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© Natulrich, 123rf.com

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RAW-Converter Corel AfterShot Pro

22.02.2012 Corels RAW-Converter AfterShot Pro bietet einen Funktionsumfang, der die freien Konkurrenz relativ alt aussehen läßt. Aber kann er es auch mit Adobes Lightroom aufnehmen?

Viele Linux-Anwender haben den Komplettumstieg von Windows deswegen noch nicht vollzogen, weil einige für sie unverzichtbare Programme ausschließlich auf dem System aus Redmond laufen. In dem Zusammenhang fällt häufig der Name Adobe Lightroom [1]: Das Fotoverwaltungsprogramm gibt es weder für Linux, noch existiert ein alternatives Programm, das es ersetzen könnte.

Ein mögliche Alternative liefert seit Neuestem die kanadische Softwareschmiede Corel, die kürzlich Bibble Labs [2] kaufte. Letztere vertrieb den funktionsreichen RAW-Converter Bibble 5 [3], den die Kanadier jetzt unter dem etwas seltsamen Namen AfterShot Pro [4] weiterführen. Als für die Käufer positiven Nebeneffekt senkte Corel den Preis für die Fotoverwaltungssuite auf moderate 89 Euro – Adobes Software kostet dagegen 240 Euro. Wir haben nachgeshen, ob das Programm auch technisch das Zeug zur brauchbare Alternative für Adobes Lightroom hat.

Installation und Setup

Corel stellt die Software als 30-Tage-Testversion für Windows, Mac OS X und Linux zum Download bereit. Für das freie Betriebssystem finden sich 32-Bit-RPMs sowie 32- und 64-Bit-DEB-Pakete. Eine distributionsunabhängige Tarball-Version allerdings fehlt bislang. Die erste unangenehme Überraschung erlebten wir bei der Installation des RPM-Pakets unter OpenSuse 11.4. Die Paketverwaltung verweigerte dort die Installation mit einem Hinweis auf eine falsche Glibc-Version:

# rpm -ivh AfterShotPro_i386.rpm
error: Failed dependencies:
libstdc++.so.6(GLIBCXX_3.4.15) is needed by AfterShotPro-153:1.0-0.39.i3

Der Versuch, die passende Bibliothek zu installieren, scheiterte an Versionskonflikten. Erfreulicherweise verlief die Installation unter OpenSuse 12.1 ebenso problemlos wie unter Ubuntu 11.04 und 11.10. Hier genügte es, die jeweils zur Architektur passende DEB- oder RPM-Datei anzuklicken, um die Software zu installieren.

Die Konfiguration von AfterShot Pro erreichen Sie nach dem Start des Programms im Menü unter File | Preferences..., wo Sie zunächst unter Language die Lokalisierung von English auf German umschalten. Ein Neustart der Software übernimmt die Änderung. Im Regelfall brauchen Sie keine weiteren Konfigurationsparameter anzupassen.

Als sinnvoll erweisen sich jedoch einige Ergänzungen. So legen Sie unter Externer Editor das Programm fest, mit dem Sie Bilder aus AfterShot Pro heraus bearbeiten möchten – in der Regel wohl Gimp. Unter Leistung konfigurieren sie die Anzahl der Festplatten-I/O- und CPU-Threads. Die Standardeinstellungen beim Importieren und Verarbeiten von Bildern erreichen Sie beim Klick auf DefaultRaw.xmp und DefaultRendered.xmp im gleichnamigen Reiter. Jedoch lassen sich die vorgegebenen Werte weder als normaler Nutzer noch als Root über die Maske bearbeiten (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: AfterShot Pro zeigt die Filter beim Import von Bildern zwar in einer Maske an, sie zu ändern erlaubt die Software darin jedoch nicht.

Im Betrieb benötigt AfterShot Pro ähnlich wie Adobes Lightroom etwa 1 GByte Hauptspeicher. Weitere 500 MByte als Reserve schaden jedoch keinesfalls, da gerade aufwändigere Bearbeitungen durchaus den Speicherverbrauch in die Höhe treiben. Zudem sollte die CPU nicht zu schwach auf der Brust sein, da sich andernfalls sowohl der Im- als auch Export der Bilder bei beiden Programmen ziemlich in die Länge zieht.

