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Schlanke Datenbanken Kexi und Glom im Vergleich

Halb-Fliegengewichte

Große Datenbanksysteme erschlagen häufig mit mehr Funktionen, als man im Alltag tatsächlich benötigt. Die schlanken Datenbanken Kexi und Glom bringen einen begrenzten, aber sinnvollen Funktionsumfang mit.

Anwendern stehen die Funktionen einer ausgewachsenen relationalen Datenbank meist nicht direkt zur Verfügung, da das Administrieren in der Regel Root-Rechte voraussetzt. Wer aber dennoch mehr als eine einfache Tabelle benötigt, der findet mit Glom [1] und Kexi [2] zwei Programme, die das Aufsetzen einer Datenbank und Erstellen von Abfragen und Berichten erlauben.

Beide Applikationen ähneln sich sehr stark in Bezug auf das Einsatzgebiet. Sie übernehmen Vorarbeiten und erzeugen Datenbankschemata sowie Auswahlmasken. Das Ziel beider Programme besteht darin, auch Anwendern ohne Datenbank-Kenntnisse mit wenig Aufwand erste Ergebnisse zu ermöglichen.

Kexi kommt aus dem Dunstkreis von Calligra, der Office-Suite des KDE-Projektes, Glom stammt aus dem Gnome-Umfeld. Beide Programme zählen längst nicht mehr zu den Unbekannten und gelten als recht stabil. Kexi steht zum Beispiel direkt als Paket in den Repositories von Debian, Ubuntu, Red Hat/Fedora und Mandriva/Mageia bereit. Glom gibt es bislang über die Webseite des Projektes als Download für Ubuntu, Fedora und Mandriva. Beide Programme richten Sie problemlos über den jeweiligen Paketmanager ein.

Ähnliche freie Projekte sind OpenOffice/LibreOffice Base [3],[4], H2 [5] und DBDesigner 4 [6]. Im kommerziellen Umfeld stehen unter anderem Microsoft Access, Filemaker (Pro) für Mac OS X beziehungsweise iPad [7] und Oracle Forms [8] mit Glom und Kexi im Wettbewerb.

Anbindung

Kexi bietet eine Anbindung an die Datenbanken MySQL, PostgreSQL und SQLite. In der Standardinstallation speichert es die Daten in einer SQLite-Datenbank und legt diese als Datei im Home-Verzeichnis des Benutzers ab. Damit kann nur dieser selbst auf die Datenbank zugreifen.

Glom hingegen lagert die Daten in einer PostgreSQL-Datenbank, die es entweder im Home-Verzeichnis des Benutzers abspeichert oder zentral auf dem System bereit stellt. Dabei nutzt das Programm lediglich eine Untermenge der PostgreSQL-Funktionen und kann daher nur die Tabellen verändern, die es selbst angelegt hat. Verwenden mehrere Benutzer Glom, kommen sie in Bezug auf die genutzte PostgreSQL-Datenbank also nicht miteinander in Konflikt.

Kexi

Kexi orientiert sich optisch an den anderen Calligra-Anwendungen und startet zunächst einen Assistenten (Abbildung 1). In diesem Dialogfenster wählen Sie über die Karteireiter aus, ob Sie ein neues Projekt anlegen möchten oder ein bereits existierendes fortsetzen möchten.

Abbildung 1: Beim Start von Kexi hilft ein Assistent beim Anlegen einer neuen Datenbank oder bearbeiten eines gespeicherten Projekts.

Bei einem Neustart stehen ein leeres Dokument, der Bezug von Daten über eine Vorlage und der Import der Daten aus einer bestehender Datenbank zur Auswahl. Für das Bearbeiten bestehender Projekte beziehen Sie die Projektdaten entweder von einem Datenbankserver (MySQL, PostgreSQL, xBase) oder aus einer lokalen Datei. Abbildung 2 zeigt die Auswahl mit den von Kexi in lokalen Dateien unterstützten DB-Formaten.

Abbildung 2: Kexi unterstützt eine Reihe von Datenbankformaten in lokalen Dateien.

Danach öffnet sich ein Fenster mit einer dreigeteilten Ansicht. Oben befindet sich die Menü- und Navigationsleiste. Hier öffnen und schließen Sie Projekte, erstellen Datenbankschemata in Form von Tabellen und SQL-Abfragen, gestalten Dialogfenster und Reports und im- und exportieren Daten sowie Datenbankinhalte.

