Pfeilschnell

Linux für Pentium-PCs: ConnochaetOS

23.04.2012
Das superschlanke ConnochaetOS verschafft betagten Computern einen zweiten Frühling.

Linux-Distributionen für ältere Rechnersysteme gibt es reichlich, doch lassen sich viele davon im Alltag nur eingeschränkt nutzen, weil sie die Rückwärtskompatibilität durch Funktionsverzicht oder veraltete Bedienkonzepte erkaufen. Ganz andere Pfade beschreitet das aus Deutschland stammende ConnochaetOS [1], dessen Basis Arch Linux deutlich leichtgewichtiger daherkommt als die Mainstream-Distributionen. Das nach einer afrikanischen Antilopenart benannte ConnochaetOS nutzt zudem einen Linux-Libre-Kernel 2.6.32.57 [2] ohne proprietäre Firmware, der die Standards der FSF erfüllt. Als Alternative steht der brandneue Libre-Kernel 3.2.7 zur Wahl. Als Desktop dienen IceWM 1.3.7 oder alternativ LXDE 0.5, sodass das System kaum Einarbeitungsaufwand erfordert.

Für das produktive Arbeiten bringt ConnochaetOS die leichtgewichtigen Gnome-Office-Applikationen Abiword und Gnumeric mit. Als Webbrowser kommt der eher Xxxterm zum Einsatz, optional stehen auch Iceweasel oder Midori zur Verfügung. Einige Spiele und Multimedia-Anwendungen runden das Spektrum an vorinstallierten Programmen ab.

Testfall

Als Hardwarevoraussetzungen geben die Entwickler von ConnochaetOS eine Pentium-I-CPU und 64 MByte RAM an. Ein derart antikes Testsystem steht uns allerdings nicht zur Verfügung, weswegen wir das Arch-Derivat auf einem Rechner mit Pentium-III-Hardware ausprobierten.

Nach dem Brennen des nur etwa 390 MByte großen ISO-Images [3] begrüßt die gebootete CD mit einem Legacy-Grub-Bildschirm. Er lässt ausschließlich die Installation des Betriebssystems auf der Festplatte zu, ein Einsatz als Live-System ist nicht vorgesehen. Ein textbasierter Installer bringt das System binnen weniger Minuten auf die Platte. ConnochaetOS begrüßt Sie nach dem ersten Start mit einem nüchternen, in Blautönen gehaltenen Desktop mit einer einzigen Panelleiste am unteren Rand.

Das Startmenü – sie rufen es über den Schalter mit dem Antilopengehörn links in der Panelleiste auf – verzweigt in Untermenüs mit teils spartanischer Software-Ausstattung. So hält das Büro lediglich Abiword, Gnumeric und den ePDF-Viewer bereit. Auch die Punkte Grafik, Internet und Multimedia weisen nur eine Minimalausstattung auf, die die wichtigsten Aufgaben abdeckt. Immerhin bringt ConnochaetOS von Haus aus bereits die wichtigsten Multimedia-Codecs mit.

Die von Mainstream-Distributionen her gewohnten Verwaltungstools fehlen ConnochaetOS nahezu gänzlich. So finden Sie weder Programme zur Scanner- oder USV-Konfiguration noch einen grafischen Paketmanager. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie auf Software-Repositories oder den Anschluss weniger gebräuchlicher Hardware verzichten müssten: Arch Linux als Basis verfügt selbstverständlich auch über ein Paketmanagement-System, das sich technisch in allen Bereichen auf der Höhe der Zeit gibt.

Paketdienst

ConnochaetOS richtet – sofern Sie einen DSL-Router mit aktiviertem DHCP nutzen – den Netzwerkzugang automatisch ein. Ein mit statischen IP-Adressen konfigurierter LAN-Zugang oder die WLAN-Anbindung passen Sie im Menü Internet über das grafische Programm Wicd an. Über das Netzwerk erhalten Sie dann den Zugriff auf die Repositories von ConnochaetOS. Mithilfe des Arch-Linux-Paketmanagers Pacman installieren Sie nun liebgewonnene Programme nach. Als Konsolenprogramm erfordert Pacman jedoch von Haus aus etwas Einarbeitung.

