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© Chirnoaga, sxc.hu

Tiefenwirkung

3D-Kino am Heim-PC mit Bino und dem LG D2342P

23.04.2012
Der Mediaplayer Bino versteht sich auf zahlreiche 3D-Formate und Techniken. Im Duett mit dem D2342P von LG verwandeln Sie den Heim-PC preisgünstig in ein 3D-Kino.

Spätestens mit dem Blockbuster Avatar hat der 3D-Hype die Wohnzimmer erobert. Zu Hause 3D-Filme anzusehen oder Games in echtem 3D zu spielen gehört zum guten Ton. Höchste Zeit, sich eine 3D-Lösung unter Linux anzuschauen: Den Monitor D2342P von LG in Kombination mit dem Open-Source-Videoplayer Bino, den Sie kinderleicht in Ihr System integrieren (siehe Kasten "Installation").

Installation

Das für Linux, Mac OS X und Windows verfügbare Programm Bino ist schnell installiert. Unter Ubuntu binden Sie das auf der Homepage [1] angegebene Repository ein. Das Kommando sudo apt-get install bino befördert dann die aktuelle Stable-Version 1.2.1 auf den Rechner. Sie benötigen für Bino eine Grafikkarte, die mindestens OpenGL 2.1 unterstützt, da das Programm dies für das Compositing der Augenansichten nutzt.

Dies setzt übrigens keineswegs die proprietären Treiber von Nvidia und ATI voraus – die Macher betonen explizit, dass die Software mit den freien Treibern bestens funktioniert. Bino unterstützt via Equalizer den Output auf beliebige Monitor-Layouts und erlaubt das Fernsteuern mit einer Infrarot-Fernbedienung via Lirc.

Das Benutzer-Interface (Abbildung 1) fällt recht übersichtlich aus: Oben zeigt ein Fenster eine Vorschau auf den Film. Darunter finden sich Pulldown-Menüs, um Video, Audio und passende Untertitel einzustellen. In der nächsten Zeile wählen Sie in einem weiteren Pulldown-Menü das Format des 3D-Videos aus, direkt darunter die bevorzugte und vom Gerät abhängige Methode für die Ausgabe.

Abbildung 1: Das Hauptfenster des 3D-Mediaplayers Bino entspricht im wesentlichen dem gängiger Videoplayer, mit Ausnahme der Auswahlmenüs für das Eingabeformat und die Ausgabemethode.

In Sachen 3D gilt es, verschiedene Aspekte voneinander zu trennen, wie Video-Formate, Übertragungs- und Darstellungstechniken. Alle drei dürfen Sie mehr oder weniger beliebig miteinander kombinieren, und um das Verwirrspiel komplett zu machen, überschneidensich die drei stellenweise: So besteht die Möglichkeit, einen Video-Stream in einem Format zu kodieren, das eigentlich nur zum Übertragen gedacht ist.

Außerdem gilt es zu beachten, dass ein 3D-Videoplayer wie Bino dem Ausgabegerät bei Bedarf das Darstellen im richtigen Format abnimmt. Das erweist sich insbesondere dann als hilfreich, wenn das Ausgabegerät kein manuelles Umschalten in den 3D-Modus bietet, wie viele 3D-Monitore.

Formate

Bino unterstützt eine Vielzahl von Formaten für die Ein- und Ausgabe. Darunter finden sich nicht nur "Over/Under" und "Side-by-Side" (siehe Kasten "3D-Videoformate") in voller und halber Auflösung, sondern auch zeilen- und spaltenweise verschränkte Ansichten und Schachbrettmuster.

Bei den Output-Formaten unterstützt Bino sämtliche Anaglyphen-Varianten für alle, die noch keinen 3D-Monitor haben: Grün-Magenta, Blau-Cyan und Orange-Blau, in jeweils vier Varianten: Monochrom, Halbfarbe, Vollfarbe und die Dubois-Methode [2], die als die beste Anaglyphen-Variante gilt.

Die alten Rot-Grün- und Rot-Blau-Modi sind ebenfalls mit von der Partie, sie erlauben jedoch nur eine monochrome Darstellung. Ebenfalls vertreten: HDMI-1.4-Framepacking und Quad-buffered OpenGL Stereo, was allerdings kompatible Hardware voraussetzt, wie etwa Nvidias Quadro-Karten (siehe Kasten "3D-Übertragung").