Gewinnspiel

Im Rahmen der Produkteinführung von Corel AfterShot Pro verlosen wir fünf Box-Versionen der Software. Um am Gewinnspiel teil zu nehmen, beantworten Sie uns folgende Frage:

Was versteht man in der Fotografie unter dem Begriff "Vignettierung".

Schicken Sie die Lösung spätestens bis zum 15. März 2012 unter dem Betreff Corel AfterShot Pro an die E-Mail-Adresse gewinnspiel@linux-user.de. Die Verlosung erfolgt unter Ausschluss des Rechtswegs, die Gewinner benachrichtigen wir per E-Mail.

Datenimport

Anders als Lightroom erlaubt AfterShot Pro über den links platzierten Reiter Dateisystem den direkten Zugriff auf die Bilder, auch ohne diese vorher zu importieren. Das bietet den Vorteil, dass Sie Aufnahmen auch ad hoc problemlos mit dem RAW-Converter bearbeiten können. Die Importfunktion der Corel-Software bezieht sich ausschließlich darauf, EXIF- und IPTC-Bildangaben aus den Bildern zu extrahieren und in einer Datenbank zu speichern. Darüber hinaus generiert die Software eine Vorschauansicht jedes Bilds, was das spätere Verwalten deutlich beschleunigt.

Adobe geht hier bei Bildern aus externen Datenquellen, etwa von SD-Karten oder USB-Sticks, einen gehörigen Schritt weiter: Es importiert die Dateien in eine vom Nutzer vorgegebene Ordnerstruktur, beispielsweise nach Datum. Importierte Bilder auf der lokalen Festplatte belässt Lightroom an seinem ursprünglichen Platz. Aufnahmen, die nicht über den Import erfasst wurden, kennt es nicht. Die AfterShot-Pro-Datenbank dagegen dient in erster Linie dazu, Bilddateien anhand ihrer Merkmale schneller zu finden. Anders als bei Lightroom erlaubt es die Software, bis zu 20 solcher Datenbanken gleichzeitig zu öffnen.

Um einen Ordner rekursiv einer AfterShot-Pro-Datenbank hinzuzufügen, klicken Sie in der Auswahl Dateisystem mit der rechten Maustaste auf das gewünschte Verzeichnis und wählen aus dem Kontextmenü Ordner importieren.... Im anschließenden Dialog (Abbildung 2) geben Sie Stichwörter zu den Bildern ein und wählen aus verschiedenen Standardvorgaben aus, in welcher Form AfterShot Pro die Bilder beim Import bearbeiten soll. Nach der Anwahl der gewünschten Datenbank unter Importieren in Katalog genügt ein Klick auf Import starten, um die Bilder einzulesen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Der Import-Dialog von AfterShot Pro erlaubt sowohl das initiale Verschlagworten als auch das Anwenden von Filtern. Die Software belässt die Bilder dabei jedoch stets an ihrem Usrpungsort.

Anders sieht es aus, wenn es darum geht, Bilder aus der Datenbank zu enfernen – etwa, weil Sie die korrespondierende Datei gelöscht haben. Weder zum Entfernen noch zum Aktualisieren von Einträgen bietet AfterShot Pro einen entsprechenden Mechanismus. Ändert sich also die grundlegende Struktur des Bildbestands, gilt es diesen komplett neu einzulesen. Wurden die Bilder nicht über AfterShot Pro entfernt, sondern über den systemeigenen Dateimanager, führt das unter Windows zu reproduzierbaren Abstürzen beim Aufruf nicht mehr vorhandener Bilder über die Datenbank. Linux-System betrifft dieser Bug allerdings nicht so stark, wenngleich zumindest unter Kubuntu der Aufruf solcher Bilder ebenfalls einen Programm-Crash provozierte.

Der Import von etwa 10 000 RAW-Bilddateien dauerte im Test auf einem Rechner mit einer CPU der Core-i5-Klasse von Intel (2,3 GHz, Quad-Core) etwa 90 Minuten. Die Datenbank inklusiver der generierten Vorschaubilder benötigte rund 2,5 GByte Plattenplatz.

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