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Mit dem digitalen Zettelkasten Mindraider ordnen und visualisieren Sie Gedanken und Notizen als Mindmap. So geben Sie selbst komplexen Daten eine eingängige Struktur.

Ideen, anstehende Aufgaben, Pläne, wichtige Links, Wissenshäppchen, Skizzen oder wichtige Dateien, die irgendwo auf Festplatten und DVDs schlummern – all diese Informationen sammeln Sie komfortabel in Mindraider. Die Entwickler bezeichnen das Programm als "persönliches Notizbuch und Gliederungseditor". Tatsächlich speichert die Software einfach Sammlungen von Notizen, also kleine Texte, wie Sie sie im analogen Alltag auf den allseits bekannten Post-its notieren.

In Mindraider haben Sie die Möglichkeit, die einzelnen Notizen zueinander in Beziehung setzen, mit Schlagwörtern zu versehen und ihnen sogar Dateien oder Internet-Adressen anzuheften. Gespeicherte Notizen spüren Sie schnell mit einer Suchfunktion, in der Gliederung oder der Baumansicht schnell wieder auf. Letztgenannte orientiert sich an den Diagrammen aus Mindmapping-Programmen.

Bürobedarf

Um mit Mindraider Gedanken zu ordnen, laden Sie auf der Homepage [1] im Bereich Download it das passende Paket herunter. Dieses müssen Sie lediglich in einem Verzeichnis Ihrer Wahl entpacken. Anschließend im starten Sie im Unterverzeichnis mindraider-8.0/bin das Skript mindraider.sh. Daraufhin begrüßt Sie das auf den ersten Blick ziemlich vollgestopfte Hauptfenster (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Hauptfenster von Mindraider wirkt nur auf den ersten Blick ziemlich überladen. Sie verändern die einzelnen Bereiche, indem Sie die Maus auf die Begrenzung führen und die gewünschte Größe durch Ziehen einstellen.

Mangels Online-Hilfe und Handbuch bleibt dem Unkundigen zwangsläufig nur übrig, sich durch Experimentieren mit dem Bedienkonzept vertraut machen. Die bereits mitgelieferten Notizen geben immerhin einen kurzen Überblick über die Funktionen und Möglichkeiten des Programms. Sie stammen allerdings aus dem Jahr 2005, beziehen sich auf die damals aktuelle Vorabversion von Mindraider und verwenden obendrein noch teilweise andere Begriffe als die Benutzeroberfläche der aktuellen Version 8.0.

Erschwerend kommt hinzu, dass bislang noch keine deutsche Übersetzung vorliegt, sodass Sie sich derzeit mit englischen Beschriftungen begnügen müssen. Das alles ist jedoch kein Grund, das Hauptfenster sofort wieder zu schließen.

Mit ein wenig Abstand betrachtet, teilt sich das Hauptfenster in drei Spalten. Die mittlere Spalte zeigt alle Notizen auf zwei verschiedene Arten an: Einmal im oberen Teil in einer Gliederung, darunter noch einmal als Mindmap.

Was alles in einer dieser Notizen steht, verrät die Spalte am rechten Fensterrand. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Notizen in virtuellen Zettelkästen thematisch zusammenfassen. Mindraider bezeichnet diese Sammlungen als "Outlines" (das englische Wort für Gliederungen). Über die Leiste am linken Fensterrand verwalten Sie diese Outlines.

Kochbuch

Um eine neue Notizsammlung anzulegen, wenden Sie sich dem Bereich ganz links oben unterhalb des Eingabefeldes Filter zu. Wie in der Liste zu sehen, bringt Mindraider bereits drei Outlines mit. Die MR Documentation enthält beispielsweise Notizen, die kurz die Konzepte von Mindraider vorstellen.

