AA_4m-start.jpg

© LNM AG

Spezialist nicht nur für alte Rechner 4M Linux

Zweckdienlich

Das superschlanke 4M Linux eignet sich zwar nicht als Allround-Distribution, bietet aber bei minimalem Platzbedarf maßgeschneiderte Software für jeweils fest umrissene Aufgaben.

Kleine Distributionen für unterschiedliche Zwecke gibt es viele. 4M Linux (http://4mlinux.com) bringt jedoch das Kunststück fertig, den Anwender mit einem lediglich rund 100 MByte großen ISO-Image für gleich vier Szenarien zu rüsten. Das System fokussiert dabei auf die vier Ms Maintenance (Wartung), Mini-Server, Multimedia und Mystery, was sich auf Spiele bezieht.

Neben der All-In-One-Edition, die alle vier Bereiche abdeckt, existieren gesonderte Varianten mit jeweils einem Schwerpunkt. Alle stehen zum Download auf der Website des Projektes bereit.

Im Gegensatz zu vielen anderen kompakten Distributionen benötigt 4M Linux relativ anspruchsvolle Hardware: So nennen die Entwickler als Minimum für den Live-Einsatz der Variante All-In-One 512 MByte RAM, die Installation erfordert mindestens 1 GByte freien Festplattenspeicher. Trotz dieser auf den ersten Blick insbesondere für ältere Computersysteme hohen Hardware-Anforderungen bietet 4M Linux keine aufgeblähte Oberfläche: Das System startet im Live-Betrieb nach dem Konfigurieren eines neuen Root-Passwortes im Textmodus.

Möchten Sie lieber auf einer grafischen Oberfläche arbeiten, aktivieren Sie nach dem Anmelden in der Konsole mit dem Befehl startx den wieselflinken Desktop JWM. Ihn ergänzen ein oben mittig angeordnetes, animiertes Dock mit den wichtigsten Applikationen sowie ein Panel mit einigen Schaltflächen zur Navigation am unteren Bildschirmrand.

Je nach vorhandener Hardware finden Sie zudem den Systemmonitor Conky rechts oben auf der Oberfläche, der die wichtigsten Hardware-Parameter in aussagekräftigen Werten anzeigt, wie etwa die Auslastung von Arbeitsspeicher und CPU sowie – sofern vorhanden – die Aktivität im Netzwerk. Die Applikationsmenüs erreichen Sie wie üblich durch einen Klick auf den Starter links unten.

Hier fällt sofort auf, dass sich 4M Linux nicht an die gängigen Konventionen hält: Ein Untermenü Office finden Sie ebenso wenig, wie die üblichen Ordner Grafik, Entwicklung oder Dokumentation. Stattdessen orientiert sich das System an den vorgesehenen Arbeitsschwerpunkten. Hinzu kommen noch die Untermenüs Internet, 4MLinux und Wine. Dabei verzweigen alle mehrere Ebenen nach unten, so dass die Suche nach einer bestimmten Applikation gelegentlich etwas aufwändiger ausfällt.

Im Hauptmenü findet sich ein einzelner Eintrag LibreOffice, der ebenso wie die beiden im Untermenü Internet aufgeführten Einträge Opera und Firefox nicht etwa die erwartete Software starten: Die Menüpunkte verzweigen in ein Terminal, in dem das System den Download der jeweils neuesten Version des jeweiligen Programms anbietet. Die fraglichen Anwendungen stehen nur dann bereit, wenn Sie den Netzzugang korrekt konfiguriert haben.

Schwerpunkte

Das Menü Mystery beinhaltet eine stattliche Anzahl unterschiedlicher Spiele, die meist älterer Natur sind und geringe Hardware-Anforderungen stellen. Dazu zählen teils 30 Jahre alte Schätzchen, die nur mithilfe einer DOS-Emulation arbeiten. Das bedeutet jedoch beileibe nicht, dass beim Spielen Langeweile aufkäme.

Die Games starten meist im Vollbildmodus. Einige benutzen Emulationen alter Grafikstandards wie EGA oder VGA, sodass die Anzeige im Terminal nicht ausreichen würde, um die Übersicht zu behalten.

Die Multimedia-Applikationen reichen – sinnvoll gruppiert – weit über das Betrachten von Video-DVDs, Filmsequenzen oder das Abspielen von Audiodateien hinaus. Im gleichnamigen Untermenü finden sich auch Programme, die in gewissem Umfang die Bearbeiten vorhandener Datenbestände erlauben. Die All-In-One-Variante von 4M Linux enthält jedoch überraschenderweise keinerlei Tools zum Bearbeiten von Bildern.