Zum Nachinstallieren von Software verwenden Sie im Terminal als User root den Befehl pacman -S Programm. Pacman sucht die Software in den Repos und installiert sie inklusive aller bestehenden Abhängigkeiten. Danach müssen Sie sich ab- und erneut anmelden, um die entsprechenden Einträge in den Menüs zu aktivieren (Abbildung 1).

Abbildung 1: Pacman arbeitet ähnlich komfortabel wie RPM, APT und Co.

Vorab gilt es jedoch erst einmal die Programmdatenbank zu aktualisieren, was im Terminal mithilfe des Befehls pacman -Sy geschieht. Achten Sie dabei unbedingt auf die korrekte Schreibweise, da der Paketmanager verschiedene Kommandos anhand der Groß- und Kleinschreibung differenziert. Weitere wichtige Befehle sind pacman -R Programm zum Entfernen eines Programms und pacman -Rs Programm zum Löschen einer Software inklusive aller nicht mehr benötigten Abhängigkeiten. Eine Übersicht aller Parameter des Paketmanagers [4] hält das Wiki der Distribution bereit.

Quellensuche

Die beiden wichtigsten Softwaresammlungen von ConnochaetOS, das connos- und das connos-extra-Repository – sind bereits aktiviert. Um weitere Paketsammlungen hinzuzufügen, modifizieren Sie im Terminal die Datei /etc/pacman.conf. Dazu öffnen Sie mit administrativen Rechten die Datei in einem beliebigen Texteditor und suchen den Abschnitt REPOSITORIES. Hier aktivieren Sie nun in einfacher Weise zusätzliche Softwarequellen, indem Sie diese an die voreingestellten Repositories anfügen. Inoffizielle Quellen aus der Community sowohl für 32-Bit- als auch für 64-Bit-Architekturen finden Sie im Arch-Linux-Wiki [5] (Abbildung 2).

Abbildung 2: ConnochaetOS freundet sich auch mit zusätzlichen Repositories an.

Da ConnochaetOS auf PCs der Pentium-Klasse optimiert wurde, haben sich die Entwickler stark auf schnell und ressourcenschonend arbeitende Programme konzentriert. Somit fehlen in den Repositories Boliden wie die großen Office-Suiten, da deren Einsatz auf betagten Rechnern wenig Sinn macht. Für die meisten Aufgaben stellen die Repositories jedoch gute Alternativen bereit, sodass sich Vieles selbst auf Uralt-Rechnern noch in akzeptabler Geschwindigkeit erledigen lässt.

Fazit

ConnochaetOS haucht Ihrem alten Computer wieder neues Leben ein. Selbst auf 15 Jahre alten Pentium-Maschinen lässt sich damit wieder produktiv arbeiten, da die Distribution eine sinnvolle Auswahl essenzieller Programme für die tägliche Arbeit mitliefert, die wieselflink zu Werke gehen. Selbst sonst eher träge agierende Software wie der Firefox-Clone Iceweasel und der Bildbearbeitungsbolide Gimp gingen im Test auf einer über 10 Jahre alten Pentium-III-Maschine schneller an die Arbeit als auf manchem aktuellen Core-Duo-Rechner mit einer Mainstream-Distribution.

Daneben glänzt ConnochaetOS mit einer exzellenten Systemstabilität. Einziges Manko für Einsteiger: Man muss sich mit der Kommandozeile vertraut machen, um die Möglichkeiten der Distribution ausschöpfen zu können. Vor allem zum Installieren zusätzlicher Software ist die Kenntnis des Paketmanagers Pacman unumgänglich. Für Anwender jedoch, die für einen alten PC eine brauchbare Lösung für Office- und Internet-Anwendungen suchen, bietet ConnochaetOS interessante Möglichkeiten. 

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