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© William Attard McCarthy, 123rf.com

Pimp my Unity

Mit MyUnity den Desktop konfigurieren

22.05.2012 MyUnity passt den Ubuntu-Desktop an Ihre persönlichen Wünsche an. Dabei bringt das Tool viele Einstellungen zurück, die Canonical aus der Oberfläche entfernt hat.

Ubuntus Unity spaltet die Gemüter. Während die einen auf den neuen Desktop schwören, wünschen sich die anderen verzweifelt die klassische Umgebung zurück. Eines ist jedoch beiden Gruppen gemein: Es fehlt eine Möglichkeit, die Konfiguration mit einfachen Mitteln zu ändern. MyUnity [1] schickt sich an, diese Lücke zu schließen: Dank seiner einfachen und übersichtlichen Oberfläche kann jeder Nutzer das Erscheinungsbild und Verhalten der Arbeitsumgebung verändern.

Schnell eingerichtet

Bei Ubuntu 12.04 LTS "Precise Pangolin" [2] – der zweiten Ubuntu-Version, bei der die klassische GNOME-Oberfläche nicht mehr von Haus aus als Alternative zur Verfügung steht – hat MyUnity bereits Eingang in die offiziellen Universe-Repositories gefunden, aus denen Sie es bei Bedarf einrichten. Auch unter Ubuntu 11.10 lässt es sich aber schnell und einfach über Pakete von Drittanbietern [3] nachinstallieren. Die dazu notwendigen Befehle zeigt Listing 1.

Listing 1

$ sudo apt-add-repository ppa:myunity/ppa
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install myunity

Lassen Sie sich bei der Installation via PPA übrigens nicht durch den Hinweistext irritieren, der unter Umständen falsche Versionsnummern nennt (Abbildung 1): Das Paket funktionierte im Test problemlos mit "Oneiric". Nach Abschluss der Installation starten Sie MyUnity am besten mittels des Dash, indem Sie den Anfangsbuchstaben des Programmnamens eingeben (Abbildung 2).

Abbildung 1

Abbildung 1: Ubuntu 11.10 heißt "Oneiric", das neue 12.04 LTS "Precise" – auch wenn das PPA etwas anderes behauptet.

Abbildung 2

Abbildung 2: MyUnity rufen Sie am einfachsten über das Dash auf.

Quadratisch, praktisch, root

Nach dem ersten Start präsentiert sich MyUnity sehr aufgeräumt. Die Oberfläche gliedert sich in insgesamt sieben Bereiche, von denen sechs Konfigurationsmöglichkeiten enthalten (Abbildung 3). Mittels der Pfeilsymbole im Programmfenster wechseln Sie zwischen den Kategorien, alternativ klicken Sie deren Namen direkt an: Launcher, Dash, Panel, Desktop, Font und Themes.

Im Test wurden die meisten der geänderten Einstellungen sofort aktiv, zudem gibt es auch keine Funktionen, mit denen Sie das System wirklich unbrauchbar machen könnten. "Verklicken" Sie sich einmal, dann stellen Sie alle Optionen in der aktuellen Kategorie durch die entsprechende Schaltfläche oben rechts im Programmfenster auf den Standard zurück. Im Test wich das Ergebnis dann zwar teilweise von Ubuntus Vorgabeeinstellungen ab, führte aber dennoch zu einem ordentlichen Desktop.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die möglichen Einstellungen fasst MyUnity in sechs Gruppen zusammen.

Die erste Kategorie, Launcher genannt, beeinflusst das Erscheinungsbild des Programmstarters. Anwender mit kleinen Bildschirmen stellen hier beispielsweise die Symbolgröße von 48 auf 32 Pixel, was Platz spart (Abbildung 4), aber auch extrem große Icons lassen sich hier einstellen. Noch unaufdringlicher wird der Launcher, wenn Sie ihn transparent schalten oder automatisch ausblenden, solange Sie ihn nicht nutzen. Beides ermöglicht MyUnity ebenso wie die anzuzeigenden Laufwerke zu konfigurieren. Über die Schaltfläche Quicklist bearbeiten Sie zudem die Einträge, die der Programmstarter standardmäßig vorhält, um schnellen Zugriff auf die wichtigsten Programme bereitzustellen – zumindest theoretisch, denn im Test, ließen sich weder Symbole entfernen noch neue hinzufügen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Große Icons, das aktive Programm hervorgehoben und schwarzer Hintergrund, oder klein auf transparentem Hintergrund – MyUnity beherrscht beides.

Die zweite Kategorie, Dash, hält deutlich weniger Optionen bereit. Im Test konnten wir nur konfigurieren, ob der Hintergrund "verwischt" werden und welche Größe das Fenster haben soll, womit beispielsweise eine Anpassung für Netbooks möglich ist – die Schaltflächen zum Deaktivieren der Anzeige installierter oder zuletzt benutzter Anwendungen war ohne Funktion. Recht übersichtlich ist auch die dritte Kategorie, Panel, mit der Sie die Transparenz der in Ubuntu 11.10 neu hinzugekommenen, Mac OS X-ähnlichen Menüzeile regeln (Abbildung 5). Die Einstellung nehmen Sie dabei entweder generell, oder nur für maximierte Fenster vor.

Abbildung 5

Abbildung 5: Bunt statt schwarz – die transparente Menüleiste macht optisch durchaus was her.

