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Digitale Kleckse

Freies Zeichnen mit dem Malprogramm MyPaint

17.07.2012
Einfaches Zeichnen fast wie mit Pinsel und Stift verspricht MyPaint. In Kombination mit einem Grafiktablett sind den künstlerischen Ambitionen kaum Grenzen gesetzt.

MyPaint [1] gehört zur Kategorie der Malprogramme, die sich vom Konzept her von einer Bildbearbeitung wie etwa Gimp unterscheiden. Die Software spezialisiert sich auf das Zusammenspiel mit einem elektronischen Pinsel und bleibt in weiten Teilen darauf beschränkt. Viele der von Gimp her bekannten Funktionen fehlen in dieser Software daher. Selbst einfache Aktionen, wie beispielsweise das freie Drehen oder Zuschneiden eines Bildes, unterstützt MyPaint nicht. Dafür offeriert es aber eine große Anzahl spezieller Pinsel und Stifte.

Während Gimp hauptsächlich beim Bearbeiten von Fotos und Grafiken zum Einsatz kommt, dient MyPaint zum Malen von Bildern. Eine Online-Galerie [2] zeigt, was begabte Künstler mit dem Programm schaffen. Das erfordert zwar nicht zwingend ein Grafiktablett, aber dessen Einsatz erscheint in vielen Szenarien sinnvoll. Die Werkzeuge sind direkt für diese Eingabegeräte ausgelegt und nutzen insbesondere die Informationen über den Druck der Stifte auf die Fläche, um die Striche zu modifizieren.

Als Standardformat setzt MyPaint auf ORA (siehe Kasten "OpenRaster"). Auch Gimp unterstützt dieses Format, sowohl beim Laden als auch beim Speichern. Daher lassen sich mit MyPaint erstellte Bilder problemlos in Gimp laden, um die von MyPaint nicht bereit gestellten Funktionen zu nutzen, und bei Bedarf im Anschluss mit MyPaint weiter bearbeiten. MyPaint exportiert neben ORA als weitere Formate noch PNG und JPEG.

OpenRaster

Das OpenRaster-Format ORA (Dateierweiterung: .ora) wurde als offenes Austauschformat für Bitmap-Grafiken entwickelt, quasi in Konkurrenz zum proprietären PSD-Format von Photoshop. Dabei bietet OpenRaster einige Möglichkeiten, die in Adobes proprietären Format nicht finden. So existiert beispielsweise eine vollständige, freie Dokumentation des Formats.

Metadaten speichert ORA als XMP-, IPTC- oder EXIF-Tags, bei Bedarf für einzelne Ebenen getrennt.Es unterstützt außerdem Ebenen und Ebenengruppen, Ebenenmodi (das Verrechnen der Pixeln zweier Ebenen) sowie Effekte bei Ebenen. Pfadinformationen, Paletten und Fonts lassen sich ebenso in der Datei ablegen wie Undo-Informationen.

Programme, die ORA nutzen wollen, müssen nicht unbedingt alle Features vollständig implementieren. Bisher unterstützen nur relativ wenige Applikationen das Format. Zu den bekanntesten davon zählen neben MyPaint und Gimp das KDE-Programm Krita sowie Pinta und der Betrachter Xnview.

Los geht's

Bisher findet sich die aktuelle Version MyPaint 1.0 noch nicht in den Repositories aller gängigen Distributionen bereit. Bei Ubuntu haben Sie allerdings die Möglichkeit, mit dem Y-PPA-Manager [3] eine Quelle für Ihre Distribution zu finden. Die Website führt weitere Paketquellen auf [4].

Nach dem Start zeigt sich die Software spartanisch: Neben dem klassischen Menü gibt es nur noch eine Werkzeugleiste mit wenigen Buttons (Abbildung 1). Eine große Schaltfläche mit der Aufschrift MyPaint öffnet ein Menü, wie Sie es bei den meisten anderen Applikationen in einer Leiste finden. Darauf folgen die Schaltflächen für Undo beziehungsweise Redo. Weitere Buttons erlauben das direkte Ändern der Zeichenfarbe, des Pinseltyps sowie der Pinselspitze.

Abbildung 1: MyPaint präsentiert sich nach dem Start wie ein leeres Blatt Papier.

Über die Schaltfläche mit dem Zahnrad rufen Sie einen Dialog auf, in dem Sie die Parameter für das aktuelle Werkzeug bei Bedarf anpassen. Fast alle Aktionen steuern Sie bei MyPaint über den eingesetzten Pinsel und dessen Parameter. Diese hängen dabei im Wesentlichen vom Drucksensor im Stift des Grafiktabletts ab.