Eine eigene Outline erstellen Sie mit einem Klick auf das grüne Plus-Symbol. Im folgenden Dialog geben Sie ihr als Erstes unter Title einen Namen. Möchten Sie beispielsweise etwas Überblick in Ihre persönlichen Lieblingsrezepte bringen und schneller die Frage beantworten, was Sie heute kochen sollen, so wäre hier vielleicht Rezeptsammlung passend. Unter Labels weisen Sie der Outline bei Bedarf noch ein paar durch Kommas getrennte Stichworte zu – im Beispiel etwa Kochen, Rezepte.

Nach einem Klick auf Create bietet Mindraider direkt an, eine neue Notiz zu erstellen. Möchten Sie in der neuen Sammlung beispielsweise eine Notiz mit einem Rezept für Plätzchen anlegen, böte sich als Titel folglich Plätzchen an. Tags nimmt wieder ein paar passende, jeweils durch Kommas getrennte Stichworte auf. In diesem Fall wären vielleicht Gebäck, Backen sinnvoll. Obwohl die Stichworte optional sind, sollten Sie möglichst immer welche vergeben: Mindraider erlaubt die komfortable Suche über eine Tag-Wolke.

Die Software bietet ein Pendant zum richtigen Notizzettel. Auf diesen schreiben Sie das eigentliche Rezept. Diesen Text dürfen Sie sogar formatieren – auf welche Weise, das stellen Sie unter Type ein. Plain Text erlaubt beispielsweise nur einfachen Text, bei HTML dürfen Sie die Notiz noch mit HTML-Tags erweitern.Beim Plätzchenrezept reicht der vermutlich Plain Text aus.

Für Meetings und ähnliche wiederkehrende Aufgaben in Unternehmen bringt Mindraider ein paar englischsprachige Textvorlagen mit. Um eine zu nutzen, wählen Sie die entsprechende unter Template aus. Da es für das Rezept kein passendes Pendant gibt, belassen Sie hier None. Unter Category können Sie die Notiz noch einer von mehreren vorgegebenen Kategorien zuordnen. Ist das Plätzchenrezept besonders schmackhaft, kennzeichnen Sie es vielleicht als Lecker. ZU guter Letzt legen Sie die Notiz per Create an.

Wer hat's gesehen?

Im Hauptfenster finden Sie jetzt ganz links oben die neue Rezeptsammlung. Die Liste darunter umfasst alle Labels der Outlines. Dort sind die beiden vorhin vergebenen Stichworte Kochen und Rezepte hinzugekommen. Ein Klick auf eines dieser Labels filtert die Liste aller Outlines direkt darüber.

Klicken Sie beispielsweise auf Kochen, stehen darüber nur noch die Outlines zur Auswahl, die sich irgendwie mit Kochen beschäftigen. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert das Eingabefeld Filter: Sobald Sie dort einen Text eintippen, erscheinen nur noch die Outlines, die diese Zeichen im Namen tragen.

In der mittleren Spalte hat Mindraider bereits die Rezeptsammlung geöffnet. In der oberen Liste erscheinen die Plätzchen eingerückt, was sie als eine Notiz innerhalb der Rezeptsammlung kennzeichnet. Abbildung 2 zeigt zudem, dass die Software die Uhrzeit erfasst, zu der Sie die Notiz angelegt haben.

Abbildung 2: Im Feld links oben stehen alle Sammlungen, der Inhalt der gerade markierten finden Sie rechts daneben in einer Gliederung.

Unter Annotation finden Sie bei den Plätzchen einen kleinen, blauen Strich: Er steht für die Kategorie Cool, die anderen haben jeweils eine eigene Farbe. Wichtige Notizen aus der Kategorie Important erkennen Sie zum Beispiel an einem orangefarbenen Strich. Das Register Sorter hält übrigens noch weitere Informationen zu den Notizen bereit, beispielsweise das Änderungsdatum.

Stellen Sie sicher, dass die Notiz markiert ist, indem Sie sie anklicken. Ganz rechts oben finden Sie jetzt alle Angaben, die Sie beim Anlegen der Notiz vorgegeben haben (Abbildung 3). Falls Sie welche vermissen, klicken Sie auf das kleine Plus-Symbol vor Title. Die Ansicht bietet die Möglichkeit, die einzelnen Daten jederzeit abzuändern.

