Spiel mit Grenzen

Lernsystem Doudou Linux für Kinder im Vorschulalter

20.08.2012
Nicht nur bei der Auswahl der Programme, sondern auch über eine besondere Oberfläche möchte Doudou Linux kleine Kinder mit dem Computer vertraut machen.

Kinder haben in den seltensten Fällen Berührungsängste gegenüber dem Computer. Doch weil das Angebot an adäquater Software sehr überschaubar bleibt, dient der heimische Personal Computer oft lediglich als Spielzeug oder zum Surfen im Internet. Das aus Frankreich stammende Doudou Linux [1] möchte dies ändern und ist daher konsequent auf die Bedürfnisse von Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren zugeschnitten.

Das Anfang Juli in Version 1.2 erschienene Doudou Linux mit dem Release-Namen "Gondwana" basiert auf Debian "Squeeze" und steht in Gestalt eines rund 680 MByte großen ISO-Images auf der Projekt-Website zum Download [2]. Dabei gibt es Images in vielen unterschiedlichen Sprachen, die manuelle Installation von Sprachpaketen ist nicht vorgesehen. Alternativ stehen auf der gleichen Seite auch Images zur Konfiguration des Systems auf einem USB-Stick bereit.

Die von den Entwicklern genannten Voraussetzungen an das System umfassen einen Prozessor mit mindestens 800 MHz Taktfrequenz, 256 MByte Arbeitsspeicher und einer Grafikauflösung von 800 x 600 Punkten. Diese sehr moderaten Anforderungen gestatten, mit Doudou Linux auch einem ausrangierten älteren Rechner zu einem zweiten Frühling zu verhelfen.

Um Ressourcen zu schonen, griffen die Entwickler auf den schlanken Fenstermanager Openbox zurück und kombinierten diesen mit dem ebenso flinken LXDE-Desktop. Dabei modifizierten sie die Oberfläche aber sehr stark, um gerade kleinere Kinder nicht zu überfordern.

Da Doudou Linux für den Live-Betrieb ohne sofortige Installation auf der Festplatte gedacht ist, bietet das System die Möglichkeit für einen ausgiebigen Test vor der eventuellen Installation auf einem USB-Medium.

Erster Start

Im Test lief die Distribution auf einem älteren Desktop-Rechner mit 512 MByte RAM und einer internen Intel-Grafikkarte im Live-Betrieb. Dabei fiel sofort die von Debian herrührende exzellente Hardware-Erkennung positiv auf: Das System erkannte die oft störrische Intel-Grafikkarte tadellos und band sie korrekt ein.

Das System bootet relativ zügig in einen ungewöhnlichen Startbildschirm: So zeigt es zwar einen nett gestalteten Login-Screen an, den jedoch ein großes Auswahlfenster ergänzt. Aus diesem heraus rufen Sie direkt ohne Login einzelne Programme auf, wie Tuxpaint, Gcompris oder Childsplay.

Ein Klick auf die Auswahl Alles von DoudouLinux verzweigt in einen stark modifizierten LXDE-Desktop, der durch ein unkonventionelles, aber für kleine Kinder leicht zu verstehendes Konzept auffällt: Am oberen Bildschirmrand befinden sich in einer horizontalen Panelleiste die fünf Gruppen Lernen, Arbeit, Genießen, Multimedia und Einstellen, die bei Anklicken auf dem Desktop jeweils große, den kindlichen Bedürfnissen entsprechende Starter anzeigen. Untermenüs suchen Sie ebenso vergeblich wie die bei LXDE übliche Panelleiste mit minimierten Einträgen am unteren Rand.

Für ganz Kleine

Für Kinder im Vorschulalter, die noch keine oder kaum Erfahrungen im Umgang mit dem Computer haben, bietet die französische Distribution zusätzlich aus dem Login-Bildschirm heraus die Option, den Eintrag Mini DoudouLinux auszuwählen, der zu einer ebenfalls sehr reduzierten Oberfläche leitet. Hier finden sich lediglich die Gruppen Lernen und Einstellen.

Die Auswahl an Programmen orientiert sich dabei an Kindern im Vorschulalter und den ersten Grundschuljahren: So integriert Doudou Linux für die Entwicklung feinmotorischer Fähigkeiten die Programme Pysycache, Gamine, Potato Guy und Tuxpaint, während es für das Erlernen von Buchstaben und Zahlen in kleinen Zahlenräumen Klettres, Childsplay und die Lernsuite Gcompris gibt. Alle Programme liegen weitgehend in deutscher Sprache lokalisiert vor, was insbesondere bei Gcompris aufgrund der gesprochenen Spielanleitungen für kleine Kinder wichtig erscheint, die noch nicht lesen können.

