Daten verarbeiten

Ein Doppelklick auf eine Datei im Leuchttisch öffnet diese im Dunkelkammer genannten Entwicklungsmodul. Dessen Aufteilung erinnert wiederum sehr stark an Lightroom (Abbildung 7).

Abbildung 7: Darktable bietet bekanntes und erprobtes Design: Die Auswahl finden Sie am unteren Rand, rechts eine reichhaltige Palette mit Werkzeugen und links Bildinformationen, Übersicht und Verlauf der Arbeit.

In der Mitte steht zentral das Foto. In der linken Seitenleiste finden Sie den Verlauf der Schritte beim Bearbeiten sowie die Möglichkeit, Snapshots einzelner Zustände aufzunehmen. Außerdem gibt es hier eine Pipette, mit der Sie Farbpunkte aufnehmen, um diese im RGB- oder Lab-Modus anzusehen. Am unteren Rand befindet sich der Streifen mit einer Übersicht aller Dateien. Am rechten Rand stehen die eigentlichen Werkzeuge bereit.

Darktable bietet eine Fülle unterschiedlicher Werkzeuge. Daher haben sich die Entwickler entschieden, diese in diverse Module aufzuspalten. Von diesen ist jeweils nur ein Teil aktiv, die restlichen Module rufen Sie bei Bedarf auf. Das Konzept spart Platz und beschleunigt so den Arbeitsablauf, wenn Sie sich erst einmal daran gewöhnt haben. Die Werkzeuge gliedert das Programm in folgende Bereiche:

  • aktuell verwendete Module,
  • explizit ausgewählte Module (Favoriten),
  • Basisgruppe (Belichtung und Weißabgleich),
  • Helligkeit (Werte, Farbkurve, Zonen),
  • Farbgruppe (Velvia, Farbbereiche),
  • Korrektur (Schärfen, Entrauschen, Objektivkorrektur) und
  • Effekte.

Die Effekt-Gruppe enthält Rahmen, Körnung, Verlaufsfilter und andere Werkzeuge, die so in anderen Programmen nicht vorkommen.

Etwas ungewohnt ist beim Weißabgleich das Fehlen einer Pipette zum automatischen Anpassen an einen gewählten Punkt. Dafür bietet Darktable einen Ein- und Ausgang für die Farbtemperatur – dies behandeln andere Programme implizit.

Die Snapshots wiederum ermöglichen, mehrere Zustände für eine Datei abzuspeichern und zu vergleichen. Nach dem Sie einen Snapshot erzeugt haben, teilt sich die Ansicht, und Sie können auf einfache Weise unterschiedliche Versionen des Bilds miteinander vergleichen.

Fazit

Linux bietet zum Bearbeiten von RAW-Daten alles, was das Herz nur begehrt: Die Palette reicht vom einfachen Konsolen-Tool, mit dem Sie Ruck-zuck ganze Serien von Rohdaten in Fotos zum Weiterverarbeiten umwandeln über RAW-Konverter mit praktischer Bedienoberfläche bis hin zu Werkzeugen für den (fast) kompletten Foto-Workflow. Hier sollte sich für jeden Geschmack etwas Geeignetes finden.

Im Test gefiel vor allem Darktable, das stark an Lightroom erinnert und daher für viele Fotografen einen einfachen Einstieg ermöglicht. Beim Bearbeiten von umfangreichen Bildsammlungen in hoher Geschwindigkeit überzeugt dagegen Ufraw uneingeschränkt. Die Tabelle "RAW-Konverter im Überblick" liefert noch einmal einen Überblick über die Programme des Testfelds und hilft so bei der Auswahl der geeigneten Software. 

