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Ferngesteuert

PCs via Android-Smartphone kontrollieren

23.04.2012
Den PC ferngesteuert an- und abschalten oder Programme vom Smartphone aus starten, egal wo Sie sich befinden – mit der Android-App Remote Launcher ist das kein Problem.

Die Kombination aus einem Linux-Rechner und einem Android-Smartphone eröffnet viele Möglichkeiten, das gegenseitige Zusammenspiel für eigene Zwecke auszunutzen. Mit der App Gmote [1] zum Beispiel steuern Sie von Ihrem Smartphone aus Mediadateien auf Ihrem PC an. Eine weitere hilfreiche App, die nach demselben Client-Server-Prinzip funktioniert, ist Remote Launcher.

Mit Remote Launcher [2] starten Sie Programme auf einem Linux-PC von Android-Smartphones aus mit einem Klick (Abbildung 1). Die passenden Einstellungen vorausgesetzt, können Sie Ihren PC sogar von unterwegs starten oder herunterfahren. Dabei fungiert die App auf dem Smartphone als Client, der ein kleines Server-Programm auf dem PC ansteuert. Um die komfortable Fernstartfunktion abzurunden, bringt die App entsprechende Widgets mit und unterstützt zudem Shortcuts, um das Starten der PC-Programme nochmals zu beschleunigen.

Abbildung 1: Für den schnellen Zugriff stehen Widgets bereit. Über das linke lassen Sie sich die vorhandenen Launcher des verbundenen PCs anzeigen, das rechte Widget führt die Wake-on-LAN-Funktion aus.

Mit ein wenig Kreativität lassen sich etliche Einsatzszenarien für Remote Launcher denken. So könnten Sie mit Hilfe einer weiteren App, die standortbezogen bestimmte Smartphone-Funktionen ausführt, zum Beispiel festlegen, dass der PC automatisch startet, sobald Sie nach Hause kommen. Außerdem dürfen Sie jede Art von Linux-Anwendung ausführen – sie können auch ein selbstgeschriebenes Skript starten, das zum Beispiel ein Backup auslöst.

App und den Server

Die App erhalten Sie bequem über den Play Store, wie der Android-Market neuerdings heißt. Wie so oft gibt es die Anwendung in zwei Varianten: Einmal als kostenlose Version mit Werbeeinblendung [3] und einmal werbefrei [4] für 77 Cent. Die Remote-Launcher-App setzt mindestens Android 1.6 "Donut" voraus und nimmt lediglich 75 KByte Speicher in Anspruch. Auch in Sachen Berechtigungen verlangt sie nur das Nötigste: Neben einem uneingeschränkten Internetzugriff will die App den Vibrationsalarm steuern und den Netzwerkstatus anzeigen können.

Auf der Linux-Seite setzt Remote Launcher Java voraus, das die gängigen Distributionen schon bei der Installation einrichten. Über den Befehl java -version finden Sie bei Bedarf heraus, welche Java-Version auf dem Rechner läuft. Die Server-Komponenten von Remote Launcher steht auf der Projektseite als Installationsskript zum Herunterladen bereit. Nach dem Download entpacken Sie den Tarball mit dem Kommando

$ tar -xf remotelauncherserver-0.2.11.tar.gz

Anschließend wechseln Sie in das entpackte Verzeichnis und starten mit administrativen Rechten das Skript install.sh. Es richtet den Server unterhalb von /usr/share/ ein und erzeugt einen passenden Symlink für den Aufruf in /usr/bin. Schließlich aktivieren Sie das Tool über den Aufruf remote-launcher-server.

Der Remote-Launcher-Server begrüßt Sie mit dem englischsprachigen Hinweis darauf, dass Sie nun erst einmal ein Passwort setzen müssen. Sobald Sie mit OK bestätigen, öffnet sich ein Dialog dazu. Hier geben Sie ein neues Passwort ein und bestätigen es dann nach bekanntem Muster in einem weiteren Feld. Das (ohnehin ausgegraute) Feld für das alte Passwort lassen Sie frei – Sie hatten ja bislang noch keines vergeben.

Nach dem Start öffnet Remote Launcher sein Programmfenster und platziert ein entsprechendes Icon im Systempanel. Im Programmfenster nimmt das Server log den meisten Platz ein (Abbildung 2). Hier protokolliert Remote Launcher alle Aktivitäten. Frisch gestartet lautet die letzte Meldung Waiting for client to connect on port 4444. Der Server auf dem PC wartet also nur darauf, dass sich der Client auf dem Android-Gerät mit ihm verbindet.

