich in den Launcher.

Auf dem dritte Rang landete die Spielesoftware Picsaw [5] von Robert Ancell, das Motive direkt aus einem Ordner mit Bildern zum Erzeugen der Puzzles benutzt. Mit Erscheinen dieses Heftes sollten übrigens auch drei weitere von der Community, unter Ausschluss der bereits offiziell gekürten Sieger, gewählte Gewinner feststehen.

Variety

Neben diesen Siegern, die aus der Menge der Programme hervorstechen, existieren unter den Einsendungen aber verborgene Schätze, wie zum Beispiel Variety [6]. Der Wallpaper-Changer stammt von Peter Levi. Zum Zeitpunkt des Tests war die Version 0.4.8 aktuell. Dieser lädt automatisch Hintergrundbilder von ausgewählten Webseiten, deren Bezugsquellen Sie in den Einstellungen des Programms eintragen.

Das Tool bringt eine Reihe von Quellen für Hintergrundbilder mit. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, Quellen wie Flickr, Wallpaper.net oder eigene Ordner mit Bildern anzugeben. Sie sollten zudem in den Einstellungen den für Variety maximal verfügbaren Platz auf der Festplatte beschränken, damit das Programm nicht den durch die Downloads allen Platz belegt.

Variety klinkt sich unter Unity oder KDE Unity ins Panel ein. Ein Rechtsklick darauf zeigt das Kontextmenü, über das Sie via Preferences den Dialog mit den Einstellungen öffnen. Die Einträge Next und Previous dienen zu Navigation durch die Bilder. Ferner können Sie Bilder zu den Favoriten hinzufügen oder im Bildbetrachter öffnen.

Unter Kubuntu ließ sich im Test Variety via Launchpad nur in der Version 0.4.7 installieren. Es lohnt sich aber durchaus, die Version 0.4.8 mit einigen interessanten Neuerungen auszuprobieren. Da es sich um Python-Code handelt, entpacken Sie einfach das Tar-Archiv der aktuellsten Version. Zum Starten genügt ein Klick auf die ausführbare Datei.

Die Version 0.4.8 bietet gegenüber der Version 0.4.7 in den Einstellungen zwei neue Reiter Sharing und Effects (Abbildung 1). Letzter ersetzt den alten Reiter Filters und bietet die Möglichkeit, eine Uhr auf dem Desktop zu aktivieren. Dabei handelt es sich allerdings um ein experimentelles Feature.

Abbildung 1: Variety erlaubt es, auf einfach Weise das Wallpaper auf dem Desktop zu wechseln.

Außerdem bietet das Programm eine History der heruntergeladenen oder hinzugefügten Bilder. Aktivieren Sie hier die Optionen Enable sharing on Facebook for images from online source und Display dialog to customize the Facebook post before publishing, haben Sie die Möglichkeit, Ihre favorisierten Wallpaper auf elegante Weise über Facebook zu teilen.

Nitroshare

Mit Nathan Osmans Nitroshare [7] versenden Sie auf einfache Weise Dateien und Verzeichnisse ohne komplexe Konfiguration an andere Linux- oder Windows-Rechner im Netz, auf denen ebenfalls das Programm läuft. Das Tool tauscht problemlos selbst Dateien im Gigabyte-Bereich aus. Die aktuelle Version 0.2 gibt es nicht nur in Form von Debian-Paketen, sondern auch als RPM-Paket, sowie in einer Windows-Version, jeweils für 32- und 64-Bit-Systeme.

Die Linux-Version installieren Sie wie gewohnt über den Paketmanager Ihrer Distribution, etwa dem Software Center unter Ubuntu, während die Windows-Version als selbstentpackendes Executables bereit steht. Nach dem Start signalisiert das Programm seine Anwesenheit als Symbol im Panel.

Beim ersten Start leitet zudem ein Assistent durch die Konfiguration. Per Voreinstellung sucht Nitroshare im lokalen Netzwerk nach anderen Clients und richtet außerdem auf dem Desktop eine sogenannte Sharebox ein (Abbildung 2). Möchten Sie Dateien an einen anderen Rechner senden, ziehen Sie diese einfach auf die Sharebox und wählen den Empfänger. Das funktioniert alternativ über das Symbol im Panel.

Abbildung 2: Nitroshare erlaubt das einfache Tauschen von Dateien im Netz.

Der Empfänger muss die empfangenen Dateien bestätigen. Daneben bietet die Software die Möglichkeit, über eine Option Anfragen automatisch zu akzeptieren setzen und optional eine eigene Sharebox einrichten. Ein Fortschrittsbalken auf dem Symbol der Sharebox des Absenders zeigt den Verlauf beim Übertragen der Daten.

DayJournal

Die Notizverwaltung DayJournal [8] stammt von Zach Burnham und liegt aktuell in der Version 12.06.16 vor. Zweifelsohne gibt eine ganze Reihe Programme dieser Art. DayJournal gefällt einerseits durch seine Einfachheit und außerdem dadurch, dass das Tool die einzelnen Einträge nach Datum sortiert speichert.

