Grep-dctrl

Das Debian-Paket dctrl-tools ergänzt die Möglichkeiten zur Suche in den Paketlisten erheblich. Zum diesem Paket gehören die Werkzeuge grep-dctrl, grep-status, grep-available, grep-aptavail und grep-debtags. Grep-dctrl ist das Hauptprogramm, bei allen anderen "Werkzeugen" aus dem Paket handelt es sich lediglich um symbolische Links darauf. Während Grep-available und Grep-status die Datenbanken von Dpkg durchsuchen, bedient sich Grep-aptavail der Apt-Datenbank, Grep-debtags nutzt die Debtags-Datenbank.

Das Kommando Grep-dctrl konzentriert sich nur auf die bestehenden, installierten Pakete des Systems und arbeitet daher häufig erheblich schneller. Wie Frank Ronneburg in seinem Standardwerk "Das Debian-Anwenderhandbuch" [9] explizit hervorhebt, lässt sich mit Grep-dctrl "sehr schnell bestimmen, welche Pakete von einem bestimmten Maintainer betreut werden oder welche Version eines Pakets aktuell ist."

Grep-dctrl versteht nicht nur anders als Dpkg und Apt regulären Ausdrücken, sondern kann auch gleichzeitig in mehreren Feldern der Paketbeschreibung suchen. Die einzelnen Feldinhalte verknüpfen Sie zudem bei Bedarf mit den logischen Operatoren AND, OR und NOT miteinander. Beispielsweise zeigt der folgende Aufruf die Statusinformationen zum Paket Dpkg an:

$ grep-status -F Package -X dpkg

Die Option -F wählt den Feldbezeichner aus, hier über Package den Paketnamen. Die Option -X lässt nur exakte Treffer zu. Dieser Aufruf entspricht dpkg -s dpkg.

Möchten Sie alle verfügbaren Pakete anzeigen, bei denen die Beschreibung die Zeichenfolge dpkg – unabhängig von der Schreibweise – enthält, hilft der Aufruf:

$ grep-available -F Description -i dpkg

Mit der Option -F Description wählen Sie dabei das Feld Description mit der Paketbeschreibung aus. Mit -i erfolgt die Suche unabhängig von Groß- und Kleinschreibung. Indem Sie den Aufruf um die Option -s Package zu

$ grep-available -F Description -i -s Package dpkg

ergänzen, verringern Sie die Liste auf die Namen der installierten Pakete. Die Option -s bestimmt, welches Feld aus der Paketbeschreibung der Befehl ausgibt – hier ist es der Paketname.

Möchten Sie eine Liste der installierten Pakete sehen, deren Paketnamen eine der beiden Zeichenketten apt oder dpkg enthält, führt folgender Aufruf mit Grep-status zum Ziel:

$ grep-status -F Package -s Package -e 'apt|dpkg'

Die beiden Optionen -F und -s wirken analog zum vorigen Beispiel. Die Option -e Suchstring sorgt dafür, dass Grep-status den Suchstring als regulären Ausdruck interpretiert.

Grep-status kann auch die Namen der installierten Pakete anzeigen, die ein bestimmter Maintainer betreut. Dazu weisen Sie das Tool mit der Option -F Maintainer an, das Feld mit dem Namen des Paketbetreuers auszuwerten. Der folgende Aufruf zeigt die Namen aller Pakete an, für die der Betreuer axelbeckert verantwortlich zeichnet:

$ grep-status -F Maintainer -s Package 'axelbeckert'

Das Kommando Grep-debtags kombiniert die bisher vorgestellten Optionen mit den Kategorien aus dem Debtags-Projekt. Das folgende Kommando zeigt den Namen und die Kurzbeschreibung (Option -d) aller X11-basierten, grafischen Webbrowser an, die keine KDE-Bibliotheken benötigen:

$ grep-debtags -d -s Package web::browser -a interface::x11 -a -! suite::kde

Das klappt allerdings nur dann, wenn das Paket debtags installiert ist, welches dann fleißig in den Debian-Tags stöbert. Die Angabe web::browser reduziert die Gesamtliste zunächst auf entsprechend klassifizierte Pakete. Die nachfolgenden Parameter stellen logische Verknüpfungen dar, -a als AND-Operator und -a -! als negiertes AND. In der reduzierten Gesamtliste verbleiben daher am Ende nur jene Pakete, die mit dem Tag interface::x11, aber nicht suite::kde gekennzeichnet sind. Abbildung 2 zeigt die Ausgabe im Terminal.

