Langsamer Steigflug

Mandriva-Fork Mageia 2 im Überblick

26.06.2012
Mageia 2 überzeugt mit einem stabilen System und der perfekten Integration des KDE-4-Desktops.

Im vorigen Jahr gab Mageia.org [1] die erste Version des Mandriva-Forks Mageia heraus. Das Erstlingswerk bestand größtenteils aus portierten Teilen der ursprünglichen Distribution, und die Linux-Welt nahm sie wohlwollend auf. Mit der pünktlich zum LinuxTag erschienenen Version 2 zeigt es sich, ob der erste Erfolg nur auf einem Hype gründete oder ob die Organisation auf diesen Erfolg aufbauen und ihn weiterführen kann.

Auf den ersten Blick zeigt sich, dass die Entwickler das klare und ansprechende Aussehen der ersten Version weiterführten und verbessert haben. Mageia bleibt dem traditionellen Stil des früheren Mandriva treu und unterscheidet sich so von der aktuellen Mandriva-Version mit dem ROSA-Desktop [2]. Auch bei den ISO-Abbildern hat Mageia nicht reduziert, sondern die Auswahl im Gegensatz zu Mandriva um Live-CDs für 64-Bit-Systeme erweitert.

Das System der neuen Version basiert auf Kernel 3.3.6 und bietet neben den beiden gebräuchlichsten Desktop-Umgebungen KDE (4.8.2) und Gnome (3.4.1) die schlankeren Alternativen LXDE, XFCE 4, E17 und Razor-Qt an. Im Bereich der Anwendungen enthält Mageia 2 die neuesten Versionen von LibreOffice, Gimp und anderen Paketen.

Eine Sonderstellung nimmt dabei der Browser Firefox ein, bei dem sich Mageia auf Grund der Release-Politik von Mozilla für Firefox 10 ESR entschieden hat. Diese Langzeitversion bietet längere Stabilität insbesondere in Bezug auf die Erweiterungen, ohne jedoch auf sicherheitsrelevante Patches zu verzichten. Sie finden eine detaillierte Liste der wichtigsten Eigenschaften und Paketversionen in den Release-Hinweisen auf der Mageia-Website [3].

Mageia-Editionen

Mageia 2 steht wie gewohnt in mehreren Editionen bereit. Auf der Download-Seite [4] finden Sie zwei Installations-DVDs (je eine für 32-Bit- und 64-Bit-Systeme) mit einem umfassenden Software-Angebot, eine Dual-Arch-CD zur Installation eines minimalen Systems, das LXDE enthält, sowie mehrere Live-CDs für KDE und Gnome.

Diese Live-CDs unterscheiden sich in den enthaltenen Sprachgruppen. Für den deutschsprachigen Benutzer sind die CDs mit der Bezeichnung Europa 1 relevant. Die Disks eignen sich nicht für ein Upgrade von Mageia 1 auf Mageia 2 geeignet.

Während die Installations-DVDs und die Dual-Arch-CD nur freie Software enthalten, bieten die Live-CDs für KDE und Gnome auch unfreie Grafiktreiber und Plugins an. Verwenden Sie die Installations-DVD, haben Sie die Möglichkeit, diese Treiber und Plugins nach der Installation vom Zweig non-free der Online-Repositories nachzuinstallieren.

Bei den Repositories finden Sie den Zweig core, der alle freie Softwarepakete enthält, sowie die beiden Zweige non-free und tainted. In non-free liegen alle unfreien Treiber, Plugins und sonstige Pakete, während tainted Software umfasst, die zusätzlich eine problematische Lizenz aufweist oder nicht überall vertrieben werden darf.

Das ermöglicht es sowohl Betreibern von Spiegel-Servern als auch Benutzern in Ländern mit entsprechender Gesetzgebung selbst zu entscheiden, ob sie den betreffenden Zweig anbieten beziehungsweise nutzen wollen.

DVD oder Live-CD

Eine Installation von der Live-CD ist um einige Schritte kürzer, da hier die Auswahl der Desktop-Umgebung und einzelner Pakete entfällt. Sie starten die Installation aus dem laufenden System, wodurch die bereits festgelegte Konfiguration zum Einsatz kommt. Nach dem Partitionieren und dem Kopieren der Inhalte von der CD entfernt das Setup nicht benötigte Treiber und Sprachpakete. Der Vorteil der Live-CD besteht im geringeren Download-Volumen sowie in dem Vorhandensein der meisten unfreien Gerätetreiber.

Im Allgemeinen ergibt eine Installation von den DVDs eine saubere Installation. Der Nachteil der auf der DVD nicht vorhandenen proprietären Treiber fällt kaum ins Gewicht, da das System diese nach einem Einbinden der Softwarequellen bei erneutem Aufrufen der Werkzeuge zum Konfigurieren (zum Beispiel für die Grafikkarte) automatisch nachzieht. Probleme bereitet dies nur, wenn Sie proprietäre WLAN-Treiber benötigen, da sich diese nicht auf der DVD finden. In diesem Fall müssen Sie von einer Live-CD installieren oder vorübergehend einen kabelgebundenen Internetzugangs verwenden.

Die Installation

Im Test kam die Installations-DVD (64-Bit) sowie je eine Live-CD für KDE und Gnome zum Einsatz. In der Installationsroutine fällt außer einer leicht verbesserten Grafik wenig Neues zur vorherigen Version auf. Nach dem Booten der DVD grüßt ein ansprechend gestaltetes Menü (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Startmenü bietet neben der Möglichkeit zur Installation auch einen Eintrag für den Einsatz als Rettungssystem.

