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Rockiger Satchbook 13 Zoll

23.04.2012 Mit vorinstalliertem Ubuntu 11.10 will das Rockiger Satchbook 13 Zoll Dell und Co. zeigen, wo der Linux-Hammer hängt. Wird das Notebook diesem Anspruch gerecht?

Neben Branchenriesen wie Asus, Dell oder Lenovo versuchen in Deutschland auch zahlreiche kleine Distributoren ihre Rechner an den Mann zu bringen. Um gegen die große Konkurrenz zu bestehen, suchen sich viele der kleinen Händler ein eigene Nische. So offerieren auch einige davon günstige Notebooks ohne Betriebssystem oder mit vorinstalliertem Linux – Ein Angebot, das sich bei der prominenten Konkurrenz nur sehr selten findet. Allerdings enttäuschen solche vermeintlich günstigen Rechner oft durch schlechte Verarbeitung, kurze Akkulaufzeiten und lieblos vorinstallierte Distributionen.

Der deutsche Vertrieb Rockiger [1] hat sich auf die Fahne geschrieben, diesen Mißstand zu beenden. Rockiger möchte "eine neue Art von Laptop" verkaufen: "Modernste Hardware" und "extra für Ubuntu entwickelte Geräte" mit "funktionalem Design" sollen den den Großen das fürchten lehren – oder zumindest ein kleines Stückchen vom Kuchen auch an Linux-Laptops verteilen. Zur Auswahl stehen bei Rockiger inzwischen zwei Notebook-Modell mit vorinstalliertem Ubuntu.

Das große Modell namens Rockiger Satchbook 15 Zoll haben wir Ihnen bereits in der November-Ausgabe des letzten Jahres [2] vorgestellt. Der größte Kritikpunkt war damals die zu geringe Wertigkeit des Notebooks: Bei einem Preis von 789 Euro für das Einstiegsmodell lagen die Erwartungen naturgemäß hoch – es müssen nicht nur die inneren, sondern auch die äußeren Werte stimmen. Hier konnte das 15-Zoll-Satchbook nicht überzeugen.

Satchbook 13 Zoll

Mit dem Satchbook 13 Zoll [3] hat die Satchbook-Familien nun Zuwachs bekommen. Auch beim neuen Familienmitglied handelt es sich keineswegs um ein Schnäppchen, dafür soll der Käufer ein leistungsfähiges Gerät mit aktueller Technik und hundertprozentiger Linux-Kompatibilität bekommen.

Unser Testgerät basiert auf einer mit 2,5 GHz getakteten Intel-CPU des Typs Core i5 2520. Mit an Bord sind 4 GByte RAM und eine 500-GByte-Festplatte mit 7200 rpm verbaut. Das verbaute blendfreie Display mit einer Auflösung von 1366x768 Pixeln kostet 150 Euro extra, sodass sich bei einem Grundpreis von 849 Euro eine Endsumme von 999 Euro ergibt. Das ist viel Geld für ein derartiges Notebook – anderswo bekommen Sie Geräte mit vergleichbarer Hardware-Ausgestattung deutlich günstiger.

Rockiger Satchbook 13 Zoll

CPU Intel Core i5, 2,5 GHz
Grafik Intel HD Graphics 3000x
RAM 4 GByte DDR3 1333 MHz
Festplatte S-ATA 500 GByte, 720 rpm
Webcam max. 1280x1024 Pixel
LAN Gigabit-LAN
WLAN Intel PRO/Wireless LAN 6230 (802.11a/b/g), Bluetooth
Anschlüsse
Display VGA, HDMI
Audio Audio In, Audio Out (Klinke)
USB 3 x USB 2.0
SD-Karten 3-in-1-Kartensteckplatz
Akku
Typ LiPo, 8 Zellen (5200 mAh, 77 Wh)
Laufzeit bis 8 h (Herstellerangabe); 4,5 h (im Test)
Sonstiges
Maße/Gewicht 32,8x23,9x2,7 cm / 1,9 kg
Preis ab 849 Euro
Optionen CPU Core i7, 2 GHz (120 Euro); 8 GByte RAM (100 Euro); blendfreies Display (150 Euro); 1 TByte HDD (100 Euro); 120 bis 600 GByte SSD (240 bis 1300 Euro)
Garantie: 36 Monate inkl. Pickup-Service
Quelle: Rockiger UG, 65183 Wiesbaden, http://rockiger.com

