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© Dejan Krsmanovic, 123rf.com

Wirts-Haus

Open-Source-Management für virtuelle Maschinen

12.03.2012
Die Libvirt und ihr grafisches Frontend Virt-Manager machen das Installieren und den Betrieb von Gästen unter KVM, Xen oder LXC zum Kinderspiel.

Dass Virtualisierung auch ohne proprietäre Software gelingt, zeigen Projekte wie Xen und KVM seit vielen Jahren. Vor allem bei der Kernel-based Virtual Machine engagierte sich Red Hat früh und brachte mit RHEV (Red Hat Enterprise Virtualization) ein Produkt auf den Markt, das Vmware das Fürchten lehren sollte. Am Rande dieser Entwicklung fiel so manches Tool ab, das auch Heimanwendern praktische Hilfestellungen beim Virtualisieren von Gästen auf dem Desktop leistet. Eines davon findet sich in jeder gängigen Linux-Distribution und hört auf den Namen Virt-Manager [1].

Damit Virt-Manager (Abbildung 1) auch auf Ihrem Rechner funktioniert, brauchen Sie nur eine CPU mit Hardware-Virtualisierung, eine passende Ausgabe der Libvirt-Bibliothek [2], die sich um alle Funktionen unter der Haube kümmert, und die passenden KVM-Treiber-Module. Aktuelle Distributionen wie Suse, Ubuntu, Mint und Red Hats Varianten bringen all das mit, und die in der Regel problemlose Installation des Pakets virt-manager zieht alle notwendigen Abhängigkeiten nach.

Abbildung 1: Während im Hintergrund Ubuntu 12.04 Alpha läuft, zeigt der Virt-Manager die CPU-Last auf Wirt und Gast an.

Die Virtualisierungsbibliothek Libvirt beherrscht zahlreiche Funktionen und kann sogar mit verschiedenen Technologien umgehen. Weil der Virt-Manager nichts anderes als ein Frontend für sie darstellt, kann sich der Anwender aussuchen, ob er als Virtualisierungstechnologie für die Gäste Xen [3], KVM [4] oder LXC [5] verwenden will. Nachdem Red Hat mehr oder weniger Pate für den Virt-Manager steht, verwundert es nicht, dass sich die besten Dokumentationen dafür auf den Webseiten von Fedora [6] und Red Hat [7] finden. Als Standard-Unterbau für den Virt-Manager gilt KVM.

Die Management-GUI lässt sich heute (beim Redaktionsschluss war Version 0.9.0 aktuell) auf den ersten Blick kaum noch von jener der Konkurrenten Vmware Player oder Virtualbox unterscheiden. Im Hauptfenster zeigt eine Liste die konfigurierten Gastsysteme und bietet einen schnellen Blick auf CPU-, Netzwerk- und Festplattenlast. Doch bereits der erste Eintrag in der Liste, Localhost, gibt einen Vorgeschmack auf tiefergehende Funktionen, die der Virt-Manager mitbringt: Die virtuellen Maschinen müssen nicht lokal laufen, mit der GUI steuern Sie auch bequem beliebig viele Server und verwalten die dort laufenden virtuellen Systeme.

Installation des ersten Gastes

Haben Sie gemäß der Voreinstellung den Localhost, also den lokalen Rechner, als zu steuernden Gastgeber im Virt-Manager ausgewählt, dann greifen Sie mit einem Rechtsklick auf dessen Kontextmenü zu und legen hier einfach über dem Eintrag Neu eine neue virtuelle Maschine an. Der Assistent aus Abbildung 2 begleitet Sie dabei in wenigen Schritten durch die Konfiguration. Die entsprechenden Daten landen in einem einfachen XML-File, das kundige Anwender auch per Hand editieren können. Diverse Kommandozeilentools (Kasten "CLI-Tools") der Libvirt greifen ebenfalls auf diese Datei zurück, etwa wenn es darum geht, virtuelle Maschinen zu klonen oder zu verschieben.

Abbildung 2: Ein Mausklick auf das Symbol Neue virtuelle Maschine erstellen in der Werkzeugleiste des Virt-Managers fördert diesen Dialog zutage.

