AA_pear-apple_123rf-5601963_SergeyKotenev.jpg

© Sergey Kotenev, 123rf.com

Pear OS Linux Panther v3.0

Mischobst

Think Totally Different – denk total anders: Mit diesem markigen Slogan tritt Pear OS an. Der Ubuntu-Abkömmling soll die Power von Linux mit der Schönheit von Mac OS X vereinen.

Wie Tux sich kleidet, das ist höchst individuell: Mal trägt er schlichte Sachlichkeit, mal kommt er kunterbunt. Und manchmal, so scheint es, versucht sich der Pinguin an fremden Systemen zu orientieren – so wie bei Pear OS [1]. Das verhilft dem Linux-Desktop zum Look von Apples OS X.

Es gibt ein paar Eigenschaften, die in der Wahrnehmung der Computernutzer nahezu untrennbar mit Apple und seinem Betriebssystem OS X verbunden sind: Es sei optisch sehr schön anzuschauen, heißt es, und obendrein sehr einfach und bequem zu bedienen. Vom manchem Linux behaupten einige Stimmen hingegen eher das Gegenteil (auch wenn diese Stimmen immer leiser werden). Doch Linux ist nicht gleich Linux, nahezu jede Distribution hat ein eigenes Look  & Feel. Und aus der Vielfalt der Varianten sticht das System mit dem langen Namen "Pear OS Linux Panther v3.0" heraus. Die französische Linux-Distribution will unter dem Motto Think Totally Different dem Design-Primus OS X kräftig Konkurrenz machen und nimmt dabei reichlich Anleihen beim großen Vorbild.

Das beginnt schon beim Logo, eine angebissenen Birne auf dunkelgrauem Grund. Den Apfel haben die Macher von Pear OS dem Original gelassen, beim Rest hingegen kupfern sie kräftig ab. Schon der Startbildschirm (Abbildung 1) gleicht sehr stark dem aktuellen OS X "Lion". Kaum ist das System fertig geladen, präsentiert sich Pear OS absolut Apple-ähnlich – aber eben nur ähnlich: Denn an Apples strengen Style-Guide halten sich die Macher nicht.

Abbildung 1: Sieht irgendwie bekannt aus: Die Macher von Pear OS orientieren sich sehr nah am Original.

Nachahmer

Im Großen und Ganzen gleicht Pear OS dem Vorbild allerdings schon sehr. Man muss den Entwicklern zugute halten, dass sie sich beim Kopieren einige Mühe gemacht haben – sogar die Versionsbezeichnung folgt Apples Schema. Ebenso gleicht die grafische Oberfläche dem Original in vielen Aspekten. Die Menüleiste am oberen Bildschirmrand wird bei vielen Programmen ihrem Namen gerecht und hält die Menüs vor. Nur dort, wo statt GTK andere GUI-Frameworks wie etwa Qt zum Einsatz kommen, haben die Fenster wieder eigene Menüs (Abbildung 2). Ganz oben links sieht man dort, wo beim Original der angebissene Apfel prangt, eine angebissene Birne (Abbildung 3). Ein Klick darauf öffnet ein Menü, das sehr jenem des Vorbilds ähnelt und den Weg zu Updates, Systemeinstellungen und einigen weiteren Punkten bereitet.

Abbildung 2: Zum Anbeißen: Selbst das Apfel-Menü haben die Birnen-Beißer übernommen.
Abbildung 3: Nicht ganz einheitlich: Basiert eine Anwendung nicht auf GTK, fällt die einheitliche Darstellung flach.

Am unteren Bildschirmrand sitzt ein Starterdock, das eine Handvoll Programme feilbietet. Das Dock ist zwar nett anzusehen, die Animation der springenden Icons beim Programmstart kann allerdings nicht ganz überzeugen: Die Bildchen hüpfen ein wenig schnell und unbeholfen auf und nieder. Zu weiteren Programmen gelangt man ganz im Apple-Stil über ein sogenanntes Launchpad. Dieses Menü zeigt die Icons militärisch korrekt an: In unserem Fall vier Icons untereinander und viele, viele nebeneinander (Abbildung 4). Was am Launchpad neben einigen kleinen Fehlern allerdings unglaublich nervt, ist die unschöne Eigenschaft, beim Launchpad-Start alle anderen Fenster zu minimieren. Die muss man dann alle wieder einzeln aus dem Dock hervorholen.

Abbildung 4: Doppelt gemoppelt: Auch beim Launchpad hakelt es noch ein wenig.