Abbildung 3: Den Inhalt einer Notiz quetscht Mindraider an den rechten Fensterrand.

Im großen, weißen Bereich darunter dürfen Sie jetzt einen Text hinterlassen, also auf das virtuelle Notizblatt schreiben. Dazu müssen Sie allerdings erst das Feld entsperren, indem Sie am unteren rechten Rand auf das weiße Kästchen mit den zwei Strichen klicken oder [Strg]+[E] drücken. Im unserem Beispiel geben Sie jetzt die Zutaten für den Plätzchen-Grundteig ein.

Mindraider speichert Änderungen automatisch, sobald Sie eine andere Funktionen aktivieren. Um eine Änderung direkt anzuwenden beziehungsweise zu speichern, nutzen Sie auf die Schaltfläche mit Disketten-Symbol rechts unterhalb des Editor-Fensters oder [Strg]+[S].

Tacker

Im Beispiel stammt der Text aus der freien Rezeptsammlung in Wikibooks (Abbildung 3). Es wäre also eine Überlegung wert, als Erinnerung einen Link auf das Rezept der Notiz anheften. Dazu klicken Sie auf das Symbol mit der Büroklammer. Mindraider öffnet jetzt eine weitere Liste mit allen an die Notiz geklebten Anhängen. Um eine URL hinzuzufügen, klicken Sie auf die Büroklammer am rechten Rand.

Im Fenster vergeben Sie eine Beschreibung, wie etwa Plätzchengrundteig in Wikibooks, stellen sicher, dass Web aktiviert ist, und hinterlassen im Eingabefeld darunter die entsprechende Adresse, in unserem Fall http://de.wikibooks.org/wiki/Kochbuch/_Pl%C3%A4tzchengrundteig. Per Attach kleben Sie diese schließlich an die Notiz.

Wenden Sie sich jetzt noch einmal der mittleren Spalte des Hauptfensters zu: In der Gliederung ganz oben erscheint jetzt in der Spalte Annotations der Anfang des Rezepts. Direkt darunter finden Sie die Mindmap, die Mindraider nach jeder Änderung automatisch aktualisiert (Abbildung 4).

Abbildung 4: Um die Übersicht zu wahren, zeigt Mindraider in dieser Mindmap-Ansicht immer nur die nächsten zwei Beziehungen an. Wenn Sie mehr möchten, ziehen Sie den Regler Look Ahead nach rechts.

Die Outline Rezeptsammlung bildet zunächst den Mittelpunkt, um den sich alle Notizen scharen. Die aktuell ausgewählte erscheint türkis hervorgehoben. Ein Mausklick auf ein Element wählt es aus und holt es gleichzeitig in den Mittelpunkt. Wie auf Google Maps schieben Sie bei Bedarf den dargestellten Ausschnitt der Grafik mit der Maus. Erscheint Ihnen bei vielen Notizen die Mindmap zu unübersichtlich, dann passen Sie die Ansicht mit den Reglern am unteren Rand an.

Beziehungen

Das Grundrezept braucht natürlich nicht das einzige Rezept zu bleiben. Um eine weitere Notiz zu erstellen, markieren Sie in der Gliederung am oberen Rand die Rezeptsammlung. Nun klicken Sie auf das grüne Plus-Symbol direkt darüber (links oberhalb der Spalte Title) und geben einen Namen ein – im Beispiel etwa Orangenplätzchen. Passende Tags wären Gebäck, Backen, Orange. Die übrigen Einstellungen sind dieselben wie beim Grundrezept.