Betriebssystem

Das Satchbook bringt ein vorinstalliertes Ubuntu 11.10 "Oneiric Ocelot" mit, das Rockiger per OEM-Installation auf die Festplatte gebannt hat. Benutzername des ersten Accounts und Rechnernamen lassen sich daher beim ersten Start des Systems frei festlegen.

Am System selbst hat Rockiger nicht viel verändert: Wie bei dieser Ubuntu-Version üblich, empfängt Sie Unity als Desktop. An der Optik der Oberfläche hat Rockiger etwas gefeilt: Statt Orange dominiert nun ein zartes Pink den Desktop. Diesen Farbton übernimmt neben dem Schalter zum Schließen von Anwendungen sowie den angewählten Menüpunkten auch das Hintergrundbild (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Desktop des Satchbooks weicht nur wenig vom Ubuntu-Standard ab. Statt Orange dominiert hier eher das Rosa.

Mit dem Ziel, die Akkulaufzeit des Laptops zu verlängern, hat Rockiger auch unter der Haube an zwei Stellen geschraubt: Zum Einen dient nun als CPU-Policy im Akkubetrieb das rigidere Power Saving statt des Ubuntu-Standards Power On Demand (Abbildung 2), zum Anderen sorgen spezielle Kernel-Parameter dafür, dass das Betriebssystem die Stromsparfunktionen von Intels Sandy-Bridge-Chipsatz besser ausnutzt.

Abbildung 2

Abbildung 2: Der Begriff Power Saving führt hier in die Irre: Dieses Setting verlängert die Akkulaufzeit nicht, Power On Demand ist die beste Einstellung.

Hier hat offenbar wieder einmal der Mythos zusgeschlagen, dass der Powersave-Governor durch den Dauerbetrieb der CPU in der niedrigsten Taktfrequenz Strom sparen würde. Tatsächlich trifft das Gegenteil zu [4]: Eine höhere Taktung kostet zwar auch mehr Energie, dafür schließt die CPU ihre Aufgaben aber schneller ab und kann so viel früher wieder in den deutlich mehr Energie sparenden Schlafmodus absinken.

In Bezug auf die Kernel-Parameter hat Rockiger besser aufgepasst: Die Kernel-Option i915.i915_enable_rc6=1 sorgt in der Tat für eine deutliche Reduzierung des Stromverbrauchs [5]. Statt rund 1600 mW zieht das System im Betrieb nur noch etwa 1200 mW, was im Endeffekt für eine Laufzeit von etwa 4,5 Stunden im Bürobetrieb sorgt. Die von Rockiger angegeben acht Stunden Laufzeit konnten wir in keinem unserer Testszenarien auch nur annähernd erreichen.

Obendrein erweist sich auch noch der Akku als schlecht kalibriert. Selbst bei ausreichender Ladung meldet der Laptop beim Abziehen des Netzsteckers eine kritische Ladekapazität und fährt das Satchbook unausweichlich herunter (Abbildung 3). Möglicherweise stimmt sich das System mit zunehmender Anzahl von Ladezyklen noch besser ab – in unserem Test dreiwöchigen Test konnten wir aber keinen entsprechenden Effekt feststellen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Trotz fast vollen Akkus fährt das System beim Abstecken des Ladegeräts in den Standby. Ein Fehler des Akkus oder des Systems?

Hardware

Die von Rockiger für das Satchbook 13 Zoll ausgesuchte Hardware benötigt unter Ubuntu keine proprietären Treiber (Abbildung 4). WLAN, Webcam und Grafik funktionieren dank der Open-Source-Politik von Intel unter jeder aktuellen Linux-Distribution ohne größere Probleme, das nachträgliche Installieren weiterer Treiber fällt beim Satchbook daher flach. Auch kritische Funktionen wie der Anschluss eines zweiten Monitors über den VGA- oder HDMI-Ausgang funktionen ohne Komplikationen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Das Satchbook benötigt keine proprietären Treiber für Grafikkarte oder WLAN, das erleichtert den Betrieb des Geräts mit Linux deutlich.

