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Sicherer Hafen

Cloud-Speicher auf eigenen Servern bereitstellen mit OwnCloud

26.06.2012
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Statt private Daten in die Hände kommerzieller Anbieter zu geben, setzen Sie mit OwnCloud eine eigene Wolke auf, in der Sie Daten speichern und mit anderen teilen.

Die Cloud ist in aller Munde, schon seit Jahren. Und langsam, aber sicher geht es auch für Otto Normalbenutzer mit dem wolkigen Thema los: Daten in die Cloud auszulagern und über mehrere Geräte automatisch zu synchronisieren erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Dienstleister wie Dropbox, SpiderOak oder Apples iDisk reagieren und stellen Nutzern die gefragten Online-Festplatten bereit. Die Unternehmen versprechen zwar Datensicherheit – ob diese aber wirklich gewährleistet ist, entzieht sich in aller Regel der Kenntnis des Nutzers. Garantien für den einfachen Zugriff von allerlei staatlichen Organen auf die Daten trüben zusätzlich das Vertrauen.

Vor über zwei Jahren brachte es der KDE-Entwickler Frank Karlitschek auf dem Camp KDE 2010 auf den Punkt: Anwender wollen unabhängig vom Standort auf ihre Daten zugreifen, gleichzeitig aber die Kontrolle über die gespeicherten Dateien behalten [1]. Mehrere Entwickler griffen daraufhin die Idee der eigenen Cloud auf, und bereits ein halbes Jahr später erschien die erste Version von OwnCloud [2], einer Online-Speicherlösung, die sich auch für den privaten Einsatz eignet.

Die Software steht unter der AGPLv3 und ist in PHP und Javascript implementiert. Der Zugriff auf den Online-Speicher erfolgt via WebDAV oder eine Web-Oberfläche. Sie haben die Möglichkeit, Verzeichnisse zu synchronisieren und festzulegen, welche Daten sie mit anderen Anwendern teilen wollen.

Die Cloud-Software bietet einen Mediaplayer und eine Galerie, erlaubt es, Kalender und Listen mit Kontakten zentral zu verwalten sowie Dokumente online zu bearbeiten. Eine Versionsverwaltung hilft, unabsichtlich getätigte Änderungen ungeschehen zu machen. Darüber hinaus gibt es immer mehr Anwendungen, mit denen Sie bei Bedarf den Funktionsumfang erweitern.

Vor Kurzem haben die Entwickler Version 4 veröffentlicht. Die Installation auf dem eigenen Server oder Webspace setzt mindestens PHP 5.3 sowie MySQL oder SQLite voraus. Auf der Projektseite finden Sie eine ausführliche Dokumentation dazu [3]. Haben Sie bereits eine frühere OwnCloud-Version installiert, besteht prinzipiell die Möglichkeit, diese auf den aktuellen Stand zu bringen. Dazu liefert die zuvor genannte Dokumentation Hinweise, die aber nur bedingt funktionieren.

Auf der Testinstallation (Webspace mit Debian "Squeeze", Apache 2.2.16, PHP 5.3.3 und MySQL 5.1.61) führte der Wechsel von OwnCloud 3.0.2 auf 4.0.0 lediglich zu der Fehlermeldung Error while upgrading the database und dem Log-Eintrag {"app":"core","message":"Failed to get existing database structure for upgrading (MDB2_Schema Error: schema validation error)", "level":4, "time":1338030714}.

Konfiguration

OwnCloud verfügt über eine relativ intuitive Web-Oberfläche, die bei der Installation in einem vom Provider bereitgestellten Webspace allerdings teilweise etwas langsam reagierte. Links oben finden Sie Ordner und installierte Anwendungen aufgelistet, der untere Teil der Navigation bleibt dem (zunächst eingeklappten) Menü für die Konfiguration vorbehalten. Das holen Sie durch einen Klick auf das etwas unscheinbare Zahnrad-Icon zum Vorschein (Abbildung 1).

