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Professioneller Video-Vorspann mit Blender 2.63

Fast wie in Hollywood

Leiten Sie ihr nächstes Urlaubs- oder Geburtstagsvideo statt mit einem einfachen Titel professionell mit einem Schriftzug ein, der sich perfekt in die gefilmte Szene einfügt.

Was Effekte angeht, bleiben Hollywood und das Fernsehen den Amateuren immer einen Schritt voraus – doch die Abstände werden kleiner. So waren früher "Rolling Titles" unbezahlbar, also Vor- und Abspänne, die über schwarzen Hintergrund laufen. Mit Einführung der Digitaltechnik änderte sich das. Die Film- und Fernsehstudios reagierten mit aufwändigen Animationen, etwa für die "Bauchbinden" bei Reportagen. Aber auch hier holte die Consumer-Software schnell auf. Für Linux hält beispielsweise OpenShot ([1],[2]) in Kombination mit Blender eine Reihe von 3D-Titelanimationen parat. Aber die "Großen" haben reagiert: Seit einigen Jahren finden sich immer mehr 3D-Schriftzüge in Werbung, Musikclips und Filmen, die sich perfekt in die Bewegung der Kamera einpassen und aussehen, als würden sie zur realen Szene gehören. Doch auch diesen Vorsprung hat die freie Software inzwischen eingeholt, denn seit Version 2.6 integriert die 3D-Suite Blender ein Modul für Kamera-Tracking.

Die Software Blender [3] unterscheidet sich von anderen Paketen aus dem 3D-Bereich dadurch, dass sie alle für eine 3D-Produktion benötigten Komponenten unter einem Dach vereint. Zu diesem Konzept gehört auch eine einheitliche Bedienung, weswegen die Bedienung des Kamera-Trackers auf den Rest des Pakets abgestimmt ist. Standalone-Anwender müssen sich auf einen Workflow einstellen, der sich von jenem anderer Pakete unterscheidet, dem reinen Blender-Nutzer aber einiges an Zeitaufwand erspart.

Dieser Artikels führt in die Bedienung des Kamera-Tracking-Moduls von Blender ein, ohne zu weit in die anderen Bereiche der umfangreichen 3D-Suite vorzudringen. Ein ausführlicher Workshop zu Blender erschien bereits Anfang 2011 in LinuxUser ([4],[5],[6]). An der allgemeinen Bedienung hat sich seither nur wenig geändert.

Beispieldateien

Sowohl die Software als auch die Footage, in die später ein Schriftzug integriert wird, findet sich auf der offiziellen Blender-Homepage. Installieren lässt sich das aktuelle Blender 2.63a einfach durch Herunterladen und Entpacken des Binär-Pakets von Blender aus der Downloads-Sektion der Webseite. Die verwendete Footage zählt zu den offiziellen Demo-Dateien von Blender 2.6x und findet sich etwas versteckt unter [7] (Demo-Dateien für Camera Tracking and Ocean Simulation) sowie auf der Heft-DVD zu dieser Ausgabe.

Der Vorteil der Beispiel-Dateien

Die Demo-Dateien von Blender 2.6x laden zum stöbern ein. So finden sich dort fertige Tracks nicht nur des hier verwendeten Beispiels, sondern beispielsweise auch eine Roboter-Attacke auf einen Platz in Turin. Diese lassen sich studieren um herauszufinden, wie die Profis das Tracking und die 3D-Integration angehen, und dienen ebenso der Inspiration.

Beim ersten Start von Blender 2.63a zeigt sich ein Splash-Screen, der neben wichtigen Links auch die zuletzt bearbeiteten Dateien enthält. Ein Klick blendet diesen aus. Dahinter versteckt sich die 3D-Ansicht von Blender, die aber momentan noch nicht von Interesse ist. Das Kamera-Tracking-Modul erreichen Sie, indem sie links unten auf das kleine Würfel-Symbol klicken und in der aufklappenden Liste den Movie Clip Editor auswählen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Tracking-Funktionen von Blender finden sich im Movie Clip Editor.

Sie haben soeben einen Wechsel des Fenster-Typs in Blender vollzogen. Das Interface lässt sich auf diese Weise einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Der Name des neuen Fenster deutet schon darauf hin, dass darin deutlich mehr möglich ist (beziehungsweise möglich sein wird) als nur Motion-Tracking. Dieser Artikel konzentriert sich aber auf die Tracking-Funktionen.

Clip zum Tracken laden

Noch zeigt sich das Editor-Fenster komplett leer. Am unteren Rand findet sich eine Schaltfläche Open, über die Sie Clips laden können. Wechseln Sie in den Ordner, in den Sie die Demo-Dateien entpackt haben, und dort in den Unterordner Table_Demofile/table_sequence/. Dort findet sich eine Bildsequenz, von der Sie nur die erste Datei anwählen, den Rest der Sequenz entdeckt Blender automatisch. Da die Bildsequenz 100 Frames umfasst, die Standard-Animation in Blender aber auf 250 eingestellt ist, ändern sie die Länge nach dem Laden am unteren Fensterrand (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Länge der Animation stellen sie ganz unten im Fenster ein.

Nicht nur Bildsequenzen

Für diesen Workshop wird zwar eine Bildsequenz genutzt, der Movie-Clip-Editor von Blender kommt aber auch mit Video-Dateien klar. Laden lassen sich alle Formate, welche die FFMPEG-Bibliothek unterstützt. Dazu gehören die Video-Formate fast aller gängigen Kompakt- und Spiegelreflexkameras.

Nun können Sie die Maus über das Bild bewegen und mit [Alt]+[A] das Video starten und stoppen. Der blaue Balken, der sich unter dem Video mitbewegt, zeigt die Bilder an, die Blender gerade im Arbeitsspeicher zwischenspeichert. Diesen Cache hält Blender in der Vorgabe sehr klein, damit das Programm auch auf alter Hardware funktioniert. Für ein flüssiges Arbeiten sollten Sie den Cache so einstellen, dass das gesamte Video darin Platz findet. Die entsprechenden Einstellungen erreichen Sie über das Menü File | User Preferences links oben oder über das Tastenkürzel [Strg]+[Alt]+[U]. Dort definieren Sie die Puffergröße im Reiter System unter Memory Cache Limit in MBytes. Um den Beispiel-Clip komplett zu puffern, genügen 1024 MByte.

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