AA_pearls_fura_sxc_835718.jpg

© Fura, sxc.hu

Kleine Perle

Den schlanken Desktop LXDE optimal konfigurieren

14.08.2012
Das LXDE hat mehr zu bieten als nur einen Desktop, der an proprietäre Betriebssysteme vergangener Jahrzehnte erinnert. Als erstes gilt es aber Einiges zu entdecken und umzubauen.

In der Automobilindustrie geraten Modelle innerhalb einer Klasse mit jeder Neuauflage immer ein wenig besser und größer. Irgendwann stellen die Strategen fest, dass am unteren Ende der Skala plötzlich ein Platz frei ist, und schieben ein neues Modell nach. Bei diesen – meist auf das Wesentliche konzentrierten – Kleinstwagen handelt es sich um keine Minimalkonstruktionen wie die Ur-Ente von Citroen aus dem Jahre 1948, sondern durchaus um komfortable Karossen.

In der Welt der freie Software finden sich Parallelen zu dieser Entwicklung: Die immer weiter wachsenden Komplettangebote Gnome und KDE ließen ihrerseits am unteren Ende wieder Platz für Neues, zum Beispiel Razor-Qt oder LXDE [1]. Letzteres liegt heute bei vielen Distributionen auf den Installationsmedien bei und gehört keineswegs mehr zu den Geheimtipps, die auf den großen Durchbruch warten.

Bekanntermaßen eignet sich LXDE aufgrund seiner geringen Ansprüche an die Hardware schon für beinahe museumsreife Geräte. Doch was auf einem Pentium 3 mit 256 MByte Speicher noch zufriedenstellend läuft, löst auf aktuellen Rechnern einen wahren Geschwindigkeitsrausch aus. Einzig das Design und das Verhalten in der Standardkonfiguration, das sicherlich Windows-Umsteigern zugute kommt, aber ansonsten kaum Stürme der Begeisterung auslöst, stört etwas den guten Eindruck.

Dateimanager

Historisch betrachtet bildete der Dateimanager PCManFM [2] eigentlich die Basis für den LXDE-Desktop. Der taiwanesische Entwickler Hon Yen Lee mochte zwar das XFCE-Programm Thunar, wollte aber einige Erweiterungen einbringen und zog kurzerhand einen Fork des Projekts. So kamen im Laufe der Jahre eine Ansicht mit Reitern, ein Mülleimer und eine Modul zum Verwalten der Arbeitsflächen samt Symbolen hinzu.

Noch heute verläuft die Arbeit an PCManFM getrennt von LXDE, obwohl der Dateimanager unbestritten das Herzstück des Projekts darstellt. Dank der Arbeit der Distributoren gehört er darin faktisch zum Standard und fügt sich problemlos in den Rest der Umgebung ein.

Gelegentlich kommt es dennoch zu Ungereimtheiten: Wenn Sie beispielsweise keine Symbole auf dem Desktop sehen, obwohl der entsprechende Ordner laut Auskunft von PCManFM sehr wohl gefüllt ist, sollten Sie den Dateimanager mit der Option --desktop starten.

Den Dateimanager mit Root-Rechten aufzurufen, um Systemdateien zu betrachten und zu bearbeiten, sollte man aufgrund der offensichtlichen Risiken eigentlich unterlassen. Wird das trotzdem einmal notwendig, wählen Sie im Dateimanager unter Werkzeuge den Eintrag Aktuellen Ordner als root öffnen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Option, einen Ordner mit Root-Rechten zu öffnen, genießen Sie lieber mit Vorsicht.

Allerdings funktioniert das Verfahren oft nicht reibungslos, denn das zugehörige Binary xdg-su gibt es auf vielen Systemen nicht. Kein Problem, denn im Einstellungsmenü passen Sie im Reiter Erweitert unter anderem diesen Befehl an, ebenso wie jenen zum Aufruf des Terminals oder eines Archivprogramms.

Generell ist bemerkenswert, für wie viele und teilweise selten gebrauchte Einstellungen PCManFM eine grafische Konfiguration anbietet – insbesondere gemessen an seinem Anspruch, leichtgewichtig zu sein. Hier sollten sich gelegentlich die Produkte der Mitbewerber eine Scheibe abschneiden.

Das Fenster

Die LXDE-Entwickler haben sich nicht die Mühe gemacht, einen eigenen Fenstermanager zu entwickeln, sondern integrierten stattdessen Openbox – ohne dessen Funktionen zum Verwalten einer Sitzung – in ihr Projekt. Zwar mutet Openbox optisch etwas archaisch an, erlaubt es aber, mit Themes etwas mehr Pep auf den Desktop zu bringen. Es fällt relativ leicht, diese Themen selbst zu entwickeln [3].

Üblicherweise öffnen Sie durch einen Rechtsklick auf den Hintergrund der Arbeitsfläche das Menü des Fenstermanagers. Allerdings hat dieses in einer LXDE-Umgebung nur einen begrenzten Informationsgehalt, und Ihnen geht auf diese Weise das Kontextmenü der Arbeitsflächenverwaltung durch die Lappen.

Um dies zu ändern, öffnen Sie im Startmenü den Eintrag Einstellungen | Arbeitsfläche und entfernen im Reiter Fortgeschritten das Häkchen vor Beim Klicken auf den Desktop die Menüs des Fenstermanagers anzeigen. Danach können Sie durch Rechtsklick auf den Desktop Dateien und Ordner anlegen und den Hintergrund anpassen. Ein Klick mit der mittleren Maustaste öffnet dabei weiterhin die Übersicht über die Fenster.

