Schlichte Eleganz

Mepis-Derivat AntiX für schlanke Systeme

12.03.2012
Schlanke Systeme bedeuten keineswegs einen Verzicht auf Komfort oder umfangreiche Auswahl an Software. Das beweist das Mepis-Derivat AntiX.

AntiX-Linux (http://antix.mepis.org) gehört zu den weniger bekannten Distributionen und bewegt sich konzeptionell weitgehend abseits ausgetretener Pfade: So basiert das Betriebssystem auf Mepis Linux sowie dem Testing-Zweig von Debian und nutzt als Fenstermanager Fluxbox und IceWM, die beide als Spezialisten für altersschwache Computersysteme gelten.

Auf den ersten Blick will dieses Team nicht recht zusammenpassen: Mepis ist eine wuchtige Distribution mit ressourcenhungrigen KDE SC als Desktop; Debian hingegen gilt als ausgezeichnetes Server-Betriebssystem, das jedoch wegen langer Release-Zyklen exotischere Hardware auf dem Arbeitsplatz-PC gelegentlich nicht unterstützt. AntiX spricht dagegen explizit den Endanwender mit älterer Hardware an und nennt als Minimalvoraussetzungen für den Betrieb auf einem PC einen Pentium-II-Prozessor mit 266 MHz Taktfrequenz und 64 MByte Arbeitsspeicher.

Live-Betrieb

Schon der erste Start im Live-Betrieb geht recht fix vonstatten. Im Grub-Menü finden Sie Einträge für Fluxbox und IceWM. So haben Sie die Möglichkeit, sich beide Oberflächen in Ruhe anzusehen, bevor Sie über eine dauerhafte Installation entscheiden. Das System startet sodann innerhalb kurzer Zeit, im Test zum Beispiel auf einer betagteren Pentium-III-Maschine.

Die Unterschiede zwischen den beiden Fenstermanagern stechen bereits nach kurzer Zeit ins Auge: Fluxbox wirkt auf den ersten Blick funktionell recht angestaubt und bringt einige beliebte Features nicht mit. Dagegen hat sich IceWM in den letzten Jahren zu einer leicht bedienbaren Oberfläche entwickelt. Das dürfte das wohl vor allem Asus zu verdanken sein, das IceWM 2007 als Standard-Oberfläche für die erste Generation seiner EeePCs auserkor und damit zu einer sprunghaft steigenden Verbreitung verhalf.

Unter AntiX kommt IceWM mit einem ergonomisch gestalteten hellen Hintergrund, dem obligatorischen Panel am unteren Bildschirmrand sowie einem guten halben Dutzend Icons für die wichtigsten Ordner und Programme auf der Arbeitsoberfläche. Wer bereits mit anderen Betriebssystemen gearbeitet hat, findet sich hier sofort zurecht.

Oben rechts im Arbeitsbereich tummelt sich – farblich passend – eine etwas verkleinerte Variante des Systemmonitors Conky, der die wichtigsten Betriebsparameter visualisiert. Elegante Schattierungen in den Menüs der Arbeitsoberfläche verleihen dem gesamten Desktop eine moderne Note.

Ein Blick in die einzelnen Menüs offenbart einen radikalen Schnitt bei der Auswahl der Programme: Von wuchtigen Suiten und Boliden wie LibreOffice, Gimp oder Firefox fehlt jede Spur – stattdessen tauchen die schlanken Alternativen Abiword und Gnumeric sowie als Firefox-Ersatz der Seamonkey-Clone Iceape auf.

Spuren

Bei den Konfigurationstools setzt AntiX ganz auf die Mepis-Basis und hat dessen Werkzeuge zu diesem Zweck teils nahezu komplett übernommen. Daher taucht in einigen der umfangreichen Hilfetexte das Mepis-Markenzeichen auf. Lediglich bei den Tools zum Installieren von Software setzt AntiX auf Synaptic, so dass sich bisherige Debian- und Ubuntu-Anwender hier sofort zurechtfinden.

Zu den angenehmen Nebeneffekten dieser Orientierung an Debian zählt der Zugang zu dessen Repositories, so dass über 35 000 Programmpakete zum Einrichten via Synaptic bereit stehen. Mit wenigen Mausklicks installieren Sie von dort auch leistungshungrige Programme wie LibreOffice problemlos nach, falls der Funktionsumfang von Abiword und Gnumeric einmal nicht ausreicht.

Dank des automatischen Auflösen von Abhängigkeiten in Synaptic nutzen Sie auch für die Desktop-Umgebungen Gnome und KDE entworfene Applikationen, da das System gegebenenfalls alle benötigen Bibliotheken ohne weiteres Zutun nachzieht.

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