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© Cesare2008, sxc.hu

Extrem reduziert

Der minimalistische Audioplayer Pogo

22.05.2012
Weniger ist mehr – mit dieser Devise schickt sich der Audioplayer Pogo an, die Aufmerksamkeit des Benutzers wieder zurück auf die Musik zu lenken.

Manchmal führt kaum ein Weg daran vorbei, sich den Code einer etablierten Software zu schnappen und ein eigenes Projekt daraus abzuleiten. Nach wenig erfolgreichen Versuchen des deutschen Entwicklers Jendrik Seipp, dem Decibel Audio Player zu dem von ihm gewünschten Verhalten zu verhelfen, entwarf er Pogo [1]. Obwohl schon der Urahn Decibel [2] in den Augen vieler Benutzer zu den weniger gut ausgestatteten Playern zählt, schaltet Pogo von den Bedienmöglichkeiten her noch einen Gang zurück. Es war naheliegend, dass ein solches Vorhaben eine Frage nach dem Wieso und Warum aufwerfen würde [3].

Nachdem der Programmautor buchstäblich fast jeden Audio-Player für Linux ausprobiert hatte, stellte er fest, dass keiner davon genau das tat, was er im Sinn hatte. Decibel kam dem Gewünschten zwar schon sehr nahe, entsprach aber nicht exakt Seipps Bedürfnissen. Daher versuchte er, einige Dinge in Decibel zu integrieren und machte Vorschläge für neue Features wie eine Suchfunktion, eine bessere Platzaufteilung und weniger Knöpfe. Außerdem wollte er die Titel in der Wiedergabeliste nach Album gruppieren, da er das als praktisch empfand. Damit stieß er aber auf taube Ohren.

Zwar konnte Seipp bei Decibel seine Pläne nicht umsetzen, hätte aber ohne dieses Projekt seiner Aussage nach wohl keine Möglichkeit gehabt, seine Ideen tatsächlich in die Tat umzusetzen: Das sauber programmierte Decibel machte es leicht, den Quellcode eigenen Wünschen anzupassen, und erwies sich daher als das perfekte Testfeld für neue Funktionen. Das Resultat der Experimente, Pogo, liegt inzwischen in Version 0.6 vor und lässt sich recht einfach auf dem eigenen Rechner einrichten (siehe Kasten "Installation").

Installation

Noch haben nicht alle Distributionen Pogo für sich entdeckt. OpenSuse und Fedora bieten Pakete der aktuellen Version 0.6 in den offiziellen Repositories an. Daneben existiert noch ein Paket im Arch Linux User Repository [5]. Ubuntu- und Debian-Systeme versorgen Sie über ein PPA des Entwicklers [6], das dieser regelmäßig mit neuen stabilen Versionen befüllt.

Verwenden Sie eine andere Distribution, dann richten Sie Pogo recht simpel aus den Quellen. Sie benötigen Python in Version 2 sowie einige Python-Module, welche die Datei README im Tarball aufführt [7]. Für eine Zeitgeist-Integration benötigen Sie außerdem das entsprechende Paket der verwendeten Distribution.

Im Gegensatz zu anderen Python-Programmen verwendet Pogo ein einfaches Makefile, über das Sie mittels make install mit Root-Rechten das Programm einrichten. Sehen Sie das Makefile aber vorher noch einmal durch, um gegebenenfalls in dessen fünfter Zeile den Installationspfad zu ändern, der standardmäßig auf /usr zielt. Nicht zur Distribution gehörende Software sollten Sie jedoch besser nach /usr/local installieren.

Minimalist

Verglichen mit den Standard-Audio-Anwendungen der großen Arbeitsumgebungen fällt Pogo eher bescheiden aus. Während andere Musikprogramme regelrecht mit Funktionen überladen sind, offeriert das Pogo-Hauptfenster (Abbildung 1) nur wenig Bedienmöglichkeiten.

Abbildung 1: Das Hauptfenster von Pogo überzeugt durch eine sinnvoll reduzierte Auswahl an Funktionen.

So existiert keine Möglichkeit, den Rechner nach Musikdateien zu durchsuchen und eine Bibliothek daraus zu erstellen. Es gilt also, selbst in einem Dateibaum in der linken Spalte des Fensters Dateien oder ganze Ordner auszuwählen und diese per Doppelklick oder durch Ziehen mit der Maus in der rechten Spalte zu platzieren. Andererseits animiert Pogo Sie auf diese Weise dazu, Ordnung in den Dateien zu halten und sich nicht auf die Fähigkeiten und Fehltritte einer Software zu verlassen.

Selbst in gut aufgeräumten Musiksammlungen benötigt man jedoch gelegentlich eine Suchfunktion. Links oberhalb des Dateibaums finden Sie dazu eine Eingabezeile. Dort geben Sie dort einfach einen im gesuchten Titel oder Dateinamen enthaltenen Begriff ein und drücken anschließend die Eingabetaste. Die Treffer zeigt das Programm in der linken Spalte an, ein Klick auf das Symbol ganz rechts in der Eingabezeile löscht den Suchtext. Dann zeigt die Applikation wieder die Baumansicht.

Zum Abspielen der Audio-Dateien nutzt Pogo das Gstreamer-Framework. Die Anzahl der unterstützten Formate hängt davon ab, ob Sie die entsprechenden Gstreamer-Module auf dem System installiert haben. An einer Datei, die VLC oder Mplayer klaglos wiedergeben, scheitert Pogo unter Umständen.

Plugins

Ein Klick auf das Werkzeugsymbol rechts oben über der Wiedergabeliste öffnet ein kleines Menü, über das Sie bei Bedarf ein Info- und ein Einstellungsfenster aufrufen. Drei Erweiterungen bringt Pogo bereits mit.

Eine Funktion für Desktop-Benachrichtigungen, die beim Titelwechsel erscheinen, bietet die Möglichkeit, einen unerwünschten Ohrwurm einfach zu überspringen. Stört Sie die Nachricht, reicht ein Klick, um sie auszublenden. In den Einstellungen des Plugins (Abbildung 2) stellen Sie bei Bedarf die im Popup angezeigte Zeichenkette anhand vorgegebener Variablen zusammen. Außerdem konfigurieren Sie hier, ob das Popup die Möglichkeit zum Überspringen eines Titels anbietet.

Abbildung 2: Pogo blendet auf Wunsch beim Titelwechsel Informationen zum aktuellen Musikstück ein.

Wie seine großen Brüder zeigt auch Pogo Alben-Cover an. Dabei greift es sowohl auf die im Musikordner abgelegten Bilddateien zurück als auch auf Cover aus dem Internet, sofern es welche findet. Die Bilder erscheinen rechts unten in der Wiedergabeliste, was insofern etwas unpraktisch erscheint, als lange Titelnamen das Cover nicht umfließen, sondern der Text teilweise dahinter verschwindet.

Für Partyabende, bei denen Laptop, Verstärker und Lautsprecher als Ausstattung genügen müssen, eignet sich ein Equalizer zum Feintuning des Klangs. Pogo hat ein solches virtuelles Mischpult mit Schiebereglern als Plugin an Bord und bietet diverse Klangkurven als Vorauswahl an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mit einem Equalizer sorgt Pogo für ein noch feineres Klangbild.

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