Abbildung 2: Ergebnisliste: Graphische Webbrowser, die nicht zu Gnome gehören.

Grafische Oberflächen

Findige Entwickler haben zu den Kommandozeilenwerkzeugen die passenden Benutzeroberflächen Packagesearch [10], Adept [11] und Xara [12] geschaffen. Die schlichte und zeitlose Eleganz der Kommandozeile ist dabei einer mitunter verwirrenden, komplexen Bedienoberfläche gewichen, die für die gewünschten Ergebnisse etwas Zeit und Experimentierfreudigkeit voraussetzt.

Alle drei genannten Programme bieten sich als Ersatz zu den Werkzeugen auf der Kommandozeile an und erlauben zudem – mit den entsprechenden Benutzerrechten gestartet – das Hinzufügen und Entfernen von Paketen sowie das Aktualisieren der Paketdatenbank.

Packagesearch stellt zur Suche im Paketbestand zwei verschiedene Einstiegspunkte bereit. Eine Kombination von Eingabefeldern links oben im Programmfenster ermöglicht die Suche mit Hilfe einer Zeichenkette, reguläre Ausdrücke im Suchstrings unterstützt das Tool dabei aber nicht. Immerhin lässt sich der Suchraum über das Auswahlfeld Installationsstatus eines Paketes weiter eingrenzen (alle Pakete, aktualisierbar, bereits installiert oder nicht installiert). Möchten Sie nur in den Paketnamen suchen, entfernen Sie das Häkchen bei Beschreibungen durchsuchen.

Abbildung 3 zeigt eine textorientierte, ähnlichkeitsbasierte Suche anhand des Kriteriums xpdf mit den Details zum Paket libpoppler-dev, der Entwicklungsvariante der PDF-Rendering-Bibliothek Poppler. Das Suchergebnis erscheint als Auswahlliste links unten. Die Liste lässt sich über die Spaltenköpfe der Tabelle sortieren – alphabetisch nach dem Paketnamen, nach dem Grad der Übereinstimmung mit dem Suchstring (Score), nach der installierten und verfügbaren Version und nach der Kurzbeschreibung des Pakets.

Abbildung 3: Packagesearch hat Pakete aufgespürt, die eine Verbindung zu zu Xpdf aufweisen.

Wählen Sie einen Eintrag aus der Listen an, so erscheinen die Details zum entsprechenden Paket im Dialog rechts unten. Über die einzelnen Reiter wählen Sie zwischen der ausführlichen Paketbeschreibung, den kompletten Paketinformationen sowie den Dateien aus, die das Paket enthält. Die Dateiliste können Sie über das Textfeld zusätzlich filtern.

Über die Eingabefeld-Kombination oben rechts gelingt die Suche mittels Debian-Tags. Dazu wählen Sie zunächst den Reiter Debtags aus, die darunter angeordnete Liste sortiert Packagesearch jeweils hierarchisch. Als Sortierkriterium für die Liste dienen hingegen die vergebenen ID-Tags für die Klassifikationsebenen. Das über der Liste angeordnete Eingabefeld fungiert als Filter für die Liste und zeigt nur jene Einträge der Liste an, bei denen es eine Übereinstimmung mit dem ID-Tag gibt. Alle anderen Einträge blendet das Programm aus.

