Feine Farben
Überblick über die Neuerungen in Gimp 2.8
Das Bildbearbeitungsprogramm Gimp gilt seit jeher als Paradebeispiel für Open-Source-Software. Schon seit langem arbeitet eine große Zahl an Entwicklern an der Applikation, die dem sündhaft teuren kommerziellen Flaggschiff Photoshop von Adobe Konkurrenz macht. 2008 kam die letzte stabile Version 2.6 heraus. Seit schraubten die Entwickler heftig an der Oberfläche und unter der Haube von Gimp. Dabei unterschätzten sie zunächst den Umfang der Arbeiten etwas: Ursprünglich sollte Gimp 2.8 bereits 2010 erscheint.
Nach nunmehr drei Jahren intensiver Arbeit steht das Paket jetzt endgültig bereit. Für das brandneue Ubuntu 12.04 kam das Update jedoch wenige Tage zu spät: Selbst in dieser aktuellen Distribution finden Sie standardmäßig noch Gimp 2.6. Dagegen bringen Mageia 2 und Fedora 17 (beide auf Heft-DVD) das neue Gimp-Release bereits mit.
Nachrüsten
Wollen Sie die aktuelle Version in der Distribution Ihrer Wahl nachrüsten, steht Ihnen die Option offen, den Quellcode von der Download-Seite des Projekts herunterzuladen [2]. Ist Gimp nicht installiert, richten Sie die aktuellste, stabile Version über den jeweiligen Kommandozeilen-Befehl des Systems ein, wie zum Beispiel unter Ubuntu (Listing 1, Zeile 1) oder OpenSuse (Listing 1, Zeile 2 und 3).
Listing 1
# apt-get install gimp # fast -i gimp # zypper in gimp
Haben Sie unter Ubuntu Gimp 2.6 bereits installiert, wenden Sie die Befehle aus Listing 2 an, um die aktuelle Version 2.8 nachzurüsten. Zusätzlich fügen Sie mit dem Befehl aus Zeile 4 die Gimp-Plugin-Registry aus dem PPA hinzu.
Listing 2
sudo add-apt-repository ppa:otto-kesselgulasch/gimp sudo apt-get update sudo apt-get upgrade sudo apt-get install gimp-plugin-registry
Die Vorgehensweise funktioniert nur bei den beiden letzten Ubuntu-Versionen "Precise" und "Oneiric", da Gimp 2.8 auf vielen aktuellen Bibliotheken basiert, die Sie in älteren Versionen erst nachrüsten müssten. Das stellt einen erheblichen Aufwand dar.
An der Oberfläche
Zahlreiche Nutzer, besonders Umsteiger von Photoshop und anderen Bildbearbeitungsprogrammen, wünschten sich seit längerem einen Ein-Fenster-Modus für Gimp, da sie mit den vielen Fenstern der bisherigen Gimp-Oberfläche nicht so richtig klar kamen. Natürlich bietet der Mehrfenster-Modus Vorteile, da Sie auf diese Weise die Möglichkeit haben, Fenster so anzuordnen, wie es der eigene Workflow erfordert.
Immerhin sorgt der Ein-Fenster-Betrieb zunächst einmal für einen aufgeräumten Arbeitsplatz, was auch nicht zu verachten ist. Sie aktivieren den neuen Modus über Fenster | Einzelfenster-Modus (Abbildung 1). So hat jeder Anwender die Wahl, und alle dürften damit zufriedengestellt sein.
Haben Sie den Ein-Fenster-Modus aktiviert, teilt sich die Bedienoberfläche ("Canvas") in drei Bereiche: das Hauptfenster, welches das Bild beherbergt, und zwei Werkzeugleisten an den Seitenrändern. Die Werkzeugleisten blenden Sie mit Hilfe der Tab-Taste aus, das geöffnete Bild nimmt dann den gesamten Raum der Oberfläche ein. Allerdings setzt das voraus, das der Fokus der Maus im Bild liegt, sonst schlägt diese Funktion nicht an.
Da sich nun keine zusätzlichen Paletten mehr auf dem Bildschirm verteilen, bietet das neue Gimp die Option, weitere Werkzeuge an die Leisten anzudocken. Reicht die Höhe nicht aus oder möchten Sie ein Scrollen vermeiden, dann legen Sie zusätzliche Spalten für die Werkzeuge an. So konfigurieren Sie das Programm ganz nach Ihren Bedürfnissen für kleine oder große Monitore und den Multi-Monitor-Betrieb, erhalten aber trotzdem über die Tab-Taste immer den größtmöglichen Arbeitsbereich.



