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© Maratsavalai Lertsirivilai, 123rf.com

Vorgeführt

Sketchpad Ardesia im Test

23.04.2012 Monatelang an der Präsentation gefeilt und dann doch ein Detail vergessen? Kein Problem, mit Ardesia malen Sie die fehlenden Details beim Vortrag einfach mit der Maus auf den Desktop.

Jeder kennt sie aus Schule oder Konferenz: Whiteboards und Flipcharts. Die frei im Raum stehende Tafeln oder Papierblöcke, die dazu dienen, die Ausführungen eines Referenten mit schnellen Skizzen zu verdeutlichen. Stifte, die mit einem roten Laser den alten Zeigestab ersetzten und tanzende Leuchtpunkte auf eine Karte zauberten, ergänzten später das Instrumentarium.

Mittlerweile schließt jedoch fast jeder Referent seinen Rechner an einen Beamer an, um so auf die Möglichkeiten einer Präsentations-Software zurückzugreifen. Daher gehören großflächig bemalten Plakate und Tafeln eigentlich der Vergangenheit an.

Das Ardesia-Projekt [1] verbindet im gleichnamigen Sketchpad-Programm die Funktionen eines altbekannten Flipcharts mit einem modernen Computer-Desktop. Die Software ist dabei äußerst einfach gehalten, was sich auch in der unaufwendigen Installation widerspiegelt, zumindest, wenn das System auf Debian basiert (siehe Kasten "Installation"). Das Open-Source-Projekt liegt derzeit in Version 1.0-1 vor. Für den sinnvollen Einsatz installieren Sie aber am Besten zusätzlich das Programm Spotlighter [2].

Installation

Debian-basierte Distributionen, wie zum Beispiel alle Ubuntu-Derivate, laden von der Download-Seite [2] die Datei ardesia_1.0-1_i386.deb für 32-Bit-Systeme oder ardesia_1.0-1_amd64.deb für 64-Bit-Systeme herunter. Die Installation läuft auf modernen Systemen per Klick. Auf der Konsole erledigen Sie dies mit folgendem Kommando:

sudo apt-get install ardesia_1.0-1_i386.deb

Verfahren Sie ebenso mit der Datei von Spotlighter.

Alle Nicht-Debian-Systeme sind auf das Kompilieren angewiesen. Laden und entpacken Sie die Datei ardesia-1.0.tar.bz2 im Home-Verzeichnis. Sorgen Sie dafür, dass die Pakete gcc, make, automake, autoconf, intltool, libtool, libxml2-dev, libgsf-1-dev, libgtk2.0-dev, libatk1.0-dev, libx11-dev, libpng12-dev, libglib2.0-dev, libgconf2-dev, libfontconfig1-dev, libfreetype6-dev, libgsl0-dev, libc6-dev, xdg-utils ins System eingepflegt sind.

Dann geben Sie im Ordner Ardesia_1.0 nacheinander die Kommandos ./autogen.sh, make und sudo make install ein. Das Quellpaket zu Spotlighter installieren Sie ebenfalls über den Dreisatz ./configure, make und sudo make install.

Unauffällig

Nach der Installation rufen Sie Ardesia über das Menü Anwendungen aus der Rubrik Zubehör auf und geben dem ersten Projekt einen Namen. Voreingestellt sind Datum und Uhrzeit als Bestandteil des Projektnamens. Am rechten Bildschirmrand erscheint eine schmale Werkzeugleiste (Abbildung 1), deren Funktionen aus typischen Mal- und Zeichenprogrammen stammen und sich sehr schnell erschließen. Über Dropdown-Menüs verfügt die Software nicht. Sollten Sie beim Starten Probleme haben und den Fehler wie in Abbildung 4 sehen, hilft Ihnen der Kasten "Compositing" weiter.

Abbildung 1

Abbildung 1: Ardesia gibt sich ganz spartanisch und zeigt lediglich eine Werkzeugleiste den Bildschirmrand.

Compositing

Ardesia benötigt einen Composite-Manager. Die meisten modernen Distributionen, wie Ubuntu oder das darauf basierende Mint Linux, bringen diesen bereits von Haus aus mit und aktivieren ihn, solange das System über 3D-beschleunigte Hardware verfügt.