4M Linux liefert insgesamt fünf Mini-Server und Clients mit, die Sie direkt aktivieren und beim Auftreten von Problemen durch vorkonfigurierte Testroutinen auf ihre korrektes Funktionieren hin überprüfen. Neben einem Servern für FTP und HTTP finden sich auch solche für SSH, SFTP und Telnet im Angebot. Dabei kommt für die einzelnen Dienste Standardsoftware zum Einsatz, wie Busybox, OpenSSH, Putty oder Dropbear.

Eine Ausnahme bildet der Webbrowser Links, der zwar rasend schnell zu Werke geht, jedoch nicht alle Standards komplett unterstützt und sich daher für den Einsatz im Internet nur bedingt eignet. Möchten Sie sich aufwendig gestaltete Webseiten ansehen, so empfiehlt sich die Installation von Firefox oder Opera, die Sie bei Bedarf zusätzlich mit den entsprechenden Plugins erweitern.

4M Linux bringt im Maintenance-Bereich eine ganze Reihe von Programmen zur plattformübergreifenden Wartung von Systemen mit. Dazu gehören neben Treibern für unterschiedlichste Dateisysteme vor allem Tools zum Rekonstruieren versehentlich gelöschter Dateien, primär die beiden pfiffigen Programme Testdisk und PhotoRec.

Mit dem unter Linux weit verbreiteten Midnight Commander, der sich optisch eng an den aus der DOS-Welt her bekannten Norton Commander anlehnt, findet sich zudem ein leistungsfähiger und schneller Dateimanager im Lieferumfang.

Systemmanagement

Die Distribution geht in Sachen Systemmanagement eigene Wege: Grafische Oberflächen zum Installieren von Software im Stil von YaST oder Synaptic suchen Sie hier vergebens. Die Distribution verfügt zudem über kein eigenes Paketformat.

Das bedeutet, dass Sie Programme entweder aus dem Quelltext oder – wie bei LibreOffice und Firefox – aus entsprechenden Skripten heraus in das System integrieren müssen. Mithilfe von Wine gelingt es jedoch aus dem Stand, Windows-Software zu nutzen.

Management-Tools, die bei den Mainstream-Distributionen zum Standardumfang gehören, fehlen bei 4M Linux ebenfalls gänzlich. Daher eignet sich das System eher für fortgeschrittene und experimentierfreudige Anwender, die mit der Kommandozeile vertraut sind.

Falls die in der All-In-One-Edition vorhandenen Programme für Ihre Zwecke nicht ausreichen, so haben Sie die Möglichkeit, auf der Website des Projektes spezielle Varianten des Betriebssystems herunterzuladen, die die Entwickler jeweils nur für einen der vier Bereiche zusammengestellt haben und die daher zusätzliche Software beinhalten.

Immerhin bietet das Menü 4MLinux eine Routine zum dauerhaften Installieren des Systems auf der Festplatte. Am gleichen Ort finden sich zusätzlich einige Texte, die bei der Installation und Betrieb helfen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Eine Hilfeseite und eine FAQ-Seite erläutern die Grundfunktionen des Systems.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Mini-Distribution 4M Linux
    Viele Linux-Distributionen wollen als Allrounder auf dem Desktop wunschlos glücklich machen. 4M Linux dagegen bietet funktionsorientierte Varianten ohne unnötigen Ballast.
  • Im Doppelpack
    Mit zwei sehr schlanken Varianten stellt 4MLinux auch Nutzern älterer Hardware gängige Wartungs- und Rettungstools zur Verfügung.
  • 4MLinux 13.1 veröffentlicht
    Die Mini-Distribution 4MLinux ist in einer neuen stabilen Version erschienen. Die Änderungen liegen dabei vor allem unter der Haube. So werkelt in der Version 13.1 der Linux-Kernel 3.18 LTS.
  • Empfehlenswerte Live-Systeme für den USB-Stick
    Der nagelneue USB-Stick wartet mit seinen satten 32 GByte Speicher nur darauf, mit Live-Systemen befüllt zu werden. Höchste Zeit also für ein paar interessante, kuriose und vor allem Daten rettende Distributionen.
  • Neues auf den Heft-DVDs
    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial Ihres Rechners. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur topaktuelle Distributionen, sondern auch die passenden Programme zu den Artikeln.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Probleme mit MPC/MPD
Matthias Göhlen, 27.09.2016 13:39, 0 Antworten
Habe gerade mein erstes Raspi Projekt angefangen, typisches Einsteigerding: Vom Raspi 3B zum Radi...
Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 6 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 4 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...
windows bootloader bei instalation gelöscht
markus Schneider, 12.09.2016 23:03, 1 Antworten
Hallo alle zusammen, ich habe neben meinem Windows 10 ein SL 7.2 Linux installiert und musste...