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© Lawren, 123rf.com

Mobile Systeme im Wandel der Zeit

Generationenvertrag

Als vor über 20 Jahren die ersten Mobilgeräte das Licht der Welt erblickten, wurden sie meist nur milde belächelt. Heute zählen Sie zu den unentbehrlichen Bestandteilen des täglichen Lebens – und laufen oft mit Linux als Betriebssystem-Kern.

Wer noch vor wenigen Jahren im Zusammenhang mit seinem Mobiltelefon das Wort "Betriebssystem" verwendete, wurde meist eher stirnrunzelnd gemustert. Kein Wunder, denn die Software der Geräte erinnerte kaum an das, was sich die meisten bis dahin unter einem Betriebssystem vorstellten: Klickintensive Balkenmenüs auf briefmarkengroßen Displays ließen nicht wirklich den Eindruck von einer produktiven Arbeitsumgebung aufkommen. Erst größere Displays in Kombination mit leistungsfähigen Prozessoren machten die weitere Entwicklung überhaupt erst möglich.

Doch auch damals gab es durchaus schon erfolgreiche und visionäre Konzepte. Von Palm OS und Symbian über Windows Mobile bis hin zu iOS und Android ist die Entstehung der mobilen Betriebssysteme bis heute eine faszinierende Geschichte – mit vielen neuen Ansätzen in der Gegenwart und einem spannenden Ausblick auf die Zukunft.

Vorreiter

Als Pionier in Sachen mobile Computer trat eine kleine Firma namens Palm auf den Plan, die 1992 auf die Idee kam, dass man mit einer Displaytastatur und Stifteingabe die Plastiktasten doch zugunsten eines größeren Displays ersetzen könnte (Abbildung 1). Ihr Visionär und Gründer Jeff Hawkings war es dann auch, der die Schreiberkennung namens Graffiti entwickelte, die später bei vielen verschiedenen Herstellern unter diversen Bezeichnungen zum Einsatz kam. Das erste PDA-Projekt war somit geboren: Palm lieferte die Idee, Casio die Hardware und Geoworks das Betriebssystem. Tandy übernahm letztendlich den Vertrieb, unter dessen Namen "Zoomer" der erste PDA dann schließlich auch das analoge Backlight der Welt erblickte.

Abbildung 1: Das Palmpilot 5000 gilt als das Urgestein unter den Handhelds.

Fast zeitgleich brachte ein anderer Global-Player seinen ersten PDA auf den Markt, der zwar bereits über eine neuronale Handschriftenerkennung verfügte, aber noch erhebliche Schwachstellen in Hard- und Software zeigte und teilweise schlichtweg nicht funktionierte. Die Rede ist von Apple und seinem ersten Newton MessagePad (Abbildung 2). Das Gerät verfügte schon 1993 über einige Innovationen, die kurioserweise erst heute wieder in aktuellen Betriebssystemen wie Windows Vista auftauchten: So konnte der Newton unabhängige Daten, die so genannten "Soups", verwalten, die von mehreren Anwendungen gleichzeitig genutzt wurden. Allerdings wurde der Newton viel zu früh und unausgereift regelrecht auf den Markt geworfen.

Abbildung 2: Auch Apple versuchte mit dem Newton Messagepad 2000 sein Glück, scheiterte damals aber ebenso wie Palm.

Sowohl mit dem Tandy Zoomer als auch dem Apple Newton erfuhren Betriebssysteme auf mobilen Geräten letztendlich ihre Geburtsstunde. Tatsächlich war die Welt aber noch nicht bereit für dieses Novum, denn beide Geräte hatten nicht nur äußerlich viel gemeinsam, sondern floppten auch gleichermaßen. Trotz dieser finanziellen Misserfolge wurden die Entwicklungen von Palm OS und Newton OS aber weiter voran getrieben, bis dann schließlich 1996 der erste Palm Pilot mit dem Palm OS 1.0 auf den Markt kam. Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte, die sich bis zum Palm OS Cobalt fortsetzte und bis heute noch seine Spuren in dem von Hewlett-Packard übernommenen Betriebssystem WebOS hinterlässt.

Doch auch andere Hersteller schliefen nicht: Eine Arbeitsgemeinschaft aus Ericsson, Motorola und Nokia bastelte ab 1998 zusammen mit Psion an einem neuen Betriebssystem namens Symbian OS. Als Resultat erschien im Jahr 2000 das Ericsson R380: Der Klappknochen aus zeitgemäßem Anthrazit-Plastik kombinierte dank Symbian erstmals die Funktionen eines PDAs mit einem Mobiltelefon. Das herausstechende Merkmal war sicher die E-Mail Funktion, mit der sich die Post nun endlich auch von unterwegs abrufen ließ.

Überhaupt schien 2000 das Jahr der beginnenden Smartphone-Revolution zu werden. Neben Symbian brachte auch Microsoft mit dem Windows CE / Mobile sein erstes mobiles Betriebssystem auf den Markt. Ab diesem Punkt konnten nun verschiedene Hersteller die neue Geräteklasse produzieren und mit dem Allround-OS aus Redmond bestücken – der Markt für weitere Geräte dieser Klasse war geöffnet. In den darauffolgenden Jahren kamen immer mehr PDAs mit integriertem Telefon auf den Markt. Neben Handspring, Palm und Blackberry brachte auch Nokia seine erfolgreiche Communicator Produktlinie heraus.

Die Touch-Revolution

Im Jahr 2007 meldete sich Apple auf dem Mobilfunkmarkt zurück, und brachte mit dem iPhone wohl eines der signifikantesten Geräte des vergangenen Jahrzehnts auf den Markt: Erstmals wurde die Stifteingabe bewusst weggelassen. Stattdessen kam als wirksamste Neuerung neben dem einfachen Bedienkonzept die Fingerbedienung, die dank Multitouch auch Gesten wie das "Pinchen" zum schnellen Vergrößern und Verkleinern erlaubte.

Doch damit nicht genug: Apples jahrelange Erfahrung im Bereich der Desktop-Betriebssysteme wirkte fast wie eine Waffe, der die anderen Hersteller vorerst nichts entgegenzusetzen hatten. Das Unternehmen portierte seinen Unix-Unterbau von Mac OS X einfach auf das iPhone. Das Gerät ging weg wie warme Semmeln und machte Apple in den kommenden Jahren zum reichsten Unternehmen der Welt. Neben Nokia und Motorola kämpfen die Größen der Telefonbranche bis heute mit den Umsatzverlusten durch den iPhone-Einschlag.

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