Eine für alle?
VirtualBox 4.1.8 und VMware Workstation 8.0 im Vergleich
Nicht zuletzt dank immer leistungsfähigerer Rechner steigt das Interesse an Virtualisierung in den letzten Jahren kontinuierlich an – nicht ohne Grund, denn diese Technik bietet nicht nur im Server-Management erhebliche Vorteile, sondern auch Privatanwender profitieren davon. Auch Linux-Nutzer nutzen diese Technik gern, um neue Distributionen anzutesten oder Windows-Programme zu betreiben, für die es in der Linux-Welt keine passable Entsprechung gibt.
Zwei Produkte teilen seit einiger Zeit den Markt mehr oder weniger unter sich auf: Das für Privatanwender kostenfreie VirtualBox [1] von Oracle sowie VMware Workstation [2], das mit 178 Euro zu Buche schlägt. Beide legten in den letzten zwei Jahren eine rasante Entwicklung hin. Während VMware bei Version 8 seiner Workstation angekommen ist, trägt VirtualBox derzeit die Versionsnummer 4.1.8. Ob die technischen Unterschiede der zwei Kontrahenten tatsächlich so groß ausfallen, dass sich die Ausgabe von knapp 180 Euro für die VMware lohnt, soll unser Test beleuchten.
Installation
Da in den Repositories der Distributionen in der Regel lediglich ältere Versionen von VirtualBox zur Installation bereit stehen, empfiehlt es sich, die neueste Variante von der Webseite des Herstellers herunterzuladen. Meist genügt es, auf das jeweilige Archiv doppelzuklicken, damit der Installer der Distribution die Software einrichtet und dabei auch gleich die erforderlichen Abhängigkeiten aufzulöst. Nach erfolgreicher Installation starten Sie die Software beispielsweise in Ubuntus Gnome-Menü via Systemwerkzeuge | Oracle Virtualbox. Damit die Software Zugriff auf das USB-Subsystem erhält, müssen Sie den Nutzern, in deren Rechtekontext die Software laufen soll, der Gruppe vboxusers hinzufügen.
Sollte das System, etwa durch ein Update, einen anderen oder aktuelleren als den Original-Kernel verwenden, wird die Sache etwas komplizierter. In diesem Fall – und auch bei jedem zukünftigen Kernel-Update – kompiliert VirtualBox die notwendigen Kernel-Module nämlich über den Aufruf /etc/init.d/vboxdrv setup selbst. Das System benötigt dafür neben den zum Kernel passenden Header-Dateien die Entwicklertools Make und GCC.
Inzwischen unterscheidet VirtualBox nicht mehr zwischen freien und unfreien Versionen, weswegen es auch die OSE-Variante ("Open Source Edition") nicht mehr gibt. Wer die Software allerdings mit vollem Funktionsumfang, also auch USB-2.0-Unterstützung, nutzen möchte, muss diese in Form eines (unfreien) Zusatzpaketes nachträglich installieren. Dieses stellt Oracle kostenfrei zum Download bereit.
Nach dem Herunterladen öffnen Sie im Hauptfenster von VirtualBox Datei | Globale Einstellungen.... Im Konfigurationsdialog wechseln Sie in den Reiter Zusatzpakete und klicken auf das kleine Quadrat rechts neben der noch leeren Liste. Daraufhin öffnet sich ein Dateibrowser, mit dessen Hilfe Sie zum heruntergeladenen Erweiterungspack navigieren und es anklicken. Nach dem Bestätigen der nachfolgende Abfrage stehen die Zusatzfunktionen in den virtuellen Maschinen zum Einsatz bereit.
VMware stellt zu Testzwecken eine auf 30 Tage Laufzeit beschränkte Version von VMware Workstation gegen Registrierung zur Verfügung. Den benötigten Lizenzschlüssel finden Sie auf der Download-Seite. Bei Gefallen können Sie später einen zeitlich unbeschränkten Schlüssel erwerben und die Software ohne zusätzliche Installation freischalten. Anders als VirtualBox steht die Software lediglich in einer generischen Form zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein etwa 320 MByte großes Shell-Skript, das die darin eingebetteten Binärdateien nach dem Aufruf mit
$ sudo bash Vmware-Workstation-Full-8.0.2-591240.i386.bundle
entpackt und die Installationsroutine startet. Nach dem Abnicken der obligatorischen EULA beschränkt sich das Setup auf wenige Abfragen, etwa nach automatischen Updates.
Software-Setup
Die gastunabhängigen Einstellungen erreichen Sie in der VirtualBox unter Datei | Globale Einstellungen.... Unter anderem legen Sie hier den "Host-Key" fest, also die Taste, mit der Sie die Maus und das Keyboard aus dem Gastfenster lösen. Daneben stellen Sie unter Proxy ein, ob die virtuellen Maschinen beim Kontakt ins Netz einen Mittelsmann verwenden sollen. Der Abschnitt Netzwerk erlaubt, zusätzliche virtuelle Netzwerkschnittstellen einzurichten, die dann den virtuellen Maschinen zur Verfügung stehen.
Zum Verwalten der Datenträger bringt VirtualBox eine eigene Konfigurationsoberfläche mit (Abbildung 1), die Sie via Datei | Manager für virtuelle Medien... erreichen. Sie unterscheidet in Reitern Festplatten, CD/DVD-Abbilder und Diskettenabbilder. Hier registrierte Medien stellt die Software per Knopfdruck in der Massenspeicher-Verwaltung zum Einhängen bereit.
VMwares grundlegende Einstellungen erreichen Sie unter Edit | Preferences. Die Software bietet hier ungleich mehr Optionen als VirtualBox. So legen Sie beispielsweise unter Priority fest, in welcher Rangfolge die virtuellen Maschinen in welchem Modus von der CPU bedient werden. Unter Memory stellen Sie ein, wie viel Hauptspeicher des Wirt Sie allen gestarteten VMs maximal fest zusichern.
Zur Einstellung des Netzwerkstacks bringt VMware den Menüpunkt Edit | Virtual Network Editor mit (Abbildung 2). Hier richten Sie bis zu zehn virtuelle Netzwerkkarten ein und weisen jeder davon einen bestimmten Modus zu. So verhält sich eine Karte des Typs Bridged dem System gegenüber wie eine reale NIC, als Typ NAT weist Sie dem Gast auf Anforderung eine IP-Adresse zu, lässt sich aber nicht mehr ohne weiteres von Außen erreichen. Als Host only kommuniziert das Netzwerk-Device ausschließlich mit dem Wirtssystem.



