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© Luisem, sxc.hu

Schicker Postkasten

E-Mails via IMAP verwalten mit Geary

12.09.2012
E-Mails auf einem IMAP-Server zu verwalten, gehört heute zum Alltag. Der schlanke Client Geary macht dies so einfach, wie es viele mobile Geräte heute vormachen – trotz kleiner Mängel, die die Software noch hat.

Immer häufiger ertönen Stimmen, die sich in den Chor derer einreihen, die das Ende der klassischen E-Mail voraussagen [1]. Stattdessen seien es soziale Netzwerke und andere Dienste, die in deren Dunstkreis arbeiten, die die Funktion als Überbringer von Nachrichten übernehmen. Allerdings sorgen gerade Smartphones, wie Android-Geräte oder das iPhone, dafür, dass es noch nie so einfach war, eine Mail zu schreiben.

Das alte Ritual, die Website des Providers aufzurufen und sich umständlich anmelden zu müssen, oder Thunderbird zu starten und mit diesem die Mails abzurufen, verändert sich mit dem Einsatz der mobilen Technik: Vieles geht einfacher, denn die Übersichtlichkeit der mobilen Mail-Clients hilft, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Da aber nicht alle Provider eine schlanke Benutzerschnittstelle für mobile Clients bereitstellen, haben die klassischen Mailprogramme nach wie vor ihren Sinn, vor allem, wenn Sie Ihre Mails in den eigenen Händen haben möchten, indem Sie auf der lokalen Festplatte ein Kopie ablegen.

Doch selbst hier zeichnet sich ein neuer Trend ab. So hat sich das Mozilla-Projekt jüngst dazu entschieden, die Arbeit am Platzhirsch Thunderbird nicht mehr so stark voranzutreiben [2]. Darüber hinaus bekommt das Projekt starke Konkurrenz. So hat sich das Entwicklerteam Yorba (siehe Kasten "An einem Strang") im Jahr 2011 dazu entschieden, einen eigenen Mailclient zu entwickeln. Dieser Client mit dem Geary eignet sich vorrangig für den Einsatz auf dem Gnome-Desktop.

An einem Strang

Bei Yorba handelt es sich um einen Zusammenschluss von Software-Entwicklern aus dem Raum San Francisco, die Ihren Schwerpunkt auf die Arbeit an freien Anwendungen für Gnome gelegt haben [3]. Die Gruppe finanziert ihre Arbeit aus Spenden von Anwendern und anderen Quellen. Einen Namen hat sich die Gruppe mit dem Bildarchivar Shotwell gemacht, der seit Ubuntu 10.10 in der Distribution die Standardanwendung zum Verwalten von Fotos ist.

Geary steht derzeit in der Version 0.1 bereit, der ersten freigegebenen Version, die Anfang Mai diesen Jahres erschienen ist. Zum einen bedeutet dies, dass Sie diese Version bereits einsetzen können, zum anderen, dass einige typische Funktionen noch nicht eingebaut sind.

Mit der vorliegenden Versionen stehen die Grundfunktionen bereit, dass heißt, Sie haben die Möglichkeit, mit Geary Mails zu senden, zu empfangen und natürlich zu lesen und zu schreiben. Darüber hinaus erlaubt es die Software, Nachrichten direkt zu beantworten und weiterzuleiten.

Optional steht eine Rechtschreibprüfung bereit, und Tastenkürzel erleichtern den Zugriff auf etliche Funktionen. Besonders erwähnenswert ist die bereits vorhandene Fähigkeit, Mails zu Konversationen zusammenzufassen, um so etwas mehr Überblick im Posteingang zu erhalten.

Installation

Da Yorba mit Shotwell bereits eine Ubuntu sehr nahestehende Anwendung betreut kommen Ubuntu-Anwender auch mit Geary schnellsten in den Genuss, das Programm zu installieren. Die erforderlichen Pakete stehen in einem eigenen Repository bereit. Sie öffnen eine Konsole und geben das folgende Kommando ein:

sudo add-apt-repository ppa:yorba/ppa

Aktualisieren Sie nun mit sudo apt-get update und installieren Sie mit sudo apt-get install geary die Software.

Unter anderen Distributionen laden Sie mit Hilfe von Git die Quellen zum Kompilieren herunter. Geben Sie dazu das folgende Kommando in eine Konsole ein:

git clone git://yorba.org/geary

Eine vollständige Übersicht über benötigte Pakete für das Kompilieren von Geary finden Sie im Geary-Wiki [4] unter der Überschrift Building & Running. Darunter befinden sich unter die Entwicklungspakete von Vala und Cmake.

Um Geary zu kompilieren, müssen Sie mit cd geary in das entsprechende Verzeichnis wechseln und mit ./configure die Konfiguration starten. Anschließend führen Sie das Kommando make aus. Nach dem Kompilieren hieven Sie Geary mit dem Befehl make install ins System. Die letzten Befehle müssen Sie mit Root-Rechten ausführen.

Nach der Installation starten Sie Geary in der Regel über das Startmenü oder über eine Konsole mit dem Kommando geary. Bei ersten Start fragt Geary in einem Dialog die Grundeinstellungen ab (Abbildung 1). Sie können auf alle Konten zugreifen, die IMAP unterstützen. Das POP3-Protokoll unterstützt Geary generell nicht.

