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Alle Sieben

Klaus Knopper über sein neues Linux

12.03.2012
Zur CeBIT bringt Klaus Knopper, einer alten Tradition folgend, ein neues Release von Knoppix heraus. Hier erzählt er, welche Neuerungen die runde Nummer 7.0 rechtfertigen.

Die Idee hinter Knoppix [1] bleibt, den Rechner direkt vom Live-Medium zu starten und sofort arbeiten zu können – ohne Anmeldung, Frage-Antwort-Spielchen oder Konfigurationsarbeiten. Als Basisdistribution für Knoppix-7.0-Upgrades dient Debian "Squeeze", mit einzelnen Paketen aus Debian Testing und Unstable.

Das neue Knoppix stellt das Bootsystem völlig um: Die Hardware-Erkennung initialisiert zunächst alle Subsysteme, die für das interaktive Arbeiten in Grafikoberfläche oder Textkonsole notwendig sind, um einige Abläufe zeitsparend zu parallelisieren.

Der Rest der Hardware-Erkennung – Netzwerk, andere angeschlossene Geräte – findet statt, während die Benutzeroberfläche bereits läuft. Das beschleunigt den Bootvorgang wieder etwas, was besonders auffällt, wenn Knoppix (was ich ausdrücklich empfehle) von einer USB-Flashdisk startet.

Außerdem habe ich beschlossen, das System vom reinen 8-Bit-ISO-Encoding auf UTF-8 umzustellen. Knoppix folgt damit dem Trend der meisten Distributionen, die Mehrsprachigkeit unterstützen.

Wer hat's erfunden?

Knoppix-Erfinder Klaus Knopper mailto:knoppix@knopper.net, Jahrgang 1968 und Dipl.-Ing. der Elektrotechnik, arbeitet als selbstständiger IT-Berater und Entwickler, als Dozent an der FH Kaiserslautern (Softwaretechnik und Software-Engineering) und gibt Kurse zu freier Software. Angeregt durch Erfahrungen seiner blinden Ehefrau entwickelte Knopper die in Knoppix integrierte Lösung Adriane [2], die den Umgang mit Linux-PCs für Blinde vereinfacht.

Cheatcodes

Nicht auf jedem Rechner klappt eine vollständig automatische Hardware-Erkennung. Als Workaround gibt es daher im Bootscreen die sogenannten Knoppix-Cheatcodes, mit denen Sie auch den Desktop oder Sprache und Tastaturbelegung umschalten dürfen. Die Tabelle "Knoppix 7: Wichtige Cheatcodes" zeigt eine Auswahl der Startoptionen. Die wichtigsten davon sind im Boot-Bildschirm hinter den Tasten [F2] und [F3] als Kurzhilfe hinterlegt. Eine umfangreiche Liste der Cheats finden Sie zudem im Verzeichnis KNOPPIX auf der DVD. (jlu)

Knoppix 7: Wichtige Cheatcodes

Cheatcode Bedeutung
Knoppix-spezifische Optionen
knoppix startet mit dem 32-Bit-Kernel
knoppix64 startet mit einem 64-Bit-Kernel, der mehr als 4 GByte RAM unterstützt
knoppix tohd=/dev/sdaX kopiert den DVD-Inhalt in einen Ordner auf sdaX und startet das Systems von dort
knoppix fromhd=/dev/sdaX lädt Kernel und Miniroot noch von DVD, läuft dann aber von der mit tohd vorbereiteten Partition
knoppix64 toram kopiert die DVD in eine RAM-Disk und startet von dort (erfordert mehr als 4 GByte RAM)
Grafik-Optionen
knoppix nomodeset schaltet das Kernel Mode Setting aus, um Grafikprobleme zu umgehen
knoppix nocomposite oder no3d verzichtet auf die Composite-Extension, sodass zwar die Hardwarebeschleunigung ohne Transparenz-Effekte läuft
knoppix nodrm kein Direct Memory Access
knoppix nofb schaltet bei einigen Modulen das Laden der Framebuffer-Textkonsole ab
knoppix vga=791 xmodule=fbdev verwendet den VESA-Framebuffer mit mit 1024x768 Pixeln in 16 Bit
knoppix hsync=70 vsync=60 legt die Obergrenzen für die horizontale Rücklauffrequenz und vertikale Bildwiederholrate fest
knoppix xmodule=intel wählt das Intel-Modul statt Auto-Erkennung, was bei Notebooks mit mehreren Chipsätzen eventuell Strom spart
knoppix modeset neu: umgeht die interne Blacklist von Knoppix

Highlights

Die Liste der Aktualisierungen für das neueste Knoppix fällt lang aus, ich will aber einige Dinge nennen, die mir besonders wichtig erscheinen.

Die Basis des Systems stellen der Kernel 3.2.4 (32 und 64 Bit) sowie X.org 7.6 Core 1.11.3 mit ausschließlich freien Treibern für Chips von Nvidia, ATI/AMD, Intel und einigen mehr. Zum nachträglichen Justieren der Monitor- oder Beamer-Auflösung dient nun arandr, das mehr Möglichkeiten bietet als lxrandr. LXDE kommt als Standard-Desktop zum Einsatz, mit an Bord sind außerdem KDE 4.4.5, Gnome 3.2.2 sowie der Adriane Audio/Accessibility Desktop 1.4 [2].

Fürs Surfen im Web können Sie zwischen Iceweasel 10.0 und Chromium 16.0.912.77 wählen. Bei beiden müssen Sie aus Sicherheitsgründen das Starten von Plugins und anderen "aktiven Inhalten" extra bestätigen (Abbildung 1). Die aktualisierte Software-Ausstattung umfasst unter anderem LibreOffice 3.4.5, Gimp 2.6.11, Openshot 1.4.1, Virtualbox 4.1.8, Qemu/KVM 1.0 sowie Wine 1.3.37.

Abbildung 1: Skripte sind momentan verboten – Webbrowser starten in Knoppix 7.0 mit (abschaltbar) höherer Sicherheitsstufe.

Das Tool restartx, das nachträglich zwischen den Desktops umschaltet und die Einstellung in der festinstallierten Version fixiert, ist wieder zurück. Das Programm flash-knoppix, das Knoppix komfortabel auf einen 8-GByte-Stick oder eine SD-Karte überträgt, kann nun von einem bereits installierten USB-Stick eine Kopie erzeugen, ohne das persistente Overlay mit zu kopieren. Außerdem partitioniert flash-knoppix den Zieldatenträger falls nötig neu.

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