Innerhalb der Konfiguration haben Sie als Anwender lediglich die Möglichkeit, persönliche Einstellungen anzupassen, wie etwa das Passwort, die Mailadresse für den Versand neuer Zugangsdaten, die Sprache der Oberfläche oder eine neue Zeitzone (Abbildung 2). Alle Änderungen übernimmt das Programm nach kurzer Zeit automatisch, sodass die Suche nach einer Schaltfläche zum Speichern entfällt.

Abbildung 2: Normalen Nutzern stellt die Web-Oberfläche von OwnCloud nur wenige Optionen zum Einstellen bereit.

Innerhalb der persönlichen Einstellungen sehen Sie außerdem, wie viel des verfügbaren Speicherplatzes bereits belegt ist. Es stört etwas, dass die Oberfläche kurzzeitig einfriert oder die Software nicht alle Punkte speichert, wenn Sie mehrere Änderungen schnell hintereinander vornehmen.

Der Administrator hat deutlich mehr Rechte als der gemeine Anwender: Er darf unter anderem die Rechte von Nutzern und Gruppen bearbeiten, Quotas für einzelne User setzen, Anwendungen aktivieren und stilllegen, das Logfile auswerten oder die komplette OwnCloud-Instanz exportieren.

Neue Nutzer legen Sie recht schnell mit Hilfe der Web-Oberfläche an. Dieses Verfahren bietet auch die Möglichkeit, das Konto einer oder mehreren Gruppen zuzuordnen. Existiert eine Gruppe noch nicht, legen Sie diese bei Bedarf gleichzeitig mit dem Nutzer an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Nutzer und Gruppen lassen sich in OwnClouds Web-Oberfläche schnell anlegen.

Administratoren dürfen den Speicherplatz einzelner Nutzer über Quotas beschränken. Dazu genügt es, das Dropdown-Menü in der Spalte Quota zu öffnen und den gewünschten Wert auszuwählen. Neben den vorgegebenen Werten default, none, 1 GB, 5 GB, 10 GB lassen sich auch individuelle Werte (andere...) festlegen. Dazu geben Sie den erlaubte Speicherplatz gefolgt von der Einheit (B, KB, MB, GB) an. Ohne Angabe einer Einheit geht OwnCloud standardmäßig von Byte aus.

Alleine oder gemeinsam

Wollen Sie die Software nutzen, um nur ein paar Daten überall parat zu haben oder mit anderen zu teilen, laden Sie diese über die Web-Oberfläche auf die Online-Festplatte. Dazu genügt ein Klick im Datenbereich auf das Symbol mit dem aufwärts gerichteten Pfeil neben Neu. Daraufhin öffnet sich ein Dialog zur Auswahl einer Datei. Ein Klick auf Neu fördert einen Dialog zutage, mit dem Sie Ordner oder Textdateien anlegen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Neue Ordner und (Text-)Dateien sind mit OwnCloud meist nur zwei Mausklicks entfernt.

Bereits vorhandene Dateien ziehen sich anschließend im Web-Frontend via Drag & Drop in die neu angelegten Ordner. Erlauben die Sicherheitseinstellungen des Webservers. Um Dateien von anderen Webservern zu laden, befördern Sie diese einzeln durch die Angabe der zugehörigen URL in Ihre persönliche Cloud.

Seit der Version 4 lassen sich auch Dateien vom Desktop in ein Browser-Fenster ziehen, in dem OwnCloud geöffnet ist. In unserem Test funktionierte das sowohl mit Mac OS X und Safari als auch mit Linux und Firefox recht ordentlich. Dagegen öffnete Konqueror unter OpenSuse 12.1 die per Drag & Drop abgelegte Datei sofort in einem Editor, statt sie in der Cloud zu speichern.

Anwender können Dateien in höher gelegene Verzeichnisse bewegen, indem sie diese auf den gewünschten Ordner in der Pfadangabe ziehen. Das geht allerdings immer nur einzeln – für zehn Dateien heißt es also zehn Mal ziehen. In den öffentlich zugänglichen Shared-Ordner können Sie auf diese Weise keine Dateien kopieren, denn er bleibt Dateien vorbehalten, die andere Anwender bereitstellen.

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