In der Gruppe Einstellen finden sich nur rudimentäre Tools zum Konfigurieren: Einen komfortablen grafischen Paketmanager suchen Sie ebenso vergebens wie Oberflächen zum Systemmanagement à la YaST. Die vier hier vorhandenen Einträge gestatten lediglich das Einrichten und Warten des Druckers sowie das Einstellen der Maus- und Audio-Parameter.

Für Größere

Ältere Kinder, die bereits die Grundschule besuchen, möchten den Computer meist auch für persönliche Aktivitäten nutzen, die über Spiele und einfache Programme hinausgehen. Doudou Linux bietet dazu im Menü Alles von DoudouLinux in der Programmgruppe Arbeit verschiedene Software: Neben dem Webrowser Epiphany bietet die Auswahl unter anderem auch einen Taschenrechner sowie den einfachen Texteditor Gedit an.

Etwas ungewöhnlich erscheint das Chat-Programm Empathy Salut, das die Entwickler so konfiguriert haben, dass es sich ausschließlich zur Kommunikation innerhalb eines Intranets eignet, nicht jedoch im Internet. Die Untergruppe Zubehör bietet neben einem Archivprogramm noch einen Dateimanager (PCManFM) und das LX-Terminal zur Arbeit auf der Kommandozeile.

In der Gruppe Multimedia haben die Entwickler eine Reihe eher unbekannter Programme zusammengefasst: Neben den üblichen Playern für Filme und Audio-Dateien sowie einem Audio-Recorder finden sich hier mit Stopmotion, Songwrite 2, einer Klaviertastatur und Hydrogen gleich vier Applikationen, die Kindern helfen, eigenen Kompositionen oder Animationen zu erstellen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ob Audio oder Video – Doudou bietet in beiden Sparten entsprechende Applikationen an.

Konfiguration

Für Kinder in der Grundschule bietet das System weitere Möglichkeiten – unter anderem um die Option, Daten permanent abzuspeichern, um sie später erneut aufzurufen und zu bearbeiten. Da dies mit reinen Live-Distributionen nicht klappt, findet sich in der Gruppe Einstellen die Option Datenbeständigkeit, die auf der Festplatte eine 100 MByte große Partition einrichtet, um Daten permanent abzulegen.

Zusätzlich finden Sie hier eine Schaltfläche LiveUSB-Ersteller, mit deren Hilfe Sie die gesamte Distribution bei Bedarf auf einen USB-Stick übertragen, um das System auch auf mobilen Computern zu nutzen, die über kein optisches Laufwerk verfügen.

Eine weitere wichtige Option eröffnet die Schaltfläche Aktivitäten-Menü in der Gruppe Einstellen | System. Hier legen Sie fest, welche Programme das Kind beim Starten angezeigt bekommt. Ein Entfernen des Häkchens vor dem entsprechenden Programmnamen in der Liste tilgt dieses aus der Gruppe (Abbildung 2).

Abbildung 2: Per Opt-Out bestimmen Sie den Funktionsumfang des Desktops.

Fazit

Doudou Linux bietet einen interessanten Ansatz, um Kindern erste Erfahrungen mit dem Computer zu vermitteln. Dabei erweist sich die Auswahl der Software gut auf die Zielgruppe zugeschnitten. Kleine Kinder, die noch nicht lesen und schreibens können, finden sich dank der einfach gestalteten und optisch ansprechenden Oberfläche in der Distribution schnell zurecht, und können so bereits im Vorschulalter auf spielerischem Weg Medienkompetenz erwerben.

Damit die Sprösslinge im Internet keinen Unfug treiben, ist die Distribution entsprechend abgesichert. Eltern finden im Menü Einstellen die nötigen Werkzeuge zum Administrieren einheitlich gruppiert. Diese ermöglichen alle grundlegenden Konfigurationen.

Doudou Linux glänzt insbesondere mit der recht weit fortgeschrittenen deutschen Lokalisierung, einer guten Hilfe-Funktion sowie den minimalen Anforderungen an die Hardware, die das Reaktivieren eines älteren PCs ermöglichen. 

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