Wenn Sie jetzt die Notiz per Create anlegen, erscheint sie in der Gliederung gleichberechtigt neben den bestehenden Einträgen. Bei den Orangenplätzchen handelt es sich aber um eine Variante des normalen Teigs, denn Sie fügen lediglich Orangensaft hinzu. Es wäre also sinnvoll, dieses Rezept dem des Grundrezepts unterzuordnen. Markieren Sie dazu den Eintrag in der Gliederung (Abbildung 5) und klicken anschließend in der Symbolleiste direkt über der Gliederung auf den Pfeil nach rechts.

Abbildung 5: Ein neu angelegter Eintrag in einer Sammlung steht gleichberechtigt auf der obersten Ebene.

Mindraider ordnet jetzt das Rezept für die Orangenplätzchen dem Grundrezept unter. Dies spiegelt auch die Mindmap wieder (Abbildung 6). In der Gliederung klappen Sie die Hierarchie über die kleinen Plus- und Minus-Symbole ein und aus. Haben Sie sich dabei verklickt, schieben Sie die Notiz über die anderen Pfeilsymbole an die gewünschte Stelle. Der Pfeil nach links rückt beispielsweise die ausgewählte Notiz wieder eine Ebene nach außen.

Abbildung 6: Über die Schaltfläche oberhalb der Gliederung strukturieren Sie die Einträge.

Unterhalb der Mindmap versteckt sich noch ein zweites Register namens Tag Cloud. Wie der Name schon andeutet, beherbergt es eine Schlagwortwolke (Abbildung 7). Je häufiger ein Stichwort in den Notizen vorkommt, desto größer erscheint es hier. Im Fall der Rezepte hilft diese Ansicht besonders dann weiter, wenn Sie noch nicht wissen, was Sie kochen möchten. Es genügt dann, ein Stichwort in der Wolke anzuklicken – schon präsentiert Mindraider alle passenden Notizen.

Abbildung 7: Ergänzend zum großen Suchfeld am oberen Rand existiert eine Tag-Wolke. Wählen Sie einen Begriff an, wie im Beispiel backen, zeigt die Applikation die passenden Notizen an.

Um eine Notiz zu löschen, wählen Sie diese aus und klicken dann oberhalb der Gliederung auf das Symbol mit dem roten X. Damit wandert die Notiz zunächst in ein Archiv. Um es zu betreten, wechseln Sie auf das Register Archive. Die entsprechende Lasche wartet direkt unterhalb der Gliederung.

Archivierte Notizen werfen Sie endgültig über Bord, indem Sie auf das kleine blaue Mülltonnen-Symbol klicken. Für Outlines führt Mindraider ein eigenes Archiv. Um die komplette Rezeptsammlung dorthin zu verschieben, markieren Sie sie links oben im Register Explorer und klicken dann auf das rote X. Damit wandern die Rezepte ins Archiv, das Sie auf dem gleichnamigen Karteireiter finden.

Fazit

Bevor Sie mit Mindraider Gedanken ordnen, gilt es die überfrachtete und unübersichtliche Benutzeroberfläche zu meistern. Unverständlich bleibt, warum der Entwickler Martin Dvorak fast gänzlich auf eine Anleitung verzichtet. Etwas Freude am Experimentieren vorausgesetzt, verwalten Sie Ideen und Informationshäppchen jedoch recht effektiv. Um allerdings die Ergebnisse von Brainstorming-Sitzungen festzuhalten, eignen sich darauf spezialisierte Mindmapping-Programme besser – insbesondere, wenn sie mehr Farbe in die Diagramme bringen.

Wenn Sie in den Menüs von Mindraider stöbern, finden Sie noch ein paar weitere interessante Funktionen. Hinter Online Edition befindet sich etwa eine Anbindung an den Dienst Mindforger [2]. Dieser bietet die Möglichkeit, mehrere Mindraider-Installationen zu synchronisieren und Notizen mit anderen Benutzern auszutauschen. Eine Anleitung dafür gibt es ausnahmsweise auf der Mindraider-Homepage [3]. Dort finden Sie übrigens auch ein Einführungsvideo [4] zu Mindraider, allerdings nur in sehr schlechter Qualität.

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