Der Projektnavigator auf der linken Seite zeigt in einer Baumstruktur eine Übersicht aller Tabellen, SQL-Abfragen, Dialoge, Berichte (Reports) und Skripts aus diesem Projekt. Der zentrale Bereich in der Mitte des Fensters beinhaltet die Details zu der jeweils ausgewählten Tabelle, SQL-Abfrage oder Dialogbox. Das exakte Aussehen dieses Teils der Oberfläche hängt von dem Objekt ab, das Sie gerade modifizieren.

Legen Sie die einzelnen Felder einer Tabelle fest (Karteireiter Design), so sehen Sie an dieser Stelle editierbare, in Zeilen angeordnete Eingabefelder. Zusätzlich erscheint auf der rechten Seite der Eigenschaften-Editor, über den Sie die einzelnen Felder noch genauer spezifizieren (Abbildung 3).

Abbildung 3: Für jedes Tabellenfeld bietet Kexi einen Dialog mit detaillierten Eigenschaften an.

Über den Karteireiter Data wechseln Sie in den Darstellungsmodus, um die Tabelle mit Daten zu füllen. Es erscheinen – entsprechend der Anzahl der Felder der Tabelle – editierbare Eingabefelder, die zeilenweise angeordnet sind (Abbildung 4).

Abbildung 4: Über ein Formular füllen Sie die ausgewählten Tabelle.

Beim Bearbeiten einer SQL-Abfrage (Karteireiter SQL) zeigt Kexi ein mehrzeiliges Eingabefeld. Schlüsselwörter hebt die Applikation hervor, sodass Sie auch bei komplexen Abfragen den Überblick behalten. Bei Bedarf prüfen Sie über die Schaltfläche Check Query, ob die Abfrage gültig ist. Falls ja, erscheint unter dem Eingabefeld ein Häkchen mit dem Hinweis The query is correct.

Um zu überprüfen, ob Sie die richtigen Tabellen verknüpft haben, schalten Sie über den Karteireiter Design in einen visuellen Modus um (Abbildung 5). Kexi erlaubt es, über den Karteireiter Data die SQL-Abfrage abzusetzen, und zeigt das Ergebnis an. Das entspricht der gewohnten Ausgabe eines Datenbankmonitors in etwas ansprechender Form.

Abbildung 5: Bei Bedarf über prüfen Sie mit einem Mausklick überprüfen Sie die Verknüpfung der Tabellen untereinander.

Der Funktionsumfang von Kexi umfasst das Erzeugen der Tabellen (Felder und Daten), das Erzeugen der (SQL-)Abfragen sowie das Auswerten der Ergebnisse, beispielsweise über erzeugte Eingabefelder oder einen Report. Unglücklicherweise haben die Entwickler die letzteren beiden kaum dokumentiert, und deren Einsatz und Integration sind nicht sofort verständlich.

Im Alltagsgebrauch traten weitere Effekte zutage, die es beim Betrieb von Kexi zu beachten gilt: Ändern Sie beispielsweise das Schema einer bestehenden Tabelle nachträglich, dann schreibt die Applikation einen Teil der SQLite-Datenbank komplett neu. Dabei gehen die Daten zur geänderten Tabelle allerdings verloren.

Textfelder definiert Kexi zunächst mit einer Länge von 200 Zeichen. Diese Größe verändern Sie nachträglich über den Eigenschaften-Dialog. Darüber hinaus speichert das Programm erst beim Schließen eines Projekts alle Inhalte (Tabellen, Daten, SQL-Abfragen). Es fehlt eine Schaltfläche, um die Daten auch zwischenzeitlich zu sichern.

Die lokalen Projektdaten speichert Kexi im Datenbankformat SQLite. Das eröffnet die Möglichkeit, mit dem Werkzeug SQLite3 die Kexi-Dateien über die Kommandozeile zu durchstöbern und gegebenenfalls zu korrigieren. Das hilft bei der Fehlersuche, zudem blicken Sie so bei Bedarf hinter die Kulissen der Datenbank.

Insgesamt hinterlässt Kexi einen eher durchwachsenen Eindruck. Produktiv eignet es sich für kleine Projekte und Datenmengen. In Teilen wirkt Kexi noch sehr instabil – das betrifft besonders die Versionen der Serie 1.0. Ab der Version 2.0 hat sich diesbezüglich viel Positives getan. Im Test kam die Version 2.3.3 unter Xubuntu 11.10 zum Einsatz.

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