Die Buttons im rechten Teil der Werkzeugleiste bieten ähnliche Funktionen, ein Klick ruft sie in einem eigenen Fenster auf. Die dort vorhandene Dialoge verfügen über eine gestrichelte "Abreißkante". Klicke Sie mit der Maus darauf, dockt das Programm den Dialog am rechten Rand des Fensters an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Bei Bedarf docken Sie Dialoge am rechten Fensterrand an oder nutzen diese als eigenständige Fenster.

Um mit dem Zeichnen zu beginnen, wählen Sie als erstes einen Pinsel aus. Zunächst gilt es dabei, die unterschiedlichen Pinselvarianten kennen zu lernen. Voreingestellt gibt es 35 klassische, mehr als 20 experimentelle und viele weitere, zu "Sets" zusammengefasste Pinsel (Abbildung 3). Darüber hinaus können Sie neue Pinsel selbst erzeugen [5] oder aus dem Internet laden [6].

Abbildung 3: Der Brush List Editor enthält enthält eine umfangreiche Anzahl von Pinseln.

Nahezu alle Pinselmodi reagieren druckempfindlich. Meist steuert der Druck die Deckkraft der Striche, manchmal deren Breite, Form oder Farbe. Durch wiederholtes Übermalen erhöhen Sie die Deckkraft der Striche. Einige der experimentellen Pinsel, wie etwa DNA-brush oder particules_eraser, erzeugen Striche, die sich je nach Stiftbewegung ändern. Teilweise wertet die Software dazu neben der Geschwindigkeit die Richtung der Bewegung aus.

Wie es sich für ein interaktives Programm gehört, verfügt MyPaint über eine Undo- und Redo-Funktion. Über [Z] oder [Strg]+[Z] nehmen den letzten Aktionen schrittweise zurück. Daher bietet es sich an, beim Zeichnen am besten einzelne, kurze Striche zu verwenden. Über [Y] heben Sie die letzte Undo-Aktion wieder auf.

Farben wählen Sie entweder über den entsprechenden Dialog aus oder nehmen diese mit der Pipette aus dem Bild auf. Letzteres erweist sich in der Praxis als besonders interessant, da es schnell und einfach funktioniert. Über [R] aktivieren Sie die Pipette.

Einstellungen

Im Menü Bearbeiten unter Einstellungen konfigurieren Sie MyPaint. Besonders interessant sind dabei jene Dialoge, über die Sie den Tasten des Grafiktabletts und dessen Stifts Funktionen zuweisen. Geübte Zeichner dürften das Umsetzen des Druckpunkts des Stifts besonders interessant finden. Die Feineinstellungen für die Pinsel umfassen nahezu alle relevanten Aspekte (Abbildung 4). Für die einzelnen Parameter zeigt MyPaint eine Kurzhilfe, sobald Sie den Mauszeiger über einem Regler platzieren.

Abbildung 4: Die weitergehenden Einstellungen für Pinsel legen Sie im Brush Settings Editor fest.

MyPaint unterstützt übrigens eine dynamische Tastenbindung. Das ermöglicht es, Menüpunkte über ein frei wählbares Tastenkürzel aufzurufen. Platzieren Sie dazu den Mauszeiger über dem entsprechenden Menüpunkt, ohne diesen anzuklicken, und drücken Sie die gewünschte Tastenkombination. Die Tabelle "Wichtige Tastenbindungen" zeigt einige voreingestellten Funktionen.

Wichtige Tastenbindungen

Tasten Funktionen
[Strg]+[N] neues Bild
[Strg]+[O] Bild öffnen
[F3] letztes Bild öffnen
[Strg]+[S] Bild als ORA speichern
[Umschalt]+[Strg]+[S] Bild speichern unter
[Strg]+[E] Bild exportieren
[Strg]+[Q] MyPaint beenden
[Strg]+[Z] Undo
[Z] Undo
[Y] Redo
[F11] Vollbild
[.] Ansicht vergrößern
[,] Ansicht verkleinern
[Strg]+[Pfeil links] schrittweise drehen
[Strg]+[Pfeil rechts] schrittweise drehen
[U] Spiegeln
[I] Spiegeln
[B] Pinsel auswählen
[F] Pinsel vergrößern
[D] Pinsel verkleinern
[S] Deckkraft erhöhen
[A] Deckkraft verringern
[G] Farben auswählen
[R] Farbpipette
[L] Ebenen(dock) anzeigen
[Strg]+[C] Ebene kopieren
[Strg]+[V] Zwischenablage einfügen

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