Ein Doppelklick auf einen Listeneintrag interpretiert das ausgewählten Debian-Tag als Suchkriterium. Eine Mehrfachauswahl funktioniert ebenfalls, es erscheinen dann alle Suchkriterien in der Eingabefeld-Kombination oben links. Entsprechend der Suchkriterien zeigt Packagesearch in der Liste unten links nur die dazu passenden Pakete an. Abbildung 4 zeigt die Suche anhand der Kriterien X-Window-System und Login Manager mit den Details für das Paket kdm, und davon wiederum nur die Pakete, die nicht installiert sind.

Abbildung 4: Packagesearch beherrscht auch die Suche nach Debian-Tags.

Als recht hilfreich erweist sich der Schalter Suche löschen – er hebt die getroffene Auswahl wieder auf. Positiv fällt auch die vollständige Übersetzung der Benutzeroberfläche ins Deutsche auf.

Xara verwendet einen ähnlichen Dialogaufbau wie Packagesearch, ist jedoch komplett in englischer Sprache gehalten. Die oberen beiden Dialogboxen zeigen Detailinformationen zum ausgewählten Paket an – links die Übersicht und rechts weiterführende Details. Über das Eingabefeld Search stöbern Sie in diesem Detailfeld. Setzen Sie dabei das Häkchen bei case sensitive, hebt Xara nur exakte Treffer im Text des Detailfeldes hervor.

Die unteren beiden Dialogboxen präsentieren das Ergebnis der Paketsuche – links die Liste der Suchtreffer mit Paketname, Version und Beschreibung, rechts die Parameter zur Suche. Hinter dem Reiter Advanced verbirgt sich eine Suche auf der Basis der Debian-Tags, die auch reguläre Ausdrücke versteht. Der Reiter Simple bietet hingegen eine Unmenge textbasierter Eingabe- und Auswahlfelder zum Filtern. Alternativ gelingt eine Suche in den Paketnamen und der Beschreibung auch über den Menüpunkt Tools | Enter query.

Das Suchergebnis finden Sie links unten, die Auswahl eines Paketes füllt auch die beiden oberen Dialogboxen mit passenden Inhalten. Abbildung 5 zeigt das Suchergebnis für Programmen, die zum Windowmanager Fluxbox passen.

Abbildung 5: Eine erfolgreiche Suche in Xara nach Paketen im Fluxbox-Umfeld.

Mit dem Paketmanager Adept [13] dürfte jeder altgediente KDE-Benutzer schon einmal in Berührung gegekommen sein (Abbildung 6). Das Tool stellt Debian-Tags für das jeweils ausgewählte Paket dar, eine detailliertere Suche in den einzelnen Klassifikationsebenen analog zu Packagesearch und Xara beherrscht es aber nicht. Der empfohlene Nachfolger Apper hat die Ideen des Debtags-Projektes bislang noch gar nicht aufgegriffen und in die Benutzeroberfläche integriert.

Abbildung 6: Adept hat eine Reihe von Paketen im Xpdf-Kontext (Xubuntu) gefunden.

Auch auf der Webseite des Debian-Projekts können Sie bei der Suche nach ähnlichen Paketen auf das Debtags-Konzept zurückgreifen. Die Website listet zu jedem Paket in der rechten Spalte weiterführende Informationen auf – unter anderem Ressourcen, Paketbetreuer, Projektwebsite und ähnliche Pakete. Abbildung 7 zeigt diese Informationen für das Spiel OpenTTD.

Abbildung 7: Hier liefert Adept Zusatzinformationen zum Spiel OpenTTD.

Möchten Sie stattdessen anhand der Debian-Tags suchen, dann nutzen Sie dazu den Debtag-Service von Debian [14]. Enrico Zini stellt dort alle Informationen zum Entwicklungsstand des Debtags-Projektes online. Neben einer Programmschnittstelle (API) zur Anbindung eigener Projekte umfasst das beispielsweise auch einen Editor zur Modifikation der Tags, statistische Daten sowie eine Debtags-basierte Suche.

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