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© Martin Carter, sxc.hu

Scharfe Sache

Qt-Desktopumgebung Razor-qt

22.02.2012 Razor-qt versteht sich als komfortable Umgebung für gewöhnliche Anwender. Dabei lässt sich das Credo des Projekts in einem Wort zusammenfassen: Performance.

Wer in Zusammenhang mit Linux Qt hört, der denkt in erster Linie an KDE. Ein Merkmal haftet diesem Desktop nicht erst seit gestern an: Die Umgebung sieht zwar gut aus und bringt viele brauchbare Tools mit, entwickelt aber auch einen nicht zu unterschätzenden Ressourcenhunger. Insbesondere auf älteren Systemen erschwert das oft den produktiven Betrieb.

Das öffnet eine Nische für schlanke Desktopumgebungen, die eine sinnvolle Nutzung moderner Linux-Distributionen auch auf älterer Hardware versprechen. Als erste Wahl positionieren sich hier bislang XFCE und LXDE. Jetzt schickt sich eine weitere Desktopumgebung an, den beiden großen Tieren im Segment der schlanken Desktops Konkurrenz zu machen: Im Dezember vergangenen Jahres erschien die Version 0.4 der jungen Desktopumgebung Razor-qt [1].

Razor-qt basiert, wie der Name schon vermuten lässt, wie KDE auf den Qt-Bibliotheken. Neben KDE wurden bislang auch andere namhafte Projekt auf Basis des Qt-Frameworks realisiert: So etwas das Betriebssystem Meego, die 2D-Variante von Ubuntus Unity-Desktop oder der VLC Media Player unter Windows und Linux.

Nach eigenen Angaben kooperiert das Projektteam um Razor-qt auch mit dem KDE-Projekt, um Synergieeffekte zu erzielen. Schon jetzt lassen sich Icons und Mauszeiger auswählen, die ursprünglich für KDE entstanden.

Was ist neu?

Die Versionsnummer 0.4 deutet schon an, dass sich Razor-qt noch in der Entwicklung befindet, präsentiert sich aber schon reif genug, um es auszuprobieren und selbst für sich auszubauen. Mittlerweile wird Razor-qt bereits von einer ersten Distribution ausgeliefert, dem schwedischen ExTiX.

Der Fokus bei der Entwicklung der aktuellen Version 0.4 lag voll und ganz auf der Stabilität. Alle Kernbestandteile einer Desktopumgebung bringt sie bereits mit: Neben einem Panel und einem Startmenü sowie einem Applikationsstarter stehen auch schon einige wichtige Konfigurationsdialoge zur Verfügung, über die Sie einige Eigenschaften des Razor-Desktops anpassen.

Die Installation des Desktops erweist sich als unkompliziert, nur im Ausnahmefall müssen Sie Razor-qt aus dem Quellen selbst übersetzen. Für die gängigen Distributionen wie Ubuntu oder Fedora stehen bereits fertige Pakete zur Verfügung. Um Razor-qt zu installieren, gehen Sie einfach wie im Kasten "Razor-qt installieren" beschrieben vor.

Razor-qt installieren

Besonders einfach gestaltet sich die Installation unter Ubuntu und dessen Derivaten, wie beispielsweise Linux Mint. Hier fügen Sie zunächst via Konsole das Razor-qt-Repository hinzu. Anschließend aktualisieren Sie die Paketlisten und richten den Desktop aus dem neuen Repository ein (Listing 1).

Unter Fedora installieren Sie Razor-qt mittels Yum auf der Konsole. Dazu rufen Sie zunächst eine Konsole auf wechseln mit dem Befehl su in den Superuser-Modus. Anschließend führen Sie das etwas längliche Kommando aus Listing 2 aus, um das Repository mit den Razor-Paketen hinzuzufügen. Nun können Sie Razor-qt direkt einrichten (Listing 2, Zeile 2). Nach dem Einspielen der Pakete beenden Sie den Superuser-Modus mit exit.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:razor-qt
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install razorqt

Listing 2

# yum-config-manager --add-repo=http://download.opensuse.org/repositories/home://TI_Eugene://QtDesktop/Fedora_16/home:TI_Eugene:QtDesktop.repo
# yum install razorqt -y

Egal, welche Distribution Sie einsetzen: Nach der Installation melden Sie sich aus der bisherigen Desktopumgebung ab und wählen vor der anschließenden Neuanmeldung im Anmeldebildschirm als Desktop Razor-qt aus.

