Unter der Haube

Von den Änderungen unter der Oberfläche bekommen Sie als normaler Anwender wenig mit. Zu den auffälligsten Dingen gehört noch, dass "Precise" Clickpads unterstützt, also die berührungsempfindlichen Bedienflächen auf Notebooks.

Auch im Kernel, der nun in der Version 3.2 vorliegt, gibt es spürbare Änderungen: So entdeckt Ubuntu eingestöpselte Kopfhörer besser. Dieser Patch ("jack detection") war eigentlich für den Kernel 3.3 vorgesehen, wurde aber zurückportiert. Weitere Neuerungen im Betriebssystem-Kern: Ubuntu nutzt jetzt denselben Kernel für die Server- und die Desktop-Variante, um den Pflegeaufwand zu minimieren. Zudem unterstützen die Kernel-Entwickler nach längerer Diskussion weiterhin den Non-PAE-Kernel, der vorzugsweise bei sehr alten Rechnern zum Einsatz kommt. Vor allem Distributionen wie Lubuntu zielen auf solche Rechner ab, die durchaus eine Daseinsberechtigung haben – zum Beispiel als Thin Clients.

Geht auf dem Rechner etwas schief, meldet sich gewöhnlich Apport und will Informationen über den Bug an die Entwickler schicken. Praktischerweise checkt das Tool jetzt selbstständig, ob der Fehler bereits bekannt ist, und weist gegebenenfalls darauf hin. Eine weitere Änderung kommt von Debian und betrifft die Rechteverwaltung: Administratoren zählen nun zur Gruppe sudo, nicht mehr wie bisher zu admin. Aus Kompatibilitätsgründen behalten aber existierende Admins der Gruppe admin ihre Superkräfte.

Auch im Bereich der Namensauflösung (DNS) gibt es Veränderungen. Mit dnsmasq löst nun ein neues Werkzeug die Namen von IP-Adressen auf. Der Network-Manager verwaltet das Tool über die Localhost-Schnittstelle (127.0.0.1); es soll IP-Adressen schneller auflösen und kommt besser mit Split-DNS-Szenarios von VPN-Nutzern zurecht. Auch eine zweite Änderung ist dem NetworkManager geschuldet: Die Datei /etc/resolv.conf lässt sich nicht mehr manuell ändern – die Einträge im Network-Manager überschreiben solche Eingriffe. Stattdessen gehören DNS-Einträge für statische IP-Adressen (dns-nameservers, dns-search und dns-domain) in die passende interface-Datei unter /etc/network/interfaces. Wollen Sie die resolvconf mit eigenen Werten überschreiben, gehören diese in das Verzeichnis /etc/resolvconf/resolv.conf.d/ [3].

Beim Startvorgang hält Ubuntu nicht nur weiterhin an Upstart fest, sondern setzt sogar auf die neue Version 1.4. Die führt setuid und setgid ein, um Jobs im Rechtekontext bestimmter User zu starten. Sie finden zudem für jeden Job Log-Dateien unter /var/log/upstart/Job-Name.log. Nicht zuletzt entfällt die Brücke zwischen Upstart und Udev, um Probleme mit defekten und unbekannten Geräten zu verhindern, die beim Anschließen Datenmüll übermitteln.

Da seit Ubuntu 10.04 der Energieverbrauch zunehmend aus dem Ruder lief, legten die Entwickler auch hier nach: Sie erweiterten unter anderem die pm-utils (Power Management Utilities) um Skripte, die im Batteriemodus den Stromverbrauch von USB- und PCI-Geräten drosseln. Zudem wurden einzelne Anwendungen repariert, damit sie den Kernel bei Untätigkeit nicht länger unnötig wecken.

Profi-Tools

Auch im Serverbereich versucht das Ubuntu-Projekt weiter Fuß zu fassen. Mit MaaS ("Metal as a Service") prägte Mark Shuttleworth in seinem Blog nicht nur ein neues Buzzword, so heißt auch ganz konkret ein installierbares Softwarepaket (maas). Es soll Administratoren dabei helfen, Ubuntu über PXE, DHCP und Cobbler auf viele Rechner in einem Netzwerk zu verteilen, um diese dann zentral über ein Webinterface zu verwalten [4]. Das Ganze klingt weder neu noch originell, dürfte sich für Admins aber als effizient erweisen und setzt unter anderem auf die Service-Orchestration-Lösung Juju.

Netzwerkbetreuer dürften sich auch für die Zentyal-Pakete in den Ubuntu-Repositories interessieren: Diese erlauben es, verschiedene Netzwerk- und Serverdienste (DHCP, DNS, LDAP usw.) über ein übersichtliches Webinterface zu verwalten. Die Cloud-Computing-Architektur OpenStack ist ebenso in der neuesten Variante an Bord wie die Virtualisierungslösung KVM. Auch das Thema High Performance Computing kommt voran: Im Universe-Repository gibt es nun Version 1.5 von OpenMPI für die ARM-Architektur.

Apropos ARM: Auch diese Architektur unterstützt das "akkurate Schuppentier" noch besser: Die ARMv7-Images beherrschen nun hardfloat, nutzen also die Fließkomma-Einheiten (FPU) der ARM-Prozessoren. Das soll die Performance der damit kompilierten Anwendungen um 5 bis 40 Prozent steigern. Images für OMAP3, OMAP4, AC100 sowie Freescale i.MX5x stehen zum Download bereit, unterstützt wird unter anderem das Panda Board ES.

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