Nvidias Vision 3D für Consumer-Karten nutzt zwar technisch genauso 120 Hz wie Quad-buffered OpenGL, funktioniert aber derzeit noch nicht mit Bino. Laut Entwickler Martin Lambers sucht das Projekt noch nach Mitstreitern mit Vision-3D-Hardware.

Beim Input-Format (Abbildung 2) gibt es zusätzlich die Option für mehrere Video-Streams in einem Container, wie es beispielsweise MKV ermöglicht. Beim Output unterstützt Bino ebenfalls mehrere Ausgabegeräte: So lassen sich selbst 3D-Heimkinos mit zwei Projektoren mit dem Programm nutzen. Bino liest das 3D-Tag des MKV- und WebM-Formats aus und stellt automatisch das Passende ein.

Abbildung 2: Bino beeindruckt mit einer langen Liste von unterstützten Eingabeformaten.

Fehlt das Tag, sucht Bino nach speziellen Bestandteilen im Dateinamen, wie etwa -lr für "Left/Right". Bino merkt sich nicht nur die eingestellte Ausgabevariante, sondern zusätzlich das Eingabeformat aller abgespielten Dateien, sodass Sie dies immer nur einmal einzustellen brauchen.

3D-Videoformate

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Bilder für das linke und rechte Auge in einer Videodatei abzuspeichern, die über das klassische Anaglyphen-3D mit den farbigen Pappbrillen hinausgehen. Einige eignen sich für ganz normale 2D-fähige Mediaplayer, andere setzen einen PC oder speziellen Hardware-Player voraus, zum Beispiel einen 3D-fähigen Blu-ray-Player.

Side-by-Side: Das wohl populärste 3D-Format, in dem beide Ansichten nebeneinander in einem Bild stecken. Zumeist sind die Ansichten um die Hälfte gestaucht (Half-Side-by-Side), da Videos in doppelter Auflösung in Bezug auf die Kompatibilität oft Probleme bereiten. Half-Side-by-Side entstand primär für bestehende HD-Video-Übertragung und entsprechende Endgeräte. Deshalb ist es zusammen mit "Over/Under" das wohl populärste 3D-Format für Digital-TV und Internet-Streaming. Auch die Xbox 360 nutzt es für ihre 3D-fähigen Spiele.

Over/Under (Top/Bottom): Im Prinzip dasselbe wie Side-by-Side, nur vertikal übereinander, ebenfalls in voller oder gestauchter Ansicht. Dieses Format ist für 3D-fähige Monitore und TVs mit Polfilter die bessere Wahl, da diese ohnehin die vertikale Auflösung in 3D halbieren: Auf diesen Bildschirmen geht also weniger Information verloren als bei Side-by-Side.

Dual Video: Einige Container-Formate wie WMV oder MKV bieten die Möglichkeit, mehrere Video-Streams zu kombinieren. Das Abspielen setzt jedoch einen PC mit passendem Videoplayer voraus. Waschechte Hardware-Player, die dieses Verfahren unterstützen, gibt es so gut wie nicht.

Anaglyphen: Die klassische Methode, bei der Sie außer einer Pappbrille mit farbigen Gläsern oder Folien nichts weiter benötigen. Da die alte Rot-Grün-Brille aus den 1950ern lediglich monochrome Wiedergabe ermöglichte, begann die Suche nach neuen Kombinationen, die zumindest ein begrenztes Darstellen von Farben (auf einem oder beiden Augen) ermöglichen, beispielsweise Grün/Magenta, Rot/Cyan oder Blau/Orange (patentiert unter dem Namen "Colorcode 3D").

Vorsicht: Video-Codecs eignen sich nur schlecht für Anaglyphen-Video, da sie eigentlich nicht dafür konzipiert sind. Ein in Vollfarben vorliegender Film, den ein Computer mit Bino auf Anaglyphen umrechnet, weist deshalb immer deutlich weniger Crosstalk auf als ein ursprünglich in Anaglyphen kodierter Film.

3D-Übertragung

Bei den verschiedenen Techniken zum Übertragen kommt es für korrekte Wiedergabe einerseits darauf an, was das abzuspielende Videoformat enthält, und andererseits, was das Endgerät erwartet.