Abbildung 2: Das Programmfenster für den Linux-PC zeigt die letzten Aktionen des Remote Launchers an.

Nun müssen Sie die App so konfigurieren, dass sie sich mit dem Server auf dem Linux-PC verbinden kann. Vergewissern Sie sich, dass das Android-Gerät per WLAN mit dem Heimnetzwerk verbunden ist, und starten Sie die Remote-Launcher-App. Dort klicken Sie auf Add, um den Dialog Add Server (Abbildung 3) zu öffnen. Die erste erforderliche Eingabe ist die IP-Adresse des PCs. Falls Sie diese nicht auswendig wissen, geben Sie in eine Konsole auf dem Rechner den Befehl ifconfig ein. In der Ausgabe unter zum Beispiel eth0 finden Sie Informationen zur Netzwerkschnittstelle, darunter auch die IP-Adresse (inet Adresse). Diese geben Sie auf dem Android-Gerät als Server address ein.

Abbildung 3: Ihren PC beziehungsweise den darauf installierten Server fügen Sie über diesen Dialog hinzu.

Der Server-Port bleibt auf dem voreingestellten Wert 4444 – es sei denn, Sie haben auf dem Server Ihres PCs bereits etwas anderes eingestellt. Nun müssen Sie noch das Passwort angeben, das Sie zu Beginn am Server eingetragen haben. Die weiteren Eingabefelder können Sie fürs Erste ignorieren. Klicken Sie nun abschließend auf Save.

Für einen ersten Test wählen Sie nun den eingetragenen Server an. Durch einen Klick auf Connect verbindet sich die App mit dem PC und meldet im Erfolgsfall den Verbindungsaufbau (Abbildung 4). Da aber noch keine sogenannten Launcher auf dem Rechner konfiguriert sind, können Sie auch noch nichts auswählen. Auf dem PC quittiert der Server den Verbindungsaufbau im Log durch die Ausgabe Client connected from /192.168.2.117 mit der Angabe der entsprechenden IP-Adresse des verbundenen Android-Geräts.

Abbildung 4: Die App ist übersichtlich gehalten. Die Wake-on-LAN-Funktion lässt sich über den Button WOL ausführen.

TIPP

Sofern der angesteuerte PC seine IP-Adresse per dynamischer Adressvergabe (DHCP) vom Router bezieht, kann er beim nächsten Hochfahren eine andere IP-Adresse vom Router zugewiesen bekommen. Dann klappt die Verbindungsaufnahme über die Remote-Launcher-App nicht mehr. Daher empfiehlt es sich, dem Rechner eine feste IP-Adresse zu geben.

Launcher konfigurieren

Damit Sie Anwendungen auf Ihrem PC von der App aus starten können, müssen Sie auf dem PC so genannte Launcher konfigurieren. Klicken Sie dazu im Programmfenster des Remote-Launcher-Servers auf Edit | Configure Launchers oder verwenden Sie das Tastenkürzel [Alt]+[L]. In dem sich öffnenden Dialog Configure launchers klicken Sie auf Add launcher.

Im nun erscheinenden Dialog geben Sie in das Feld Name einen geeigneten Namen für den Launcher ein. Das nächste Feld versehen Sie mit einer näherer Beschreibung (Description) zur angesteuerten Funktion. Über Path legen Sie den Pfad zur auszuführenden Datei fest. Meist genügt es aber, nur den Namen der gewünschten Programmdatei anzugeben, etwa amarok für die Anwendung Amarok. Abschließend speichern Sie die Angaben über den Schalter Add.

Haben Sie die Dialoge zum Erstellen von Launchern (Abbildung 5) geschlossen und alle Einstellungen gespeichert, können Sie auf dem Android-Gerät die entsprechenden Launcher auswählen. Die App fragt noch einmal nach, ob Sie den Launcher wirklich ausführen wollen. Nach einer Bestätigung startet dann die entsprechende Anwendung auf dem Linux-Rechner.

Abbildung 5: Diese Launcher stehen nach dem Erstellen auch über die App zur Verfügung.

Wundern Sie sich nicht, dass die App nach einem Standby des Android-Gerätes zunächst wieder versucht, sich mit dem Server zu verbinden. Je nach Konfiguration der Energiesparoptionen wird die WLAN-Funktion während des Stand-by automatisch deaktiviert. Sie sollten diese Option so belassen, um den Akku nicht unnötig zu belasten.

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