Der große Navigator

Moderne Webseiten bestehen aus vielen verschiedenen Dateien. Dieses modulare Prinzip erleichtert die Arbeit und beschleunigt die Seite, indem sie hilft, Doppelungen zu vermeiden. Bluefish bietet für den Umgang mit solchen Dateinetzwerken gleich mehrere nützliche Werkzeuge.

Zunächst sollten Sie die Dateien, die Sie in Ihrem Projekt verwenden möchten, öffnen und mit Projekt | Neues Projekt als Projekt speichern. In der Voreinstellung zeigt Bluefish im Verzeichnisbaum links im Fenster nur Einträge, die zum geöffneten Projekt gehören. Viele Verzeichnisse blendet es deshalb beim ersten Start aus (Abbildung 5). Öffnen Sie deshalb die Dateien für Ihr erstes Projekt am besten über das Menü mit Datei | Datei öffnen. Die geöffneten Dateien des Projekt ordnet Bluefish in Tabs am unteren Rand des Editorbereichs an. Prinzipiell lässt sich diese Tableiste auch nach oben verschieben, im Test erlebten wir allerdings dabei einen der seltenen Abstürze.

Abbildung 5: Der Dateibaum in der Seitenleiste versucht, nur zum aktiven Projekt gehörende Verzeichnisse anzuzeigen. Möchten Sie einen normalen Dateibaum, aktivieren Sie Gesamten Baum anzeigen im Rechtsklickmenü.

Lassen Sie den Mauszeiger über einem Tab schweben, zeigt Bluefish einen Tooltipp mit der genauen Adresse und weiteren Detailinformationen zur jeweiligen Datei. Mit den Tabs lässt sich recht gut arbeiten. Wächst das Projekt allerdings auf mehr als zehn bis zwölf Dateien an, beginnt Bluefish, Tabs auszublenden. Dann zeigt der Editor an den Enden der Tabliste Pfeile an, mit denen Sie sich durch die Tabs klicken. Ein Rechtsklick auf einen Tab präsentiert alle Dateinamen in einer vertikalen Liste, die ab etwa 20 Dateien Scroll-Schalter oben und unten anzeigt. Spätestens hier wird die Tableiste unübersichtlich

Den Entwicklern von Bluefish ist freilich durchaus bewusst, dass viele Webprojekte deutlich mehr als nur 20 Dateien umfassen. Daher lässt sich auch der Verzeichnisbaum links vom Editor für die Navigation in Projekten nutzen. Hinter dem Tab mit dem Buchsymbol rechts neben dem Tab für den Verzeichnisbaum verbirgt sich obendrein eine Lesezeichenliste. Gerade für große Projekte erweist sich diese Bookmark-Funktion auf Dauer allen anderen Navigationsmethoden überlegen.

Mit einem einfachen Trick bekommen Sie sogar einen beschreibenden Titel für Ihre Datei als Lesezeichen. Tragen Sie dazu einfach einen Kommentar mit dem gewünschten Text in einer Datei ein. Anschließend klicken Sie doppelt in den Leerraum rechts neben der Zeilennummer – schon taucht der Text zusammen mit dem Dateinamen in der Bookmark-Liste auf.

Die Lesezeichen bindet Bluefish an die Zeile in der Datei und an den in dieser Zeile beginnenden Inhalt. Das Lesezeichen bleibt auch beim Einfügen oder Löschen von Zeilen über dem Lesezeichen an seinem Platz. Das ändert sich erst, wenn Sie den Inhalt der Zeile selbst modifizieren. Verschieben Sie einen mit Lesezeichen versehenen Block an eine andere Stelle, bleibt das Lesezeichen dagegen stur an seinem Platz, in der Lesezeichenliste erscheint weiter der inzwischen verschobene Code.

Brot und Butter

Über die Brauchbarkeit einer IDE entscheidet vor allem die Qualität des integrierten Editors. Neben der schon erwähnten Code-Vervollständigung wartet Bluefish auch mit allen anderen heutzutage üblichen Funktionen auf. So lassen sich Codeblöcke, auf- und zufalten, die von Klammern oder bestimmten HTML-Tags gebildet werden. Dabei verhält sich Bluefish nicht immer ganz konsistent: So dürfen Sie Paragraphen oder Listenpunkte manchmal falten, manchmal wieder nicht. Zuverlässig funktioniert die Erkennung aber bei Klammern und bei den wichtigsten Tags wie div, ?php oder form.

In früheren Versionen kritisierten viele Nutzer die Einfärbung des Codes in Bluefish: Da änderten sich die Farben erst nach Eingabe einer neuen Zeile, aus anderen Dateien eingefügter Code nahm erst nach diversen Voodoo-Ritualen die gewünschten Farben an. Dergleichen Probleme treten im aktuellen Bluefish nur noch selten auf. Bei Code, den wir probehalber aus der Quelltextansicht von Firefox herauskopierten, zeigte Bluefish alle Tags sofort korrekt an – bis auf die Zeilenumbrüche, die ungeachtet aller angewandten Tricks penetrant die schwarze Fließtextfarbe beibehielten (Abbildung 6). Das Problem scheint damit zusammenzuhängen, dass br kein schließendes Tag und normalerweise auch keine Attribute besitzt: Alle Tags mit paarigen Tags und Attributen färbte Bluefish sofort korrekt.

Abbildung 6: In aus Firefox eingefügtem Quelltext bleiben die br-Tags schwarz – ebenso wie das HTML5-Tag footer, obwohl wir dieses aus dem Menü von Bluefish einfügten.

Das gilt allerdings nicht für die meisten HTML5-Elemente. Obwohl sich footer, canvas und Konsorten sogar aus den Menüs von Bluefish einfügen lassen, färbt der Editor sie nicht immer als HTML-Tags ein. Ähnliches gilt auch für Befehle aus der Welt von CSS3, der aktuellen Version der Designsprache für Webseiten. Eigenschaften wie text-shadow oder border-radius bleiben "farblos". Immerhin verursachen HTML5- oder CSS3-Tags keine fehlerhafte Anzeige des umgebenden Codes, der Einfärbemechanismus von Bluefish ignoriert sie einfach. Für die per Assistent eingefügten Tags audio und video hingegen funktioniert das Highlighting bereits.Ein Blick in den Bluefish-Quelltext zeigt, dass die Entwickler bereits an Lösungen für dieses Problem arbeiten. So finden sich bereits Definitionsdateien für die Behandlung von HTML5-spezifischen Elementen.

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