Doch gerade spartanische Distributoren, wie zum Beispiel Lubuntu, verzichten auf diese Desktop-Erweiterung. Ardesia versagt auf solchen Systemen den Dienst (Abbildung 4). Eine leichtgewichtige Alternative liegt in der X-Erweiterung Xcompmgr. Nach Installation des passenden Paketes rufen Sie einfach mittels [Alt]+[F2] den Befehl xcompmgr auf. Neben einem, nun funktionstüchtigem, Ardesia erhalten Sie auch ein paar dezente optische Schmankerl auf Ihren Desktop gezaubert.

Abbildung 4

Abbildung 4: Ohne Composite-Manager geht nichts bei Ardesia.

Das erste Werkzeug ganz oben besteht nur aus einem schwarzen Punkt. Ein Klick darauf verändert diesen zu verschiedenen Größen und beeinflusst damit die Dicke der zu zeichnenden Pfeile und Linien. Er bestimmt außerdem die Größe der einzugebenden Schrift, wenn sie das Textwerkzeug mit dem schwarzen "A" anwählen.

Der Schalter darunter bestimmt den Zeichenmodus. Die Hand steht für Freihandzeichnen, was den meisten Benutzern mit einer Maus oder gar einem Touchpad recht schwer fallen dürfte. Klicken Sie daher noch einmal auf das Werkzeug und das Symbol ändert sich zu einem Kreis mit Wellenlinie. In diesem Modus glättet Ardesia die von Hand gezeichneten Elemente.

Ein weiterer Klick verändert das Werkzeug-Icon in ein rotes Viereck mit Linie. In diesem Fall interpretiert die Software die Zeichnung als gerade Linie. Wellen deutet die Software dem Winkel entsprechend als Ecken (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Selbst ungelenke Skizzen erscheinen als formvollendete Grafikelemente, aber nur, wenn Sie in Ardesia den richtigen Zeichenmodus anwählen.

Der rote und grüne Pfeil nimmt einmal gezeichnetes wieder zurück oder zaubert es wieder auf den Desktop, falls Sie es sich anders überlegen. Um das Füllwerkzeug zu nutzen, gilt es natürlich erst einmal ein Objekt auf den Desktop zu zeichnen. Der kleine Besen darunter fegt alle Objekte vom Desktop. Pfeil, Textbaustein, Radiergummi und Stift wählen die entsprechenden Funktionen an. Wählen Sie zum Beispiel den roten Pfeil anstatt des Stiftes als Werkzeug, erhält die gezeichnete Figur oder Linie am Endpunkt automatisch eine Pfeilspitze.

Das Werkzeug Marker funktioniert ähnlich wie der Stift. Die jeweils ausgewählte Farbe erscheint aber transparent, so dass Sie damit zum Beispiel Text hervorheben. Die fünf farbigen Kästchen stellen nur eine Vorauswahl dar. Der stufenlose Farbmischer befindet sich darunter.

Hintergründig

Hinter dem Symbol für die Einstellungen verbergen sich nicht die Programmeinstellungen, sie steuern darüber lediglich den Hintergrund. Wer beispielsweise das Hintergrundbild verbergen möchte, wählt eine Farbe aus. Ardesia hält außerdem verschiedene eigene Bilder für den Hintergrund zur Auswahl bereit. Auf diese Weise projizieren Lehrer zum Beispiel im Zusammenspiel von Laptop und Beamer ihre Tafel einfach an die nächste freie Wand (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Eine wirklich interaktive Tafel – per Ardesia mittels Hintergrundbild, Laptop und Beamer an die Wand geworfen.

Ardesia hält neben der erwähnten Tafel weitere nützlich Hintergründe bereit. So finden Sie leere Notenlinien, ein typisches Notizbuchblatt (liniert oder kariert), eine karierte Tafel, eine Weltkarte sowie ein einfaches Whiteboard. Bei Bedarf erstellen Sie einfach ein eigenes Bild im PNG- oder JPG-Format in den Maßen des Desktops und benutzen dieses in Ardesia.

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LinuxUser 05/2014

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