An sich brauchen Sie nicht einmal ein Anwendungsmenü, sei es nun das Menü des LXDE-Panels oder jenes von Openbox. Beides ist entbehrlich, denn der Dateimanager bringt ebenfalls ein Menü mit, das Sie über die Seitenleiste erreichen und das die Symbole hübsch im Dateifenster präsentiert, wohlgeordnet nach Kategorien. Das Menü folgt korrekt der vom XDG-Standard vorgegebenen Hierarchie und zeigt daher die gleiche Struktur wie viele andere Anwendungsmenüs (Abbildung 2).

Abbildung 2: Ein Anwendungsmenü hat PCManFM ebenfalls an Bord.

Das Panel des Desktops besteht ebenfalls nicht gerade aus den erlesensten Zutaten: Bis auf Standards wie Fensterliste, einen Knopf für das Menü, einen Netzwerk- und Prozessormonitor sowie einer Uhr vermissen Sie möglicherweise viel Liebgewonnenes. Kein Grund zur Sorge: Der universelle Systemmonitor Gkrellm [3] verfügt über eine Vielzahl von Gadgets für alle erdenklichen Zwecke und bettet sich auf Wunsch in das Openbox-Dock ein, wenn Sie ihn mit der Option -w starten.

Sollte nun noch etwas fehlen, fügen Sie dem Dock weitere Applets in Form von Windowmaker-Apps hinzu (Abbildung 3). Das eröffnet die Möglichkeit, Gkrellm über die eigenen Plugins hinaus praktisch grenzenlos zu erweitern – bis in die Ecken des Bildschirms. Falls der Platz nicht ausreicht, lösen Sie die Symbiose wieder auf und versetzen Gkrellm und die Apps in zwei Leisten.

Abbildung 3: Der universelle Systemmonitor Gkrellm bettet sich nahtlos ins Dock von Openbox ein. Das bietet die Möglichkeit, ihm einige Apps aus Windowmaker anzuhängen – hier der Programmstarter Wmdrawer sowie Wmcalc.

Einziger Schwachpunkt: Das sinnvolle Platzieren am oberen oder unteren Bildschirmrand erlaubt Gkrellm nicht, da er grundsätzlich seine Komponenten senkrecht übereinander stapelt. Das schränkt die Benutzerfreundlichkeit etwas ein. Für die beschriebene Kombination ist es darum unerlässlich, dass Sie das Openbox-Dock senkrecht anordnen. Tun Sie das nicht, sieht das Dock etwas seltsam aus (Abbildung 4).

Abbildung 4: Unbrauchbares Konglomerat: Gkrellm lässt sich nicht flach legen und bläht das Openbox-Dock zu ungeahnter Breite auf.

Falls Sie Fensterschatten und Transparenzen vermissen, können Sie vielleicht einen Versuch mit einem unabhängigen Compositing-Manager wagen, beispielsweise dem rein über die Befehlszeile zu bedienenden Xcompmgr. Er wird seit Jahren direkt von den Machern von X.org betreut, hat aber noch immer die Anmutung des unausgegorenen Ergebnisses einer Fingerübung für Jungprogrammierer. Wen wundert es da, dass es einige viel versprechende Forks gibt. Einer davon ist Compton [4].

Compton hat glücklicherweise nicht die Bugs seines Vorvaters geerbt, wie beispielsweise die Unverträglichkeit mit der Transparenzfunktion der VTE-basierten Terminals. Neben den aus Xcompmgr bekannten Befehlszeilenoptionen beherrscht er außerdem einige weitere Tweaks. Allerdings sind fertig geschnürte Distributionspakete noch etwas rar. Im Kasten "Compton installieren" finden Sie Informationen dazu, wie Sie die Software ins System integrieren.

Der einfache Befehl compton -cCf -D 5 sorgt bereits für ein optisch ansprechendes Compositing. Die Fensterrahmen erhalten ansehnliche Schattierungen; Panels und Docks bleiben jedoch außen vor. Das letzte Argument gibt die Schrittweite der Animation beim Ein- und Ausblenden von Fenstern und Menüs an. Fünf Millisekunden stellen hier einen brauchbaren Kompromiss zwischen Ästhetik und Geschwindigkeit dar. Bei Bedarf passen Sie diesen Wert aber schnell an – ein Blick in die Manpage von Compton verrät mehr über die Parameter.

Compton installieren

Fertige Pakete für den vom Xcompmgr abstammenden Compositing-Manager finden Sie selten, was nicht weiter verwundert, denn bisher haben die Entwickler noch keinen Tarball veröffentlicht. Lediglich im User Repository [5] von Arch Linux findet sich ein halbwegs aktuelles Paket.

Sie müssen daher Compton direkt aus den Git-Quellen installieren. Die dazu benötigten Befehle finden Sie in Listing 1. Vor dem Aufruf von make ist es unbedingt empfehlenswert, das Präfix für die Installation in Zeile 3 nach /usr/local zu ändern, denn nicht zur Distribution gehörende Software gehört definitiv in dieses Verzeichnis.

Angesichts der häufigen Änderungen der letzten Monate lohnt es, die Installation regelmäßig zu wiederholen. Schon im derzeitigen Zustand ist Compton seinem Vorfahren Xcompmgr hinsichtlich Stabilität überlegen.

Listing 1

$ git clone https://github.com/chjj/compton.git
$ cd compton
$ make
$ sudo make install

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare
Weniger ist manchmal mehr
Heiko Schroeder (unangemeldet), Sonntag, 18. Mai 2014 08:48:51
Ein/Ausklappen

Leider ein endloses Gequatsche und nur sehr wenig Bezug zu den wirklichen Fragen, die ein User hat. Für die heutige Situation kaum zu gebrauchen.


Bewertung: 135 Punkte bei 14 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 12/2014: ANONYM & SICHER

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...