Klicken Sie auf ein Datum, öffnet die Software den Dialog zum Eingeben von Notizen, die das Programm anschließend automatisch als einfache Textdatei im Ordner DayJournal im Home-Verzeichnis ablegt und dabei Unterverzeichnisse für das Jahr und die Monate verwendet.

Das simple Format erlaubt es, dass Sie jeden Eintrag auch mit einem beliebigen Editor bearbeiten können. Die Benutzeroberfläche ist allerdings wenig aufregend und bietet nur das Nötigste. Einen Dialog für Einstellungen gibt es auch nicht; Sie haben also keine Möglichkeit, den Speicherort zu verändern.

MenuLibre

Der Menüeditor MenuLibre [9] ermöglicht es unter anderem die Quicklist-Einträge im Kontextmenüs des Unity-Launchers zu bearbeiten oder zu erweitern, etwa um den Zugriff auf weitere Parameter des entsprechenden Programms. Zum Zeitpunkt des Tests war die Version 12.08.9 aktuell.

Das Programm erweist sich aber auch unter anderen Distributionen als sinnvolle Hilfe, steht für diese aber nur im Quellcode bereit. Unabhängig von Unity legen Sie mit dem Tool neue Menüeinträge für Gnome, LXDE oder XFCE an oder bearbeiten Vorhandene. Dazu müssen Sie lediglich im Reiter General Settings einen Namen sowie eine kurze Beschreibung eingeben und außerdem das Kommando nebst Pfad eintragen.

Darüber hinaus legen Sie das Arbeitsverzeichnis fest und ordnen den neu erstellten Launcher einer oder mehreren Kategorien zu. Autor Sean Michael Davis demonstriert den Einsatz der Software in einem Youtube-Video [10].

Gnome Modem Manager

Der Gnome Modem Manager (GMM) bietet die Möglichkeit, ein 3G-Modem des Smartphones vom Gnome-Desktop aus zu steuern [11]. Das funktioniert für mehrere verbundene Mobiltelefone. Das Programm arbeitet ähnlich, wie etwa "Megafon Internet" oder "MTS Connect" unter Windows.

Steuern bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Sie zum Beispiel den Status und andere Informationen des 3G-Modem einsehen (IMEI, IMSI, Operator-Name, Version, Hardware-Treiber) oder die Möglichkeit haben, USSD-Requests zu senden und die zugehörigen Antworten zu betrachten.

GMM zeigt unter anderem die aktuelle von Kurznachrichten der SIM-Karte des Smartphones an. Für künftige Versionen planen die Entwickler zudem eine Funktion, die das Bearbeiten der auf der SIM-Karte gespeicherten Kontakten vom Desktop aus ermöglicht.

Das Programm verwendet das von Novell entwickelte "ModemManager D-Bus Interface" und setzt daher einen laufenden NetworkManager-Daemon und einen installierten ModemManager voraus. Welche Geräte die Software unterstützt, hängt von der Version des ModemManagers ab, denn bei GMM handelt es sich lediglich um eine Oberfläche für über via NetworkManager-Applet nicht adressierbare Funktionen, die aber im Prinzip bereit stehen. Aus Sicht der Entwickler interessant ist die Tatsache, dass GMM komplett in Vala geschrieben ist. Die Oberfläche basiert auf GTK+ 3.

Abbildung 3: Mit dem Gnome Modem Manager steuern das 3G-Modem im Smartphones vom Ubuntu-Desktop aus.

Fazit

Ubuntus App Showdown hat sich als eine interessante Initiative herausgestellt. Die Liste der Teilnehmer hält viele weitere spannende Kandidaten bereit, etwa das Spiel "Let It Flow", eine GTK-Oberfläche für die Programmiersprache Quickly oder die ClamAV-Oberfläche Glamour. Mit dem Konverter Format Junkie [12] wandeln Sie Video-, Audio-, ISO- oder Bilddateien in nahezu alle populären Formate um.

Einige Programme, wie den Dateimanager Ridual [13], wies das Reviewer-Team von Ubuntu allerdings aufgrund der Größe ab, weil der Fokus des Wettbewerbs auf Apps lag, also handliche Tools. 

Glossar

IMEI

International Mobile Equipment Identity. Eine 15-stellige Seriennummer, die jedes GSM- und UMTS-Gerät eindeutig identifiziert.

IMSI

International Mobile Subscriber Identity. Eine Teilnehmernummer, deren fünfzehn Stellen sich aus Länderkennung, Netzwerkkennung sowie der eigentlichen Identifikationsnummer des Teilnehmers zusammensetzen.

USSD

Die Abkürzung steht für "Unstructured Supplementary Service Data". Dabei handelt es sich um ein spezielles GSM-Protokoll, das wie SMS zum Austauschen von Informationen und Nachrichten zwischen Smartphone und Netz dient, aber bis zu fünf Mal schneller arbeitet.

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