Neben der Installation bietet es einen Eintrag für den Einsatz als Rettungssystem, oder um einen Hardware- oder Speichertest vorzunehmen. Nach Auswahl der Installationsoption führt Sie der grafische Installer Schritt für Schritt durch alle Phasen der Installation. Bei jedem dieser Schritte haben Sie die Möglichkeit, über [F1] einen Hilfetext anzufordern. Dem erfahrenen Benutzer steht bei nahezu jeder Gelegenheit ein erweiterter Modus mit umfassenden Optionen bereit.

Das Tool zum Partitionieren, Diskdrake, haben die Entwickler nicht weiter verändert. Es liefert in optisch ansprechendem Gewand eine sehr gute Übersicht über die vorhandenen Bereiche der Festplatten und schlägt auf Wunsch eine entsprechende Aufteilung vor. Sie müssen diese Vorschläge freilich nicht annehmen, sondern können auch selbst über Typ und Größe der Bereiche entscheiden. In der Regel schlägt das Programm das Dateisystem Ext4 vor, es stehen jedoch auch alle anderen üblichen Formate bereit. Möchten Sie eine neue Partition verschlüsseln, markieren Sie beim Einrichten die entsprechende Option.

Als Nächstes folgt die für einen Einsteiger wohl wichtigste Entscheidung, die Auswahl des Desktops. Hier bietet die Mageia-DVD sowohl KDE und Gnome als auch eine Option Benutzerdefiniert zur Auswahl an (Abbildung 2). Markieren Sie KDE oder Gnome, dann beginnt der Installer sofort mit dem Aufsetzen eines entsprechenden Systems. Über die Option Benutzerdefiniert gelangen Sie in eine nach Gruppen und auf Wunsch sogar nach einzelnen Paketen sortierte Auswahl.

Obwohl das Angebot an Software der DVD bereits umfassend ausfällt, haben Sie trotzdem die Möglichkeit, während des Installationsprozesses zusätzliche Quellen (FTP-Server, lokale Server, optische Medien) einzubinden und deren Inhalte in der individuellen Auswahl der Pakete zu nutzen.

Abbildung 2: Bei der Auswahl der Desktop-Umgebung bietet Mageia neben Standardoptionen auch die Möglichkeit zum individuellen Zusammenstellen des Desktops.

Nach der Auswahl beginnt die recht flüssig ablaufende Installation der Pakete auf die Festplatte. Beim darauf folgenden Einrichten des Systems ergeben alle vorgegebenen Einstellungen in der Regel Sinn. Ein Zwischenschritt des Systems erfordert jedoch ein wenig Geduld seitens des Anwenders: das Erstellen der nötigen Skripte und Konfigurationen für den Systemstart. Auf dem Bildschirm sehen Sie eine entsprechende Meldung.

Hat der Installer dies alles abgeschlossen, so zeigt er eine Zusammenfassung aller Einstellungen (Abbildung 3). Über einen Button haben Sie jederzeit die Möglichkeit, noch Änderungen vorzunehmen. Im Test erkannte das System allerdings sowohl auf dem Test-PC als auch auf einem Samsung-Notebook alle Hardware-Komponenten automatisch und richtete diese korrekt ein.

Abbildung 3: Am Ende der Installation zeigt der Mageia-Installer eine Zusammenfassung der Konfiguration.

Wie bereits bei Installation von Mageia 1 versagte allerdings das Aktivieren der WLAN-Verbindung. Sie war zwar korrekt konfiguriert, stand aber erst nach einem Neustart bereit. Der vorhandene Multifunktionsdrucker von HP ließ sich inklusive Scan-Funktion und zugehöriger Software erst nach dem Neustart einrichten.

Ein wichtiger Schritt ist nur an dieser Stelle möglich: die Korrekturen beim Einrichten des Bootloaders. Ein Überprüfen der automatisch gefundenen Werte schadet sicher nicht. Normalerweise erkennt der Installer vorhandene Distributionen und fügt sie automatisch in das Bootmenü ein.

Allerdings gibt es Probleme, wenn bereits eine Distribution auf der Festplatte liegt, die Grub2 verwendet – zum Beispiel Ubuntu. Wenn Mageia mit seiner alten Grub-Version den im Master Boot Record residierenden Grub2 überschreibt, klappt das Booten der existierenden Systeme nicht mehr.

Zu diesem Thema, das die Community wohl solange beschäftigen wird, bis sich alle Distributionen auf einen Bootloader geeinigt haben, gibt es verschiedene Lösungen, die Sie bei Bedarf sowohl bei Grub2-Distributionen als auch in den Foren bei Mageia nachlesen. Auf dem Testrechner waren bereits Windows 8 sowie Mageia 1 vorhanden. Beide erkannte das System und trug sie ins Bootmenü ein.

Nach dieser Zusammenfassung besteht die Möglichkeit, bei aktivem Internetzugang bereits nach dem Erscheinen der Distribution herausgegebene Aktualisierungen zu installieren. Auf dem Testrechner mit kabelgebundenem Netzzugang aktualisierte das System noch einmal 50 Pakete.

Nach der Installation erfolgt als Erstes das Einrichten der Paketquellen. Dies erledigt das System bei Bedarf automatisch, wobei es bei jedem Update und jeder Installation einen Server in geografischer Nähe auf Erreichbarkeit prüft und dann verwendet. Ziehen Sie einen bestimmten Server vor, suchen Sie diesen aus einer Liste im Konfigurations-Tool heraus.

Den Zweig core aktiviert das System dabei automatisch. Möchten Sie die unfreien und teilweise lizenzbewehrten Pakete der Bereiche non-free und tainted benutzen, aktivieren Sie diese Zweige via Mausklick. Dieser Schritt entfällt, falls Sie am Ende der Installation bereits Aktualisierungen nachgezogen haben.

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