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Mehr Fenster

Viele Sitzungen in einem Terminal verwalten mit Tmux

26.06.2012
Mit dem Multiplexer Tmux rüsten Sie ein einfaches Terminal um Fähigkeiten auf, die es fast zu einem Windowmanager machen.

Shell-Kommandos und Programme für die Textkonsole sind weder altmodisch, noch lediglich für Nerds und Hacker [1] interessant. Diese Tools bevölkern seit Langem so erfolgreich die Linux-Welt, weil sie meist flinker und effizienter arbeiten als ihre schwergewichtigen Verwandten mit grafischer Oberfläche – sei es, dass der Midnight Commander als Dateimanager über eine SSH-Verbindung zum Einsatz kommt, der Texteditor Vim beim Schreiben einer Datei oder der Mailclient Mutt zum lesen elektronischer Post.

Um alle diese Konsolenprogramme unter einen Hut zu bringen und zig quer über den Desktop verstreute Xterms zu vermeiden, kamen über die Jahre sogenannte Terminal-Multiplexer zum Zug. Eines der Urgesteine dieser Fenstermanager für die Textkonsole ist Screen [2].

Nun wächst sich die Konfiguration von Screen angesichts der vielen Optionen und Variablen tatsächlich zu einer wirklich nerdigen Puzzlearbeit aus. Und so trat 2007 das Tmux-Projekt auf den Plan, um Anwendern, die nicht nächtelang über Konfigurationsdateien brüten möchten, einen gleichermaßen mächtigen wie leichtgängigen Terminal-Multiplexer zur Verfügung zu stellen.

Im WWW

Auf der Website des Projekts [3] finden Sie den Download-Link zur aktuellen Programmversion. Mit etwas Glück stellt jedoch die Distribution Ihrer Wahl ein fertig kompiliertes und angepasstes Paket über das Software-Repository bereit. Dieses installieren Sie dann über Bordmittel wie Apt-get, Yum oder das Ubuntu Software-Center.

Hält die verwendete Distribution kein Tmux-Paket parat, gilt es das Programm aus dem Quelltext zu übersetzen. Im Kasten "Installation" finden Sie eine Anleitung, wie Sie dazu vorgehen.

Nach der Installation ist der Multiplexer bereit zum Start. Ist Ihnen die systemweite Installation mit Root-Rechten nicht ganz geheuer, besteht die Möglichkeit, Tmux gefahrlos im Heimatverzeichnis zu installieren. Wie das funktioniert, zeigt ein älterer Artikel, den Sie online [4] sowie in der Rubrik How-to auf der Heft-DVD der Media-Ausgabe finden (Hinweise zum Kompilieren).

Installation

Zunächst entpacken Sie den Tarball mit dem Tmux-Quellcode und wechseln in das neue entstandenen Verzeichnis. Sinnigerweise erledigen Sie das bereits in der Shell, denn dort geschieht auch das Kompilieren und Installieren.

Als nächstes rufen Sie das im Verzeichnis enthaltene Skript namens configure auf. Es prüft, ob das System alle Voraussetzungen erfüllt, um aus dem Quelltext ein ausführbares Programm zu backen. Sie erkennen das an der Meldung checking. Fehlt eine Zutat, sehen Sie das in der Regel und müssen diese aus dem Software-Repository nachinstallieren.

Anschließend starten Sie mit dem Befehl make das Übersetzen des Quelltextes in ein Programm. Schließlich wechseln Sie in den Status des Administrators, um Tmux mit dem Befehl make install in der Verzeichnishierarchie im Pfad unter /usr/local/ zu installieren. Unter Ubuntu verwenden Sie dazu beispielsweise das Kommando sudo. Listing 1 zeigt den kompletten Ablauf.

Listing 1

$ tar xvzf tmux-1.6.tar.gz
$ cd tmux-1.6/
$ ./configure
checking for a BSD-compatible install... /usr/bin/install -c
checking whether build environment is sane... yes
[...]
config.status: creating Makefile
config.status: executing depfiles commands
$ make
$ sudo make install

Auf Tuchfühlung

Öffnen Sie nun ein Terminal – etwa Xterm, die KDE-Konsole oder Rxvt – und starten Sie den Tmux mit dem Kommando tmux in der Shell. Das Tool präsentiert sich mit einer aufgeräumten Oberfläche in Form eines Statusbalken im Fuß des Terminals (Abbildung 1). Bevor Sie daran gehen, die Oberfläche mit einigen Handgriffen an Ihre Bedürfnisse anzupassen, schauen Sie sich erst einmal die grundlegende Funktionalität des Programms an.

Abbildung 1: Ein Statusbalken samt Reiter für geöffnete Fenster, so präsentiert sich Ihnen Tmux beim ersten Start.

So wie beim Urgestein Screen regeln Sie den größten Teil der Bedienung über Tastenkombinationen, denen Sie immer eine festgelegte Sequenz voranstellen. Bei Screen ist dies [Strg]+[A], bei Tmux hingegen [Strg]+[B]. Sie haben aber die Möglichkeit, diese in der Manpage prefix key genannte Folge über die Konfigurationsdatei zu ändern.

Um sich mit dem neuen Werkzeug vertraut zu machen, öffnen Sie zunächst mit [Strg]+[B],[C] ein neues Fenster. In der Statuszeile sehen Sie, dass Tmux dieses Fenster dort mit einer neuen Nummer anzeigt. Um nun zwischen den Fenstern zu wechseln, drücken Sie die Tasten [Strg]+[B],[N] ("next"), [Strg]+[B],[P] ("previous") oder [Strg]+[B] in Kombination mit den Zahlentasten [**0**] und [**1**] für die entsprechenden Fenster.

Mehr Komfort und Übersicht erhalten Sie aber, wenn Sie ein virtuelles Terminalfenster einfach in mehrere Panels aufsplitten. Um es vertikal aufzuteilen, drücken Sie [Strg]+[B],[Umschalt]+[**5**], wohingegen [Strg]+[B],[Umschalt]+[**2**] die Teilfenster horizontal arrangiert. Abbildung 2 zeigt den möglichen Split eines Fensters in unterschiedlichen Aufteilungen.

Abbildung 2: Tmux in vollem Einsatz: Verschiedene Konsolen-Tools arbeiten hier in Panels in einem einzigen Terminal.

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