RAW-Konverter im Überblick

  Darktable Dcraw Rawstudio Rawtherapee Ufraw
URL http://www.darktable.org http://cybercom.net/~dcoffin/dcraw/ http://rawstudio.org http://rawtherapee.com http://ufraw.sourceforge.net
Typ Konverter, Bildverwaltung Konverter Konverter Konverter Konverter
Funktionen
Belichtung (X) (X) (X) (X) (X)
Beschnitt (X) (X) (  ) (X) (X)
Gradationskurve (X) (  ) (X) (  ) (X)
Hot-Pixel-Entfernung (  ) (X) (  ) (  ) (X)
Kontrast (X) (X) (X) (X) (X)
Rauschminderung (X) (  ) (  ) (X) (  )
Sättigung (X) (X) (  ) (X) (X)
Schärfen (X) (  ) (X) (X) (  )
Tethered Shooting (X) (  ) (  ) (X) (  )
Weißabgleich (X) (X) (  ) (X) (X)
Besonderheiten Objektivkorrektur, Graustufenkonvertierung Farbtemperatur, Farbton Schatten & Lichter wiederherstellen Graustufen-Konvertierung
Bearbeitung / Finishing Rahmen, Filmkorn, Weichzeichnen, Filtereffekte
Bewertung
Positiv Gelungene Bildverwaltung. Viele Verarbeitungswerkzeuge, keine zusätzlichen Programme notwendig. Einfache Batch-Verarbeitung. Einfaches Bearbeiten von Voreinstellungen (Textdateien). Mehrere Varianten pro Bild möglich. Einfache Bildnavigation (inklusive Farb-/Stern-Bewertung). Übersichtliches, praxisnahes Entwicklungsmodul. Übersichtliche, praxisnahe Oberfläche. Schnelle Batch-Verarbeitung.
Negativ Navigation im Leuchttisch-Modus nur per Maus. Schlechtes Feedback zu veränderten Werten. Wenig Entwicklungswerkzeuge. Batch-Verarbeitung gewöhnungsbedürftig. Unübersichtliche Foto-Handhabung.
Zielgruppe Für Umsteiger von Mac/Windows und Fotografen, die ein multifunktionales Programm bevorzugen. Perfekt für das Verarbeiten großer Bildmengen, aber ungeeignet für Fotografen, die optisches Feedback brauchen. Für Fotografen, die über eine schnelle RAW-Entwicklung Fotos für die Weiterverarbeitung produzieren wollen. Für Bildbearbeiter, die sowohl umfangreiche Einstelloptionen als auch eine schnelle Batch-Funktion suchen. Perfekt für Fotografen, die viele Fotos im Batch-Betrieb bearbeiten möchten und eine optische Konfiguration wünschen.

Infos

[1] Corel AfterShot Pro für Linux: Thomas Leichtenstern, "Entwicklungshelfer", LU 03/2012, S. 64, http://www.linux-community.de/25479

[2] Darkroom: http://linuxdarkroom.tassy.net

[3] Test Rawtherapee: Thomas Leichtenstern, "Alles unter einem Dach", LU 09/2010, S. 32, http://www.linux-community.de/21631

[4] Test Rawstudio: Thomas Leichtenstern, "Entwicklungshilfe", LU 01/2010, S. 68, http://www.linux-community.de/19912

[5] Test Darktable: Karsten Günther, "Licht und Schatten", LU 07/2011, S. 62, http://www.linux-community.de/22172

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Kommentare
schlechte Darstellung auf Seite 7
joe (unangemeldet), Donnerstag, 10. April 2014 19:47:43
Ein/Ausklappen

Auf Seite 7, der eigentliche Vergleich:
Ich sehe da im aktuellen Firefox eine auf 2,5 Konverter beschnittene Vergleichstabelle.
Möchte man alles sehen, so muss man die Druckansicht wählern. Dazu ist es aber nicht vollständig. Es fehlen Photivo und digiKam.
Ein detaillierterer Eigenschaftvergleich würde ich mir auch wünschen.
Wichtig ist auch die Angabe der Software-Version, bei Rawtherapee hat sich wohl einiges getan....(CIECAM02-Modell, Hotpixel,, Graustufenfilter und ~Konvertierung, Tonmapping, ...)

Und jetzt, 2 Jahre später, kam noch LightZone dazu ;-)



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