Ordnung schaffen

Die vierte Kategorie, Desktop, dient der Konfiguration der Arbeitsoberfläche. Standardmäßig bleibt der Desktop leer und wartet auf das Befüllen durch den Anwender, denn die Ubuntu-Macher haben keine Symbole vordefiniert. Wem es jedoch zu müßig erscheint, ständig die Programmleiste zu bemühen, um auf Laufwerke und spezielle Ordner zuzugreifen, oder gar alle Verknüpfungen händisch anzulegen, der schaltet mit einem Klick seine Wunsch-Icons hinzu.

Zur Auswahl stehen dabei das Home-Verzeichnis, der Direktzugriff auf die Netzwerkumgebung, das Einblenden aller gemounteten Laufwerke, sowie der Mülleimer, den Sie durch einen Rechtsklick auf das neue Symbol zudem schnell und einfach leeren. Mit Active "Show Desktop" Icon blenden Sie den aktuellen Desktop als kleines Symbol im Programmstarter ein, um mit einem Klick die Sicht darauf freizulegen. Auch die Zahl der virtuellen Desktops konfigurieren Sie direkt im MyUnity-Dialog.

Hinter der Kategorie mit dem Namen Fonts verbirgt sich die Übersicht zur Schriftkonfiguration (Abbildung 6). Zum einen verändern Sie dort das Erscheinungsbild mittels Kantenglättung (Antialiasing), zum anderen konfigurieren Sie das sogenannte Hinting [4]. Daneben stellen Sie die Schriftart und -größe für einzelner Elemente wie Fensterüberschriften oder Desktop-Symbole. Der Nutzen dieser Option erweist sich allerdings als eingeschränkt: Einige Programme übernehmen die Änderung nur nach einem Neustart, andere ignorieren sie komplett. Kandidaten für Letzteres sind insbesondere solche, die auf einem eigenen oder fremden Toolkit basieren.

Abbildung 6: Individualisten konfigurieren mit MyUnity auch die einzelnen Schriftarten.

Die letzte Kategorie, Themes genannt, gibt Ihnen Zugriff auf das Design des Systems. Das Theme regelt Farben und Schriftarten sowie das Aussehen der Programmfenster (die sogenannte Fensterdekoration). Unabhängig davon stellen Sie die Darstellung der einzelnen Symbole ein, das sogenannte Icon Set. Wem das aktuelle Ubuntu-Design nicht gefällt, wer das Aussehen anderer Betriebssysteme imitieren möchte oder einen möglichst hohen Kontrast benötigt, der wird hier fündig.

Fazit

MyUnity macht genau das, was es verspricht – es lässt den Anwender einfach und unkompliziert einige Optionen von Ubuntus Unity-Desktop konfigurieren. Da es keine Root-Rechte erfordert, kann jeder Anwender des Systems seine Oberfläche damit individuell anpassen. Allerdings bleibt das Angebot insgesamt betrachtet eher dürftig, und wer tiefergehende Änderungen vornehmen will, muss auf andere Tools zurückgreifen. Wünschenswert wäre noch eine bessere Erklärung der einzelnen Optionen, beispielsweise in Form von kurzen Hilfetexten, denn derzeit muss man im Zweifel die Funktion schlicht ausprobieren. 

Alternativen zu Unity

Wer sich partout nicht mit Unity anfreunden möchte, für den gibt es mehrere Alternativen. Neben der Installation einer alternativen Desktop-Umgebung fanden wir im Internet zahlreiche Anleitungen mit teils unterschiedlicher Herangehensweise. Während die einen die Installation des Pakets gnome-panel heranziehen, bevorzugen andere gnome-shell oder schlagen gnome-session-fallback als Lösung vor. All diesen Ansätzen ist jedoch gemein, dass die von Canonical umgesetzte Integration verschiedener Tools und Dienste in die Oberfläche nicht mehr so reibungslos vonstatten geht, sodass der Weg wohl fortgeschrittenen Anwendern vorbehalten ist.

Infos

[1] MyUnity: http://www.uielinux.org/myunity/

[2] Ubuntu 12.04 LTS: Kristian Kißling, "Akkurates Schuppentier", LU 06/2012, S. 10, http://www.linux-community.de/26171

[3] PPAs erklärt: http://wiki.ubuntuusers.de/Launchpad/PPA

[4] Hinting-Grundlagen: http://de.wikipedia.org/wiki/Hinting

Der Autor

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist Chairman of the Board der Document Foundation. Zuvor war er fast sieben Jahre im Projekt OpenOffice.org aktiv, zuletzt als Marketing Project Lead. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen darüber hinaus in der Konzeption von Unternehmens- und Schulnetzwerken samt Softwareverteilungslösungen auf Basis freier Software. Zudem schreibt er regelmäßig für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen und beschäftigt sich dabei auch mit rechtlichen Fragestellungen.

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