Standard Video (DVI/VGA/HDMI**1.3): 3D-Videos im Half-Side-by-Side- und Half-Over-Under-Format laufen ganz normal über eine HDMI-1.3-Verbindung zum Endgerät. Das funktioniert auch ohne speziellen Player. Die einzige Voraussetzung: Das Endgerät oder der Software-Player muss das manuelle Umstellen auf Half-Side-by-Side oder Over-Under erlauben, wie ein 3D-Fernseher, der für diesen Artikel verwendete Monitor LG D2342P oder Bino. Onscreen-Menüs und Untertitel lassen sich bei der Ausgabe über ein Endgerät mit manuell einstellbarem 3D-Modus allerdings kaum entziffern. Hier hilft ein Hardware-Player, der dies explizit unterstützt, wie etwa die Boxee Box von D-Link. Anaglyphen-3D funktioniert bei Standard-Video ebenfalls, Sie benötigen dazu nur eine passende Brille.

Nvidia Vision 3D (120**Hz): Bei Vision 3D liefert die Grafikkarte 120 Bilder pro Sekunde, 60 fürs linke und 60 fürs rechte Auge alternierend. Diese Technik findet sich ausschließlich in PCs; es gibt keine Hardware-Player, die im 120-Hz-Verfahren übertragen. Nvidia unterstützt die proprietäre Technik offiziell nur unter Windows. Mac- und Linux-Nutzer dagegen gucken in die Röhre, obwohl sich einige schon daran machen, Vision 3D zu auf eigene Faust zu implementieren [6].

Blu-ray 3D Framepacking (HDMI**1.4a): Um die maximale Auflösung zu nutzen, setzt Blu-ray 3D auf das in HDMI 1.4a eingeführte Framepacking. Bei diesem Verfahren stehen die Frames für das linke und das rechte Auge in 1920x2205 Pixeln großen "Mega-Frames" übereinander. Dazwischen befinden sich 45 Zeilen Leerraum. Für die Wiedergabe benötigen Sie ein passendes Ausgabe- und Abspielgerät. Da es unter Linux noch nicht einmal einen Blu-ray-fähigen Software-Player gibt, geschweige denn einen 3D-fähigen, fällt dieses Verfahren hier weitgehend durchs Raster, obwohl einige Bino-Anwender die X.org-Konfiguration dahingehend präparieren, dass das Ausgabegerät in den entsprechenden Modus umschaltet. Daher gibt es diese Ausgabe-Option auch in Bino.

Grundfunktionen

Neben dem Pulldown-Menü für die Ausgabe (Abbildung 3) finden Sie eine Checkbox, über die Sie die Bilder für das linke und rechte Auge vertauschen. Ganz unten am Fenster zeigt eine Leiste die derzeitige Position im Film an. Über die Schaltflächen darunter steuern Sie die Wiedergabe des Films.

Abbildung 3: Im Output-Menü legen Sie fest, wie die Software das Bild ans Ausgabegerät liefert.

Da Bino auf Ffmpeg basiert, spielt es nahezu sämtliche Dateiformate ab. Auch als Bildbetrachter für 3D-Bilder eignet sich das Programm, obwohl hier einige nützliche Features fehlen, wie etwa das manuelle Anpassen des Seitenverhältnisses. Passen die 3D-Bilder also nicht exakt ins 16:9-Format, zeigt das Programm sie gequetscht oder gestaucht an.

Über weitere Menüpunkte passen Sie Helligkeit, Kontrast, Farbton und Sättigung an. Die letzten beiden spielen im Anaglyphen-Modus keine Rolle. Checkboxen erlauben es, die einzelnen Ansichten vertikal und horizontal zu spiegeln (beispielsweise für Projektoren).

Optionen zu Crosstalk wirken dem "Übersprechen" zwischen linkem und rechtem Auge entgegen. Bei Bedarf ermitteln Sie mittels eines speziellen Test-Patterns den Crosstalk-Level des Monitors und regulieren dann über Bino das Übersprechen nach Möglichkeit herunter.

Schließlich findet sich noch ein Menü, um das Aussehen der Untertitel einzustellen. Über das Menü Stereoskopische Videos regeln sie letztendlich die Parallaxe für Video und Untertitel, also die Verschiebung zwischen linker und rechter Ansicht, und stellen den Crosstalk-Ghostbuster-Level ein.

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