Anwender, die schnell und einfach Dateien mit anderen teilen wollen, greifen statt zur klassischen E-Mail immer öfter auf Dienste in der Cloud zurück, gerade bei größeren Datenmengen. Doch nicht immer sollen die Inhalte aus der Obhut des lokalen Netzes entweichen. Mit Droopy installieren Sie ohne großen Aufwand einen kleinen Webserver auf dem heimischen PC, der einen einfachen Up- und Download von Dateien ermöglicht.

Kurz und knapp

Das Testsystem für diesen Artikel lief mit Ubuntu 11.10. Droopy steht zwar nicht als fertiges Paket bereit, Sie laden das Python-Skript aber einfach von der Homepage des Autors [1] oder direkt aus dem Git-Repository [2] herunter. Anschließend vergeben Sie mittels chmod ug+x droopy die passenden Rechte. Weiterhin benötigen Sie noch ein Verzeichnis für die Dateien, die Sie verteilen möchten. Im Test erledigte dies der Befehl mkdir ~/droopystore.

Eine grafische Oberfläche existiert nicht, Sie starten und konfigurieren das Programm direkt auf der Kommandozeile. Dazu öffnen Sie ein Terminal und starten Droopy mittels ./droopy --help, um sich die Hilfeseite anzusehen (Abbildung 1). Eine Übersicht der Optionen finden Sie auch in der Tabelle "Droopy-Parameter". Beim Aufruf sollten Sie unbedingt das Zielverzeichnis angeben, alle anderen Parameter sind hingegen optional.

Abbildung 1: Droopy listet seine Optionen fein säuberlich in der Hilfe auf.

Droopy-Parameter

Parameter Beschreibung
--help zeigt die Hilfeseite an
--directory legt das Verzeichnis für den Up- und Download fest
--message setzt eine Willkommensnachricht
--picture blendet ein Bild unterhalb der Nachricht ein
--dl erlaubt zusätzlich das Herunterladen vorhandener Dateien
--save-config speichert die Konfiguration in ~/.droopy
--delete-config löscht die Konfiguration

Los geht's!

Das Beispiel in Listing 1 verdeutlicht die Funktionsweise des Tools. Mit den Kommandos weisen Sie Droopy an, Dateien im Verzeichnis droopystore unterhalb des Home-Verzeichnisses zu speichern sowie eine Nachricht samt Ubuntu-Logo anzuzeigen.

Listing 1

$ ./droopy --directory ~/droopystore/ --message "Hier könnt ihr eure Fotos vom Wochenende hochladen" --picture /usr/share/gnome-control-center/ui/UbuntuLogo.png

Sie testen die Konfiguration per Browser über die Adresse http://localhost:8000 – möchten Sie einen anderen Port verwenden, gelingt dies nur über einen Eingriff in den Quelltext. Erfreulicherweise überschreibt die Software beim Upload Dateien mit gleichem Namen nicht etwa, sondern versioniert sie stattdessen durch Vergabe eines Namenssuffixes mit Bindestrich und fortlaufender Nummer. Im Terminal erhalten Sie zudem stets einen Überblick über die aktuellen Zugriffe (Abbildung 2).

Abbildung 2: Alles gut im Blick – das Log gibt detailliert Auskunft.

Um Besuchern nicht nur den Upload von Dateien, sondern auch den Zugriff auf bereits hochgeladene Dokumente zu ermöglichen, fügen Sie dem Programmaufruf einfach den Parameter --dl an (Abbildung 3). Mit dem zusätzlichen Parameter --save-config speichern Sie die vorgenannten Einstellungen bei Bedarf ab, so dass Droopy beim Aufruf ohne Parameter darauf zurückgreift (Listing 2)

Listing 2

$ ./droopy --directory ~/droopystore/ --message "Fotos vom Wochenende hoch- und runterladen" --picture /usr/share/gnome-control-center/ui/UbuntuLogo.png --dl --save-config
Abbildung 3: Droopy unterstützt auch den Download von Dateien.

Die richtige Verbindung

Funktioniert alles wie gewünscht, geben Sie Droopy anschließend für Dritte frei. Dazu benötigen Sie neben einer öffentlichen IP-Adresse (die Sie beispielsweise via http://www.wieistmeineip.de abfragen) auch eine entsprechende konfigurierte Firewall sowie eine so genannte Port-Weiterleitung auf dem Router. Eine lokal installierte Ubuntu-Firewall öffnen Sie beispielsweise mittels ufw allow 8000/tcp. Alle weiteren Informationen hält das Handbuch des Routers bereit. Allerdings gibt es beim Einsatz im Internet einiges zu bedenken (siehe Kasten "Sicherheit")

Sicherheit

Droopy hat einen großen Haken: Es bringt keinerlei Funktionen zum Authentifizieren oder Verschlüsseln mit, weswegen es sich für den Betrieb im öffentlichen Internet im Grunde genommen schlicht nicht eignet. Jeder, der die Adresse Ihres PCs kennt, vermag beliebig Dateien hoch- und herunterzuladen und kann den Dienst dadurch missbrauchen. Sie sollten die Software daher auf keinen Fall unbeobachtet betreiben – das Potential zum Missbrauch ist sehr hoch.

Fazit

Droopy ist sehr einfach gehalten, erfüllt jedoch seinen Zweck. Ganz ohne komplexen Webserver richten Sie im Handumdrehen eine einfache Dateiablage ein, die in jedem beliebigen Browser funktioniert. Allerdings fehlen entsprechende Sicherheitsfunktionen für den öffentlichen Betrieb. So bleibt der Einsatz in der Regel auf das Intranet oder eine kurzzeitige Freigabe beschränkt. 

Infos

[1] Droopy: http://stackp.online.fr/?p=28

[2] Gitorious-Repository: http://gitorious.org/droopy

Der Autor

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist Chairman of the Board der Document Foundation. Zuvor war er fast sieben Jahre im Projekt OpenOffice.org aktiv. Seine Schwerpunkte liegen darüber hinaus in der Konzeption von Unternehmens- und Schulnetzwerken samt Softwareverteilungslösungen auf Basis freier Software. Zudem schreibt er regelmäßig für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen.

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