Da Razor-qt keinen eigenen Fenstermanager mitbringt, der sich um Fensterfunktionen wie Minimieren, Verschieben oder Maximieren kümmert, müssen Sie beim ersten Start von Razor-Qt auswählen, ob Sie die Desktopumgebung mit Openbox oder Metacity als Window-Manager starten wollen. Bei Metacity handelt es sich um dem Standard-Fenstermanager von Gnome. Die Entwickler des Razor-Projektes setzen meist auf Openbox, das geringe Anforderungen an die Hardware stellt.

Razor-qt startet mit einem sehr aufgeräumten Desktop ohne viel Schnickschnack (Abbildung 1). Im Panel am unteren Bildschirmrand finden Sie neben einem Startmenü auch Schalter für den Wechsel zwischen verschiedenen Desktops (Abbildung 2). Alle Bestandteile des Panels haben die Entwickler als Plugins integriert: Wenn Sie mit der rechten Maustaste auf das Panel klicken, können sie unter Plugins solche hinzufügen, verschieben oder vom Panel löschen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Razor-Desktop bietet derzeit schon die wichtigsten Grundfunktionen, die man von einer Desktopumgebung erwartet.

Abbildung 2

Abbildung 2: Neben einem Startmenü enthält das Panel auch einen Desktopwechsler sowie eine Schnellstartleiste.

Der Desktop selbst lässt sich in einen Editiermodus versetzen. Über diesen deaktivieren Sie zum Beispiel die standardmäßig aktivierte Desktop-Analoguhr. Sie aktivieren den Editormodus bei Bedarf einfach über einen Klick mit der rechten Maustaste auf den Desktop und die Auswahl von Edit Desktop... im daraufhin erscheinenden Kontextmenü.

Bei der Clock handelt es sich ebenso wie bei der nun sichtbaren Icon View um ein sogenanntes Desktop-Widget. Klicken Sie im Editormodus nochmals mit der rechten Maustaste auf den Desktop, so können Sie über Add New Desktop Widget... weitere Widgets hinzufügen. Allerdings steht derzeit außer der Uhr und der Icon-Ansicht lediglich ein Text-Widget zur Verfügung, mit dem Sie einen schlichten Text auf den Desktop schreiben.

Die Icon-Ansicht stellt die obligatorischen Ordner und Dateien für den Desktop bereit. Ähnlich wie bei KDE und dessen Plasmoids legen sie für die Icon-Ansicht einen Ordner fest, dessen Inhalt dann im ausgewählten Bildschirmbereich erscheint. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste in das Widget und wählen dann Configure Plugin... aus. In dem sich daraufhin öffnenden Dialog geben Sie anschließend das gewünschte Verzeichnis an.

Haben Sie alle gewünschten Einstellungen getroffen, deaktivieren Sie den Bearbeitungsmodus des Desktops über den Eintrag Edit Desktop..., den Sie über das Kontextmenü der rechten Maustaste erreichen.

Einstellungen

Die Zentrale für die Konfiguration des Desktops erreichen Sie über das Startmenü unter Einstellungen | Razor-qt settings | Razor-qt Configuration Center (Abbildung 3). Dort stehen derzeit vier Einstellungswerkzeuge zur Verfügung (Abbildung 4). Hier können Sie über die Appearence Configuration installierte Icon-Sets auswählen oder über Mouse Configurator Mauszeiger konfigurieren.

Abbildung 3

Abbildung 3: Alle Einstellungsdialoge von Razor-qt lassen sich direkt über das Startmenü aufrufen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Unter Razor Configuration finden sich alle verfügbaren Einstellungsmöglichkeiten von Razor-qt.

Interessant sind vor allem die Einstellungen unter Session Configurator: Dort wählen Sie einen Fenstermanager aus und aktivieren beziehungsweise deaktivieren verschiedene Razor-Module. Unter Default Applications legen Sie die Standardanwendungen für Terminals und den Webbrowser fest. Unter Autostart definieren Sie Anwendungen, die Razor-qt beim Starten automatisch laden soll.

Weiter Einstellmöglichkeiten bieten Konfigurationstools, die zum jeweiligen Fenstermanager gehören. Haben Sie Razor-qt beispielsweise mit Openbox gestartet, nehmen Sie mithilfe von Obconf weitere Einstellungen vornehmen. Dieses Werkzeug gilt es allerdings zunächst über das gleichnamige Paket nachzuinstallieren, danach lässt es sich über das Kommando obconf ausführen. Es bietet viele hilfreiche Einstellungsoptionen, darunter die Auswahl von Themen und Menüschriften (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Mit Obconf nehmen Sie weitere Einstellungen für den Fenstermanager Openbox vor, die Razor-qt bislang nicht bietet.

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