Abbildung 1: Nach dem Start nehmen Sie über diesen Dialog die Grundeinstellungen für den Mailclient vor.

Für Nutzer von Yahoo Mail und Google Mail geht das Einrichten besonders komfortabel vonstatten: Wählen Sie aus der Auswahlliste Service den entsprechenden Dienst und geben Sie in die drei folgenden Eingabefelder Ihren Namen, E-Mail-Adresse und das Passwort für den Account ein. Danach klicken Sie auf OK und Geary übernimmt alles weitere. Allerdings sollten Yahoo-Mail-Nutzer den wichtigen Hinweis aus der Online-Hilfe von Geary berücksichtigen: Das Verwalten von Konten bei Yahoo Mail ist derzeit experimentell.

Nutzer anderer Mail-Dienste wählen aus der Auswahlliste Service den Eintrag Other aus und füllen anschließend die entsprechenden Felder mit Inhalt. Die Informationen über die Adresse des IMAP-Servers für eingehende Mails und des SMTP-Servers für ausgehende Mails erfahren Sie gegebenenfalls aus den Hilfeseiten des Providers.

Nachdem Sie die Einstellungen über OK bestätigt haben, startet Geary die Programmoberfläche und schließt die Konfiguration ab. Die Oberfläche teilt sich in drei Spalten auf: In der linken Spalten finden Sie den Zugang zum Posteingang (Inbox) und die sogenannten Labels. Klicken Sie auf Inbox listet die Software die darin enthaltenen E-Mails in der zweiten Spalte auf. In dieser Liste sehen Sie neben dem Namen des Absenders oder seiner Adresse zusätzlich das Sendedatum, den Betrag und einen Auszug aus dem Inhalt der Mail.

Klicken Sie auf eine dieser E-Mails, zeigt das Programm in der dritte Spalte den Inhalt der ausgewählten Nachricht an (Abbildung 2). Handelt es sich bei der Mail in der mittleren Spalte um einen Teil einer Konversation, zeigt eine kleine graue Zahl die Anzahl in dieser Konversation enthaltenen Nachrichten an. Wählen Sie eine Mail aus dieser Konversation aus, zeigt die Lesespalte die gesamte Konversation an. Einzelne Mails klappen Sie durch Klicken in den Kopfbereich ein oder aus.

Abbildung 2: Geary bietet seiner dreigeteilten Oberfläche einen Überblick über die Ordner, Mails in diesem und den Inhalt einer Nachricht.

Schreiben und Antworten

Um eine E-Mail zu schreiben, klicken Sie einfach auf das Symbol mit Brief in der Symbolleiste mit dem kleinen grünen Plus. Daraufhin öffnet sich ein Fenster, in dem Sie in gewohnter Weise, eine Nachricht verfassen.

Hier zeigt sich der erste wirklich große Nachteil des frühen Stadiums, in dem sich Geary befindet: Es ist kein Adressbuch hinterlegt. Außerdem merkt sich Geary nicht die Adressen der E-Mails, die Sie bereits empfangen haben, sodass die Applikation diese nicht auf Ihre Eingaben im Feld für die Adresse automatisch vorschlägt. Ansonsten geben Sie in gewohnter Weise den Text ein und formatieren diesen bei Bedarf über die Symbolleiste.

Sofern Sie eine Mail beantworten oder weiterleiten möchten, tun Sie dies über das kleine Symbol mit dem Pfeil rechts im Kopfbereich der geöffneten E-Mail oder über die Symbolleiste des Hauptfensters erledigen. Hier finden Sie jeweils einen Eintrag oder ein Symbol für das direkte Antworten (Reply to sender), das Antworten an alle Adressaten der geöffneten Mail (Reply to all) und das Weiterleiten (Forward email)

Einstellungssache

Die derzeit noch spärlichen Parameter passen Sie an, indem Sie auf das Symbol mit dem Zahnrad oben rechts im Hauptfenster klicken und im Menü Preferences auswählen. In folgenden Dialog stehen derzeit lediglich drei Optionen bereit (Abbildung 3): Sie haben die Möglichkeit, die automatische Rechtschreibprüfung zu deaktivieren (Spell Checking) oder mit Autoselect Next Message Geary so einstellen, dass das Programm immer die neueste Nachricht auswählt, wenn Sie in einen anderen Ordner wechseln. Außerdem deaktivieren Sie bei Bedarf die Vorschau des Mail-Inhalts in der mittleren Spalte (Display Message Preview).

Abbildung 3: Derzeit stehen in Geary nur wenige Möglichkeiten zum Konfigurieren der Software bereit.

Das vielleicht größte Manko dieser noch frühen Version ist die fehlende Unterstüzung von mehreren Accounts. Außerdem bietet das Programm keine Möglichkeit, die beim ersten Start eingegebenen Parameter für das Konto nachträglich über das Interface zu ändern. Hier bleibt Ihnen nichts anderes übrig als das Unterverzeichnis .local/share/geary im Home-Verzeichnis umzubenennen und beim nächsten Start die Einstellungen erneut vorzunehmen.

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