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Wachwechsel

Surfen unter KDE mit Rekonq

23.04.2012
Rekonq schickt sich an, Konqueror den Rang als Standard-Webbrowser unter KDE abzulaufen. Grund genug, den Nachwuchs genauer unter die Lupe zu nehmen.

In der Linux-Welt ist Rekonq [1] kein Unbekannter mehr: Immerhin schon seit Kubuntu 10.10 zählt der schlanke Browser zur Standardausstattung der Ubuntu-Variante mir KDE-Desktop [2]. Das Programm setzt genau wie Apples Safari auf die schnelle HTML-Rendering-Engine Webkit. Bei dieser handelt es sich um eine Abspaltung beziehungsweise Weiterentwicklung von KHTML, also jener Engine, mit der Konqueror Webseiten darstellt.

Außerdem markiert Rekonq einen Schritt weg vom mit Funktionen überfrachteten Schweizer Taschenmesser Konqueror, der ehemals neben seiner Tätigkeit als Browser auch als Dateimanager unter KDE im Einsatz war [3]. Das verwirrte jedoch viele Nutzer und insbesondere Einsteiger. Mit dem Erscheinen von KDE SC 4 entschieden die Entwickler, das Verwalten der Dateien an den intuitiven Dolphin zu übergeben.

Rekonq als neuen Standardbrowser unter KDE zu verwenden, erscheint in diesem Licht als der nächste logische Schritt, obwohl bislang nur Kubuntu ihn vollzogen hat. Mit Blick auf den allgemeinen Trend hin zu schlankeren Applikationen erscheint der Umstieg auf Rekonq mehr als konsequent, denn der Ressourcen schonende Browser integriert sich perfekt in die KDE-Umgebung.

Schlank und sexy

Rekonq steht mittlerweile in den Repositories aller populären Distributionen als Paket bereit, sodass sich die Installation einfach gestaltet. Genau wie Googles Chrome verzichtet auch Rekonq auf eine Menüleiste. Alle Funktionen, die über das reine Surfen hinausgehen, lagert der Browser analog zum KDE-Dateimanager Dolphin in das Menü Extras aus, das Sie über das Symbol mit dem Schraubenschlüssel neben der Adress- und Suchzeile erreichen. Unterhalb der Adresszeile blenden Sie bei Bedarf eine Lesezeichen-Werkzeugleiste ein, die Sie ebenfalls über das Menü Extras ein- und ausschalten.

Wie alle modernen Webbrowser unterstützt Rekonq das Surfen in mehreren Reitern, die in Rekonq nicht Tabs heißen sondern Unterfenster. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf ein Unterfenster, erhalten Sie Zugriff auf alle wichtigen Funktionen des Reiters, wie zum Beispiel Duplizieren. Über Geschlossene Unterfenster zaubern Sie während der laufenden Session geschlossene Unterfenster aus einer Liste wieder hervor.

Die Schnellstartseite (Favoriten) weist große Ähnlichkeit zu der in Google Chrome auf (Abbildung 1) und erscheint standardmäßig beim Start des Browsers. Sie bietet für den schnellen Einstieg die von Ihnen auserwählten Website-Favoriten in Form von hübschen Kacheln an. Um einen Favoriten hinzuzufügen, klicken Sie auf die Schaltfläche mit dem grünen Pluszeichen und der Beschriftung Favoriten hinzufügen. Es erscheint eine neue Kachel.

Abbildung 1: Über Favoriten rufen Sie Ihre Lieblingsseiten direkt nach dem Start mit einem Klick auf eine der Kacheln auf.

Klicken Sie auf diese Kachel, und öffnen Sie die Website, die Sie hinzufügen wollen, indem Sie die Adresse in die Adresszeile eingeben. Nach dem Laden der Seite, klicken Sie auf den Button Diese Seite hinzufügen, den Sie rechts unterhalb des Reiters finden. Zugegeben: Das Prozedere ist ein wenig umständlich.

Die Schnellstartseite bietet aber noch mehr Möglichkeiten: Unterhalb der Reiter wählen Sie bei Bedarf aus, was Sie weiterhin auf der Schnellstartseite sehen möchten. Neben den voreingestellt ausgewählten Favoriten könnten das zuvor geschlossene Fenster, Lesezeichen, der Verlauf und Downloads sein, die Sie mit einem Klick auf das entsprechende Symbol aktivieren. Je nach Kontext haben Sie so schnellen Zugriff auf die entsprechenden Funktionen wie das Löschen des Verlaufs.

Möchten Sie jeweils beim Starten des Browsers eine bestimmte Website oder die letzte Sitzung mit verschiedenen Tabs laden, passen Sie die Software über die Konfiguration entsprechend an. Sie rufen diese über Extras | Rekonq einrichten auf (Abbildung 2).

Abbildung 2: Kleiner Browser mit vielen Stellrädchen: Neben allgemeinen Einstellungen konfigurieren Sie an dieser Stelle auch Kürzel für Suchmaschinen.

Sicherheit und mehr

Für Anwender, die lokal keine Datenspuren hinterlassen wollen, bietet Rekonq einen privaten Modus an. So sehen andere Nutzer des Computers nicht, welche Seiten Sie besucht haben. Sobald Sie diesen Modus aufrufen, speichert die Applikation bestehende Reiter und lädt diese nach dem Schließen des privaten Modus wieder.

Im Gegensatz zu Konqueror handelt es sich bei Rekonq um einen reinen Webbrowser, der sich aber perfekt in KDE integriert. So teilt er sich Lesezeichen, Cookies und Informationen über Logins mit Konqueror. Beide greifen also auf dieselben lokalen Daten zu, sodass Sie auf Online-Dienst wie Xmarks verzichten können, die Daten über das Internet synchron halten. Passwörter landen in KWallet, sodass Sie hier ebenfalls mit beiden KDE-Browsern auf dieselben Daten zugreifen.

Außerdem enthält Rekonq einen Filter für Werbebanner, mit dem Sie entsprechende Elemente auf Webseiten ausblenden. Im Gegensatz zu Firefox und Chrome ist dieser bereits ab Werk installiert und aktiviert. Sie stellen ihn ein, indem Sie Extras | Extras | Werbefilter aufrufen. Die Informationen für die zu filternde Werbung erhält Rekonq aus der "EasyList", einer Liste, auf die auch das Plugin Adblock für Firefox und Chrome zugreift.

Rekonq führt EasyList in den Einstellungen als automatischer Filter, der sich standardmäßig alle sieben Tage aktualisiert. Bei Bedarf passen Sie dieser Zeitraum an. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, unter Manuelle Filter eigene Filter zu definieren.

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