Funktionsvielfalt

Alle Funktionen aufzuzählen, die Bluefish in seinen Menüs bereithält, würde den Rahmen dieses Artikels mehrmals sprengen. Wer sich nicht mit der Maus durch die mehr als 300 Menü-Einträge hangeln möchte, kann in Bluefish zwei Spezialfunktionen von GTK nutzen.

Untermenüs mit oft benutzen Funktionen trennen Sie an der Schneidlinie oben ab und erzeugen damit ein neues Fenster, das permanent zur Verfügung steht. Noch schneller klappt der Zugriff mit Tastaturkommandos. Für viele Einträge des Hauptmenüs gibt es bereits Kombinationen, von denen die meisten mit [Strg]+[Alt] beginnen. So erzeugt [Strg]+[Alt]+[C] einen Kommentar. Alle Tastaturkürzel ändern Sie bei Bedarf, indem Sie einfach den Mauszeiger über einen Eintrag führen, ohne ihn dabei anzuklicken, und dann die gewünschte Kombination eintippen.

Im Menü Bearbeiten finden Sie wie üblich die Funktionen zum Suchen und Ersetzen. Beide bearbeiten wahlweise die aktive Datei, eine Auswahl oder auch übergreifend alle geladenen Dateien. Der Suchmechanismus erlaubt sowohl Reintext als auch reguläre Ausdrücke im Perl-Stil (Abbildung 7).

Abbildung 7: Was sich die Entwickler des Moduls Ersetzen Moduls bei der Option Dateien auf dem Datenträger gedacht haben, bleibt ihr Geheimnis.

Unter Werkzeuge finden Sie neben einigen anderen allgemeinen Bearbeitungsfunktionen auch das Untermenü Befehle. Hier starten Sie die aktuelle Datei im Webbrowser. Läuft ein lokaler Webserver oder arbeiten Sie direkt auf einem Server, tragen Sie dessen URL nach einem Rechtsklick in den Verzeichnisbaum links unter Dokumentenverzeichnis setzen ein. Anschließend öffnet Bluefish die Datei nicht unter deren Dateiadresse, sondern über einen Aufruf des Webservers. So zeigt Ihnen Bluefish auch korrekte Vorschauen von PHP-Dateien und allem anderen, was einen Webserver voraussetzt.

Das Menü Zencoding enthält einige Befehle für ein in Python umgesetztes System zur schnellen Eingabe von Code mit Hilfe von Abkürzungen. Zencoding [3] ist bestimmt nichts für Einsteiger, kann aber Profis die Arbeit sehr erleichtern.

Das Menü Dialoge wiederholt noch einmal die Inhalte der HTML-Toolbar direkt unter der Hauptwerkzeugleiste von Bluefish, ist dabei aber seltsamerweise nicht ganz vollständig. Dafür lassen sich hier – im Gegensatz zur Toolbar – mit der bereits erwähnten GTK-Methode Tastaturkürzel für die einzelnen Menüpunkte festlegen. In der Toolbar finden Sie im Reiter CSS den CSS-Editor von Bluefish (Abbildung 8).

Abbildung 8: Auch im CSS-Editor bringt Bluefish neue Technik mit. So kennt es bereits die CSS3-Eigenschaft text-shadow, weiß aber noch nicht das dazu auch eine Farbe gehört.

Operation an der lebenden Seite

Mit Bluefish arbeiten Sie bei Bedarf auch direkt auf einem laufenden Webserver. Dazu verwendet Bluefish den GTK-Dialog zur Anmeldung. Nach Eingabe des korrekten Passworts springt die Verzeichnisleiste links automatisch in das auf dem Server zugängliche Dateisystem. Weitere Dateien lassen sich dann dort einfach per Klick öffnen. Soll auch die Vorschau solcher Netzwerkdateien korrekt funktionieren, tragen Sie die URL des jeweiligen Servers im Rechtsklickmenü der Verzeichnisleiste unter Dokumentverzeichnis setzen ein.