TIPP

Verweigert MyUnity bei Ihnen seinen Dienst, ist vielleicht ein altes oder kaputtes Profil darin schuld. Auf unserem Testsystem, das schon einige Ubuntu-Versionen auf dem Buckel hat, ignorierte MyUnity zunächst scheinbar jedwede Änderung. Kaum testeten wir das Programm jedoch mit einem neuen, frischen Benutzerprofil, klappte alles wie am Schnürchen.

Ordnung schaffen

Die vierte Kategorie, Desktop, dient der Konfiguration der Arbeitsoberfläche. Standardmäßig bleibt der Desktop leer und wartet auf das Befüllen durch den Anwender, denn die Ubuntu-Macher haben keine Symbole vordefiniert. Wem es jedoch zu müßig erscheint, ständig die Programmleiste zu bemühen, um auf Laufwerke und spezielle Ordner zuzugreifen, oder gar alle Verknüpfungen händisch anzulegen, der schaltet mit einem Klick seine Wunsch-Icons hinzu.

Zur Auswahl stehen dabei das Home-Verzeichnis, der Direktzugriff auf die Netzwerkumgebung, das Einblenden aller gemounteten Laufwerke, sowie der Mülleimer, den Sie durch einen Rechtsklick auf das neue Symbol zudem schnell und einfach leeren. Mit Active "Show Desktop" Icon blenden Sie den aktuellen Desktop als kleines Symbol im Programmstarter ein, um mit einem Klick die Sicht darauf freizulegen. Auch die Zahl der virtuellen Desktops konfigurieren Sie direkt im MyUnity-Dialog.

Hinter der Kategorie mit dem Namen Fonts verbirgt sich die Übersicht zur Schriftkonfiguration (Abbildung 6). Zum einen verändern Sie dort das Erscheinungsbild mittels Kantenglättung (Antialiasing), zum anderen konfigurieren Sie das sogenannte Hinting [4]. Daneben stellen Sie die Schriftart und -größe für einzelner Elemente wie Fensterüberschriften oder Desktop-Symbole. Der Nutzen dieser Option erweist sich allerdings als eingeschränkt: Einige Programme übernehmen die Änderung nur nach einem Neustart, andere ignorieren sie komplett. Kandidaten für Letzteres sind insbesondere solche, die auf einem eigenen oder fremden Toolkit basieren.

Abbildung 6

Abbildung 6: Individualisten konfigurieren mit MyUnity auch die einzelnen Schriftarten.

Die letzte Kategorie, Themes genannt, gibt Ihnen Zugriff auf das Design des Systems. Das Theme regelt Farben und Schriftarten sowie das Aussehen der Programmfenster (die sogenannte Fensterdekoration). Unabhängig davon stellen Sie die Darstellung der einzelnen Symbole ein, das sogenannte Icon Set. Wem das aktuelle Ubuntu-Design nicht gefällt, wer das Aussehen anderer Betriebssysteme imitieren möchte oder einen möglichst hohen Kontrast benötigt, der wird hier fündig.

Fazit

MyUnity macht genau das, was es verspricht – es lässt den Anwender einfach und unkompliziert einige Optionen von Ubuntus Unity-Desktop konfigurieren. Da es keine Root-Rechte erfordert, kann jeder Anwender des Systems seine Oberfläche damit individuell anpassen. Allerdings bleibt das Angebot insgesamt betrachtet eher dürftig, und wer tiefergehende Änderungen vornehmen will, muss auf andere Tools zurückgreifen. Wünschenswert wäre noch eine bessere Erklärung der einzelnen Optionen, beispielsweise in Form von kurzen Hilfetexten, denn derzeit muss man im Zweifel die Funktion schlicht ausprobieren. 

Alternativen zu Unity

Wer sich partout nicht mit Unity anfreunden möchte, für den gibt es mehrere Alternativen. Neben der Installation einer alternativen Desktop-Umgebung fanden wir im Internet zahlreiche Anleitungen mit teils unterschiedlicher Herangehensweise. Während die einen die Installation des Pakets gnome-panel heranziehen, bevorzugen andere gnome-shell oder schlagen gnome-session-fallback als Lösung vor. All diesen Ansätzen ist jedoch gemein, dass die von Canonical umgesetzte Integration verschiedener Tools und Dienste in die Oberfläche nicht mehr so reibungslos vonstatten geht, sodass der Weg wohl fortgeschrittenen Anwendern vorbehalten ist.

Infos

[1] MyUnity: http://www.uielinux.org/myunity/

[2] Ubuntu 12.04 LTS: Kristian Kißling, "Akkurates Schuppentier", LU 06/2012, S. 10, http://www.linux-community.de/26171

[3] PPAs erklärt: http://wiki.ubuntuusers.de/Launchpad/PPA

[4] Hinting-Grundlagen: http://de.wikipedia.org/wiki/Hinting

Der Autor

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist Chairman of the Board der Document Foundation. Zuvor war er fast sieben Jahre im Projekt OpenOffice.org aktiv, zuletzt als Marketing Project Lead. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen darüber hinaus in der Konzeption von Unternehmens- und Schulnetzwerken samt Softwareverteilungslösungen auf Basis freier Software. Zudem schreibt er regelmäßig für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen und beschäftigt sich dabei auch mit rechtlichen Fragestellungen.

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