CLI-Tools

Die Virtualisierungsbibliothek Libvirt bringt einige hilfreiche Kommandozeilen-Tools mit, die auf die gleichen Funktionen zurückgreifen wie der Virt-Manager. So erstellt virt-image einen virtuellen Gast aus einer XML-Beschreibung, virt-install installiert neue VMs, virt-convert wandelt diverse Virtualisierungsformate um, virt-clone kopiert virtuelle Maschinen und die virsh bietet eine interaktive Shell [9] zum Administrieren von Gästen. Das Projekt SVirt [10] kombiniert die Sicherheitsfunktionen von SE Linux mit KVM und will so eine Hochsicherheitswolke ermöglichen.

Im ersten Schritt wählen Sie einen Namen für den Gast (hier sind nur wenige Sonderzeichen erlaubt) und bestimmen, woher die virtuelle Maschine das Installationsmedium bekommt. In aller Regel wählen Sie dazu ein heruntergeladenes ISO-Image oder ein ins lokale optische Laufwerk eingelegte Medium aus. Die Entscheidung ISO oder CD/DVD müssen Sie im nächsten Dialogfenster noch etwas konkretisieren: Dabei geben Sie entweder das entsprechende optische Laufwerk beziehungsweise den genauen Pfad zur Datei an oder wählen diese aus einem Drop-Down-Menü oder mit Hilfe der Schaltfläche Durchsuchen (Abbildung 3). Im gleichen Dialog spezifizieren sie das geplante Betriebssystem und die entsprechende Version: Das macht es der Libvirt einfacher, passende Voreinstellungen für den zukünftigen Gast vorzunehmen, und Sie ersparen sich später lästige Probleme.

Abbildung 3: Installation von einem ISO-Image. Die hier ausgewählte Windows-7-Testversion gibt es für 30 Tage kostenlos zum Test.

Mehr Speicher

Im dritte Dialog des Assistenten weisen Sie dem Gast eine sinnvolle Menge an Arbeitsspeicher, eine Anzahl CPUs respektive Cores sowie genug Speicherplatz auf der Platte oder einem Netzwerklaufwerk zu. Während sich das verfügbare RAM und die CPUs meist direkt aus der Ausstattung des Wirts-PCs ergeben, ist die Frage nach dem Festplattenplatz etwas diffiziler. Wollen Sie Virt-Managers erst einmal testen oder betreiben nur wenige Gäste, können Sie in der Regel einfach die Voreinstellungen übernehmen, in dem sie den vierten Schritt des Wizards einfach mit Vor abnicken.

Für den dauerhaften Betrieb mit mehreren Gastsystemen empfiehlt sich dagegen ein wenig Vorarbeit. Die meisten Linux-Systeme verlangen heute über 4 GByte Plattenplatz, Windows braucht sogar noch etwas mehr. Lassen Sie die Gesamte Festplatte jetzt zuweisen, braucht Virt-Manager sofort den hier eingestellten Platz, anderenfalls wächst die virtuelle Platte nach und nach bis zu diesem Wert. Die Standardvorgabe lautet 8 GByte und die Images landen – etwas unglücklich – im Verzeichnis /var/lib/libvirt/images: Wer da nicht acht gibt, schreibt schnell die Systempartition voll und wundert sich dann, warum das Wirtssystem plötzlich zickt.

Darum leiten Sie vor dem Anlegen virtueller Festplatten besser das Verzeichnis /var/lib/libvirt/images über einen symbolischen Link in einen eigens dafür vorgesehenen Bereich um, idealerweise eine eigene Partition. Haben Sie diese beispielsweise als /mnt/Data/ eingebunden und dort ein Unterverzeichnis Images für die Abbilder angelegt, lautet die entsprechende Befehlssequenz:

# mkdir /mnt/Data/images
# cd /var/lib/libvirt
# rm -rf images
# ln -s /mnt/Data/images images

Nun steht reichlich Speicherplatz für die virtuellen Gäste zur Verfügung, der auch im schlimmsten Fall das System nicht ausbremst.

Im fünften und letzten Schritt (Abbildung 4) suchen sie noch aus, wie sich der neue Gast mit dem Netzwerk verbindet. In den meisten Fällen reicht es aus, die Standardeinstellungen unter Erweiterte Optionen zu bestätigen. Kniffliger wird es, wenn sie auch von außen auf das virtuelle System zugreifen wollen: Da ist dann Netzwerkkenntnis gefragt, die Dokumentationen von Fedora [6] und Red Hat [7] helfen beim Setup.

Abbildung 4: Ein virtuelles Netzwerk genügt für die meisten Einsatzzwecke.

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