System & Software

Pear OS Linux "Panther" v3.0 basiert auf Ubuntu 11.10 und bringt als Kernel die Version 3.0.0-15 mit. Der Desktop beruht auf Gnome 3.2 und GTK 2.24.8. Bei der Software-Auswahl gingen die Pear-OS-Macher teils eigene Wege.

Wer ins Büro will, findet dort LibreOffice 3.4.4 vor – Standard. Schon beim Browser wird es ein wenig individueller: Das kommerzielle Opera lässt sich beim ersten Start erst einmal die Lizenzbedingungen bestätigen. Um Mails kümmert sich Pear OS Mail, ein umgetaufter Sylpheed der Version 3.2.0 Beta 3. Eine echte Eigenentwicklung scheint der sehr einfach gehaltene PDF-Viewer zu sein, der auf die Bezeichnung Pear OS Viewer hört. Statt den üblichen Verdächtigen wie Banshee oder Amarok zeichnet die Amarok-Weiterentwicklung Clementine in Version 0.7.1 für die Musikwiedergabe verantwortlich. Hinzu kommen einige weitere, mehr oder weniger bekannte kleine (Dienst-)Programme.

Erfreulich ist, dass Pear OS auch hinsichtlich der Datensicherheit ähnliche Wege geht wie das Vorbild. Für regelmäßige Backups steht das Programm Back In Time [2] bereit, das ohnehin ganz klar von Apples Timemachine inspiriert wurde – in Pear OS sogar samt nachempfundenen Logo. Hinsichtlich der Funktion greift Back In Time auf Rsync, Diff und Cp zurück. Das Programm legt je nach Konfiguration regelmäßige Snapshots bestimmter Verzeichnisse in einem Backup-Ordner ab. Über die GUI lässt sich dann in der Zeit zurück wandern – etwa dann, wenn beim Aufräumen der Platte auf ein wichtiges Dokument ins digitale Nirvana gewandert ist.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Pear OS 7 ist da

    David Travis hat Version 7 seiner Ubuntu basierten Linux-Distribution freigegeben, die das Aussehen von Mac OS X imitiert.
  • PearOS eingestellt und verkauft
    Ohne jegliche Vorwarnung hat David Tavares alle Downloads der Linux-Distribution PearOS von der Homepage entfernt. Dort weist nur noch eine karge Meldung darauf hin, dass die Zukunft ab sofort in den Händen einer Firma liegen würde.
  • Pear OS 8 erschienen
    Die Macher von Pear OS haben die Version 8 ihrer Linux-Distribution freigegeben. Auch sie imitiert wie ihre Vorgänger die Optik von Mac OS X. Neu in Version 8 ist unter anderem ein an iOS 7 angelehntes Theme.
  • Clementine OS eingestellt
    Brenden Gonzales wollte mit Clementine OS eigentlich das beliebte Pear OS weiterführen. Der neue Rechteinhaber von Pear OS, eine immer noch unbekannte Firma, schickte ihm jedoch eine Unterlassungserklärung, die Brenden Gonzales unterschrieb.
  • PearOS 9.3 veröffentlicht
    Die Distribution Pear OS bildete optisch die Benutzeroberfläche von OS X nach. Dann kaufte ein unbekanntes Unternehmen alle Rechte, woraufhin die beliebte Distribution über Nacht verschwand. Ein brasilianischer Entwickler hat jedoch jetzt auf eigene Faust eine eigene Variante veröffentlicht.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 08/2016: Multimedia

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Wie kann man das berichtigen
Udo Muelle, 17.07.2016 20:39, 1 Antworten
Fehlschlag beim Holen von http://extra.linuxmint.com/dists/rosa/main/binary-i386/Packages Hash-S...
Installation Genimotion
Horst Müller, 15.07.2016 17:00, 1 Antworten
Hallo, ich kann Genimotion nicht installieren. Folgende Fehlermeldung habe ich beim Aufruf erh...
Probleme beim Hochfahren der Terastaion 5400 mit Unix-Distrib
Sheldon Cooper, 10.07.2016 09:32, 0 Antworten
Hallo ihr lieben, habe seit zwei Tagen das Problem, das das NAS (Raid5) nicht mehr sauber hoch...
Mit Firewire Videos improtieren?
Werner Hahn, 09.06.2016 11:06, 5 Antworten
Ich besitze den Camcorder Panasonic NV-GS330, bei dem die Videos in guter Qualität nur über den 4...
lidl internetstick für linux mint
rolf meyer, 04.06.2016 14:17, 3 Antworten
hallo zusammen ich benötige eure hilfe habe einen lidl-internetstick möchte ihn auf linux mint i...