Fazit

Bluefish bietet buchstäblich hunderte nützlicher Funktionen. Besonders seine Projektverwaltung präsentiert sich praxistauglich und effizient. Problemchen gibt es eigentlich nicht in den Funktionen des Programms selbst, sondern damit, dass einige Funktionen in Bluefish mit der sich schnell entwickelnden Webtechnologie nicht ganz Schritt halten. Erfreulicherweise bietet Bluefish auch einige Möglichkeiten, diese kleinen Fehlstellen eigenständig auszubessern. Dank seiner offenen Bauweise und Konfigurierbarkeit lässt er sich ohne großen Aufwand zu einem zeitgemäßen Werkzeug ausbauen und wird so seinem Ruf als komfortabelster Profi-Webeditor für Linux nach wie vor gerecht. 

Alternativen zu Bluefish

Das auf dem KDE-Texteditor Kate basierende Quanta [4] hätte zwar das Zeug, eine vollwertige Bluefish-Alternative zu bieten, ist aber noch nicht auf KDE4 aktualisiert und leidet unter etlichen unschönen Bugs. Letzteres gilt noch mehr für Kompozer [5]: Der aus NVU hervorgegangene Editor bereitet so viele Probleme, dass wir selbst einen Test nicht empfehlen können.

Schon deutlich besser eignen sich einige der Desktop-Texteditoren für Linux. Besonders KDEs Kate [6] macht mit seiner Netzwerkfähigkeit sowie einer Projektverwaltung eine gute Figur und lässt sich mit Hilfe seines Schnipsel-Plugins ähnlich wie Bluefish aufbohren. Ähnliches gilt für Gnomes Gedit [7], der allerdings kein Schnipsel-Plugin mitbringt.

Wer in alle Bereiche der Internet-Programmierung einsteigen möchte, sollte einen Blick auf Eclipse [8] werfen. Diese auf Java aufbauende Entwicklungsumgebung läuft auf allen gängigen Betriebssystemen und ist in der PDT-Variante auch sehr gut für Webentwickler geeignet. Für Einsteiger eignet sich Eclipse aber aufgrund seiner Mächtigkeit nicht, zudem gibt es sich extrem ressourcenhungrig.

Für ambitionierte Entwickler empfiehlt sich auch unbedingt ein Blick auf den Kommandozeileneditor Vi(m) [9]. Er ist auf praktisch jedem Unix-artigen System installiert, also auch auf den meisten Webservern. Wer sich der Mühe unterzieht, sich in die Tastaturkommandos von Vi einzuarbeiten, wird mit einer großen Zahl für Webentwickler nützlicher Funktionen belohnt.

Tastaturkommandos müssen Sie auch für die Bedienung von Emacs [10] lernen. Der Hauseditor der GNU-Projekts bietet eine Funktionsvielfalt, die kaum ein Einzelner ganz kennen dürfte. Viele Profiprogrammierer arbeiten damit.

Glossar

IDE

Integrated Development Environment, integrierte Entwicklungsumgebung. Eine IDE vereint diverse Werkzeuge für Programmierer, wie Editor, Debugger und Projektverwaltung.

WYSIWYG

What You See Is What You Get. Dieses Konzept versucht dem Nutzer während der Arbeit mit einer beschreibenden Programmiersprache direkt das Ergebnis der Programmierung zu präsentieren.

HTML5

Die seit 2011 gültige HTML-Version 5 führt zusammen mit der Designsprache CSS3 viele neue Funktionen für Webseitenautoren ein. Alle gängigen aktuellen Webbrowser unterstützen inzwischen einen großen Teil dieser neuartigen Techniken.

Der Autor

Hartmut Noack arbeitet in Berlin als Dozent, Autor und Musiker. Wenn er nicht gerade vor seiner Linux-Audio-Workstation sitzt, treibt er sich auf Webservern herum. Auf seinem eigenen (http://lapoc.de) stehen einige CC-lizenzierte klingende Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware zum Download bereit.

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