© LNM AG

Traumhaft

Multimedia-Distribution Dream Studio

23.04.2012
Wer keine Zeit hat, seine Lieblingsdistribution manuell zum Tonstudio aufzubohren, findet in Dream Studio eine komfortable Fertiglösung aus Profi-Hand.

Im kanadischen Saskatoon entwickelt der Musikers Richard MacInnis die Distribution Dream Studio [1], die sich als voll ausgestattetes Multimedia-Linux mit Echtzeit-Ambitionen versteht. Wer keine Zeit hat, seine Lieblingsdistribution manuell zum Tonstudio aufzubohren, findet im auf Ubuntu 11.10 "Oneiric Ocelot" basierenden Dream Studio eine komfortable Fertiglösung aus Profi-Hand.

Künftige Version ab 12.04 sollen mit den bisherigen halbjährlichen Release-Zyklen brechen, Dream Studio wird dann aller Voraussicht nach nur alle zwei Jahre erneuert. Die Distribution steht auf Sourceforge [2] sowohl als üppiges DVD-ISO als auch als Installationspaket für Ubuntu zur Verfügung (letzteres aber noch auf dem Release-Stand 11.04). Die Projektseite bietet indes nur spärliche Infos und verweist in Sachen Dokumentation auf die Ubuntu-Ressourcen.

Musik drin

Dream Studio richtet sich zwar mit seiner Unterstützung für Realtime-Audio via Jack primär an Musiker und Produzenten digitaler Musik, aber nicht nur: Die Distribution enthält eine beachtliches und gut aufeinander abgestimmtes vorinstalliertes Ensemble an Audio-, Video- und Grafik-Software und bringt daneben auch die obligatorische Ausstattung an Büro-Software sowie Tools wie Kompozer für Webdesigner mit.

Im Gegensatz zu Ubuntu selbst setzt Dream Studio auf die aktuellsten Versionen aller interessanten Multimedia-Pakete und hat auch die jeweils erforderlichen Codecs mit an Bord. Die dazu erforderlichen zusätzlichen PPA-Paketquellen von Launchpad bindet es gleich ein, etwa von KXStudio, Kazam-Team, Abogani und einigen anderen.

Der Installer gibt Ihnen wahlweise die Möglichkeit, Dream Studio im Live-Modus auszuprobieren oder direkt auf Festplatte zu installieren. Letzteres erledigen Sie im typischen Ubuntu-Stil mit wenigen Rückfragen im Nu. Nach dem Login begrüßt Dream Studio Sie mit einem aufgeräumtem Unity-Desktop, auf dem lediglich das Qt-Interface des Jack Audio Connection Kit prangt (Abbildung 1). Das Installieren anderer Desktops oder Fenstermanager ist aber problemlos möglich.

Abbildung 1: Herzstück von Dream Studio ist der betriebsbereite Jack Audio-Server, zu dessen Steuerung Dream Studio per Default das Qt-Interface Qjackctl zeigt.

Darüber hinaus unterstützt Dream Studio die Lens Utility von Ubuntu, eine Art Aufsatz für das Unity-Dash. Dank eingebautem API können sich Anwendungen in das Dash einklinken und eigene Inhalte darstellen.

Vollausstattung

Die Software-Ausstattung befriedigt selbst gehobene Multimedia-Ansprüche – sowohl was die installierten Anwendungen angeht, als auch in Bezug auf die per Default eingebundenen Paketquellen. Der Echtzeit-Kernel samt Jack-Soundserver stellt einen betriebsbereiten Realtime-Audio-Layer zur Verfügung, der sich mit allen Jack fähigen Audio-Anwendungen nutzen lässt, wie etwa dem Festplattenrekorder Ardour. Neben diesem installiert Dream Studio weitere professionelle Audio-Anwendungen, wie etwa Jack-Rack, ein Mischpult für LADSPA-Stereoeffekte, Zynjacku, ein LV2-Synthesizer-Rack für Jack oder Freqtweak, einen Echtzeit-Audioprozessor. Doch damit nicht genug: Im Installationsumfang befinden sich die meisten der in LinuxUser 01/2012 vorgestellten professionellen Musiker-Tools sowie Einiges mehr, darunter:

  • der Orgel-Emulator Aeolus,
  • der Audiorekorder Audacity,
  • der polyphonen Mehrkanal-Midi-Echtzeit-Synthesizer MX44,
  • der Audio/Midi-Mehrspur-Sequenzer Qtractor,
  • der Drum-Sequenzer Hydrogen,
  • der auf ZynAddSubFX basierenden Softwaresynthesizer Yoshimi,
  • das LC2-Plugin-Rack für Jack LV2-Rack,
  • die Live-DJing-Anwendung DJPlay nebst digitaler DJ-Schnittstelle Mixxx,
  • das Gitarreneffekt-Tool Rackarrack,
  • die Guitar-Amp-Simulation Guitarix sowie
  • Tuxguitar zum Begleiten und Bearbeiten von Gitarrentabulaturen.

Und das ist nur eine kleine Auswahl unter den Audio-Werkzeugen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Bereich Audio-Tools grenzt der Default-Installationsumfang schon an den digitalen Overkill und sollte selbst bei Profimusikern keinerlei Wünsche offen lassen.

Nicht weniger opulent ausgestattet zeigt sich Dream Studio in den Bereichen Foto, Video und Office/Publishing. Für Cineasten hat Dreamstudio den Video-Editor LiVES, das Video-Wiedergabe-Tool Xjadeo zum Synchronisieren des Jack-Transports sowie Cinelerra an Bord. Außerdem steht mit Kazam eine leistungsfähige Screencast-Software zur Verfügung. Auch der Werkzeugkasten für Hobby-Fotografen, Grafiker und Designer ist mit Gimp, Scribus, Inkscape, Openshot, Blender und Hugin gut bestückt. Zum Organisieren von Fotos steht Shotwell zur Verfügung, mit Darktable entwickeln Sie Fotos in einer digitalen Dunkelkammer. Für profane Büroaufgaben steht LibreOffice parat.

Fazit

Dream Studio ist primär für Musiker konzipiert, was sich an der überdurchschnittlichen Ausstattung mit professionellen Audio-Werkzeugen sowie der Echtzeitfähigkeit erkennen lässt. Es eignet sich aber auch für Anwender, die ein aktuelles Ubuntu mit kreativer Vollausstattung suchen, bei der alles mit dem gut vorkonfigurierten Unity-Desktop harmoniert. Insbesondere das solide Ubuntu-Fundament sowie der Jack-Audio-Server nebst passenden Anwendungen sorgen für einen rundum positiven Gesamteindruck. 

Jack Audio Connection Kit

Basis der für das professionelle Produzieren digitaler Musik am PC erforderlichen Echtzeitfähigkeit ist neben einem geeigneten Realtime-Kernel ein echtzeitfähiger Audio-Server nebst passender Anwendungen. Beim Jack Audio Connection Kit [3] handelt es sich um einen solchen Audio-Server. Als Profi-Lösung stellt Jack erhebliche Anforderungen an die Hardware und kommt daher auch nicht im Dauerbetrieb zum Einsatz, sondern nur bei Bedarf, etwa beim Produzieren digitaler Musik, wofür Sie den Jack-Daemon über die GUI-Tools Qjackctl (Qt) oder Patchage (GTK) manuell starten. Mit Jack funktionieren prinzipiell nur solche Anwendungen, die explizit dafür entwickelt und kompiliert wurden.

Aus Nutzersicht zeigt sich Jack als eine Art virtuelles Rack, in das Sie verschiedene Arten von Audio-Anwendungen hineinstecken und miteinander verkabeln, ähnlich wie in einem echten Tonstudio. Dies erledigen Sie über eine grafischen Steuerzentrale wie Qjackctl. Auf Systemebene verwaltet der Jack-Daemon die Ein- und Ausgänge der beteiligten Anwender-Programme wie Synthesizer, Rekorder, Effektprozessor und Sequenzer sowie der vorhandenen Audio-Hardware und routet die betreffenden Signale gemäß der virtuellen Verkabelung.

Jack arbeitet nicht autark, sondern benötigt immer ein vorhandenes Soundsystem als Backend, etwa ALSA oder OSS. Mit Hilfe virtueller Adapter gelingt es inzwischen sogar, nicht explizit für Jack entwickelte Audio-Software (ALSA, OSS) mit Jack zu verwenden.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

Kommentare