Im Vergleich zum 15-Zoll-Modell hat sich die Tastatur des 13-Zoll-Satchbooks deutlich verbessert. Die nun an den Kanten abgeflachten Tasten lassen sich haptisch unterscheiden, sodass man nun besser blind tippen kann, und auch der Anschlag gibt sich nicht mehr so schwammig. Das matte Display erweist sich als ausreichend leuchtstark, um auch an den ersten sonnigen Frühlingstagen dieses Jahres im Freien zu arbeiten.

Im Gegensatz zu Tastatur und Display macht das Touchpad wenig Freude. Es erlaubt zwar Multitouch (im Bildbetrachter Eye of GNOME lassen sich etwa Pinch&Zoom-Gesten benutzen oder im Browser mit zwei Fingern auf dem Touchpad scrollen), doch hebt es sich nur durch eine minimal geänderte Texturierung vom Gehäuse ab (Abbildung 5). Das macht es nahezu unmöglich, mit dem Finger blind den Rand des Touchpads zum Scrollen zu treffen – man muss also jedesmal die Augen kurz vom Display nehmen.

Abbildung 5: Das Logo auf der "Ubuntu-Taste" ist nur aufgeklebt, das Touchpad hebt sich kaum von der Handballenauflage ab.

Wie beim 15-Zoll-Modell fallt auch beim Satchbook im 13-Zoll-Format wieder die mangelnde Wertigkeit des Gehäuses auf, die nicht so recht zur verbauten Hardware passen mag. Der Display-Deckel und selbst der Unterbau lassen sich ohne viel Kraft verwinden, dünner Kunststoff an allen Ecken und Kanten bestimmt das äußere Bild. Auch das Ohr muss leiden: Der verbaute Lüfter macht sich selbst im Leerlauf störend bemerkbar.

Fazit

Auch wenn wir es schön finden, dass es endlich auch in Deutschland leistungsfähige und ordentlich mit Linux vorinstallierte Laptops gibt, kommen wir um die Erkenntnis nicht herum, dass Rockiger mit seinen Satchbooks den selbst gestellten Ansprüchen keineswegs gerecht wird. Die im Gerät verbaute Hardware ist zwar ohne Frage leistungsfähig, die CPU kommt mit jeder Aufgabe zurecht und die schnelle Festplatte bootet den Rechner von Grub aus kaum mehr als 20 Sekunden, doch Wertigkeit und Usability wollen nicht so recht zum Preis und den inneren Werten passen.

Der Lärm des Lüfters, die Spielzeug-Anmutung des Gehäuses sowie das unglücklich gestaltete Touchpad mindern die Freude am Satchbook 13 Zoll deutlich. Bei aller Kritik am Gerät gilt es jedoch zu bedenken, dass Rockiger Support für allfällige Linux-Probleme gibt, Hersteller wie Acer, Asus, Dell oder Lenovo an dieser Stelle aber passen. Unter diesem Aspekt lässt sich vielleicht doch über die eine oder andere Schwäche und den heftigen Preis hinwegsehen. 

Infos

[1] Rockiger: http://rockiger.com

[2] Rockiger Satchbook 15 Zoll: Christoph Langner, "Andere Gewichtsklasse", LU 11/2011, S. 80, http://www.linux-community.de/24392

[3] Satchbook 13 Zoll: http://rockiger.com/de/shop/product/satchbook13

[4] "Powersave heißt nicht Energie sparen": http://tinyurl.com/lu0512-powersave

[5] Sandy Bridge – Stromverbrauch reduzieren: http://tinyurl.com/lu0512-sandybridge

Der Autor

Christoph Langner ist Redakteur unserer Schwesterzeitschrift Android User. Folgen Sie ihm auf Google+ unter http://gplus.to/chrissss oder schauen Sie in sein Blog rund um GNU/Linux, freie Software und Android auf http://linuxundich.de.

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