Fedora Linux verfügt über ein geradezu beneidenswertes Image: Die Community-Distribution von Red Hat hat sich den Ruf erworben, viele erfreuliche Eigenschaften gleichzeitig zu besitzen. Fans sagen, Fedora sei ausgereift wie Debian, mindestens so modern wie OpenSuse und dabei so leicht zu bedienen wie Ubuntu. Wir haben uns angesehen, ob das frisch erschienene Fedora 17 "Beefy Miracle" diesen hohen Ansprüchen auch gerecht wird.
Als Testgerät kam ein Thinkpad T60 von Lenovo zum Einsatz. Dieses traditionell von Linux sehr gut unterstützen Gerät hat sich mit verschiedenen Varianten von OpenSuse und Ubuntu im Alltag tadellos bewährt. Dass es mit 2 GByte Arbeitsspeicher und einem nicht mehr ganz taufrischen Intel-Dual-Centrino kein hochaktueller Bolide mehr ist, gibt Fedora 17 zusätzlich Gelegenheit, sich auch als schlankes System zu bewähren.
Installation
Fedora bekommen Sie von den Download-Seiten des Projekts [1] und via Bittorrent in vielen verschiedenen Varianten. Den Live-Desktop finden Sie in den Versionen für 32- und 64-Bit-Systeme auf der Heft-DVD. Neben der Standardversion mit Gnome 3.4 als Desktop ist Fedora auch mit KDE 4.8, XFCE 4.4 und LXDE als Oberfläche im Angebot.
Alternative Desktop-Oberflächen erweisen sich als ein großer Vorteil von Linux. Jeder große Distributor integriert aber einen bestimmten Desktop ganz besonders intensiv in sein Konzept. Bei Fedora fiel die Wahl auf Gnome (Abbildung 1), und so kam zunächst diese Variante unter die Lupe. Live-CD und Installation funktionieren reibungslos, KDE und Kollegen rüsten Sie später leicht nach.
Fedora 17 vertraut komplett auf die Konzepte des Gnome-Projekts. Dabei vermeidet die Distribution jede deutlich sichtbare Änderung an Gnome 3 – nicht einmal das Fedora-Logo ist auf dem Desktop auszumachen. Das erstaunt nicht, denn schließlich steht hinter Fedora kein anderer als Red Hat, also das Unternehmen mit dem größten Anteil am Gnome-Projekt.
Der Desktop besteht aus der eigentlichen Arbeitsfläche und einem Interface mit dem Namen Gnome-Shell. Die Oberfläche räumt den Fenstern maximalen Platz ein, die Gnome-Shell bietet Programmstarter und verwaltet die Arbeitsflächen.
Unangenehm fällt auf, dass Gnome keine Möglichkeit mehr bietet, um den Rechner auszuschalten. Erst nach dem Abmelden vom Desktop finden Sie rechts oben einen kleinen Knopf, der zusätzliche Aktionen erlaubt. In der Liste, die sich hinter dem Benutzernamen rechts oben verbirgt, finden Sie die Einstellungen für das System – unter anderem mit deutlich erweiterten Möglichkeiten für Wacom-Zeichen-Tablets und zum Verwalten von Farben (Abbildung 1).
Für die Suchfunktion müssen Sie nicht den Cursor in das Suchfeld setzen: Sobald Sie einen Buchstaben des gesuchten Begriffs eintippen, beginnt die Suche nach Programmen und Dateien. Die Ergebnisse erscheinen sofort in der Liste in der Mitte. Etwas darunter finden Sie Schalter, die den Suchbegriff an Wikipedia oder Google schicken. Einzelne Programme ziehen Sie bei Bedarf auf die Favoriten genannte Schnellstartleiste links.
Insgesamt schielt der Desktop – ähnlich wie Ubuntus Unity – auf mobile Geräte mit Touch-Oberfläche. Der Spagat gelingt Fedoras Gnome auf dem 1600 mal 1440 Pixel großen Display des Testgeräts ziemlich gut. Es kommt nicht das Gefühl auf, der PC sei nur mit kargem Spielzeug für Mobiltelefone ausgestattet.
Cloud-Dienste
Die Integration des Webs, meist in Form der Cloud, erweist in Gnome 3.4 als fortschrittlich. Wie auf Mobilgeräten binden Sie Online-Dienste wie Google Docs nahtlos in den Desktop ein. Die Unterstützung von berührungsempfindlichen Displays treibt Fedora 17 im Hintergrund voran. So enthält das System bereits eine Funktionen für Multitouch-Aktionen, die im kommenden GTK 3.4 den Benutzern bereit stehen.
Viele Nutzer haben in der Vergangenheit an der Gnome-Shell kritisiert, dass diese einen Grafiktreiber mit Hardware-Beschleunigung voraussetzt. In Fedora 17 fällt dieses Problem flach, denn die grafischen Effekte der Shell laufen jetzt bei Bedarf direkt auf der CPU.
Das neue Gnome Boxes [2] bietet eine grafische Oberfläche für den Umgang mit virtuellen Maschinen. Ganz im Sinne des Gnome-Mantras geht es dabei nicht um totale Kontrolle über jeden Aspekt der Virtualisierung. Stattdessen gibt Boxes Ihnen ein intuitiv zu bedienendes Werkzeug an die Hand, mit dem Sie virtuelle Maschinen starten und steuern und sich via Netzwerk mit virtuellen Maschinen auf entfernten Rechnern verbinden.



