Home / LinuxUser / 2012 / 03 / Linux für Sysadmins: Das Live-System Grml

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Debian leicht gemacht
(161 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.

Admins Freund

Linux für Sysadmins: Das Live-System Grml

Systemrettung

Grml liefert alle wichtigen Werkzeuge zur Systemrettung mit, insbesondere chroot leistet hier gute Dienste. Im ersten Schritt gilt es herauszufinden, mit welcher Bezeichnung der Grml-Kernel die Festplatte versehen hat, auf der das zu rettende System liegt.

Befindet sich dieses auf einer LVM2- oder Software-RAID-Partition, starten Sie mit /etc/init.d/lvm2 start beziehungsweise /etc/init.d/mdadm start die benötigten Dienste. Grml sucht dann automatisch nach LVM/Mdadm-Laufwerken und aktiviert sie. Das Finden der passenden Partition kann sich dennoch schwierig gestalten. Sind weder LVM2 noch Mdadm beteiligt, liegt die Partition vermutlich auf der Platte /dev/sda. Der Befehl fdisk -p /dev/sda verschafft Ihnen einen Überblick über die vorhandenen Partitionen.

Haben Sie die richtige Partition gefunden, gilt es diese in das Dateisystem von Grml einzuhängen. Das folgende Beispiel geht davon aus, dass es sich um /dev/sda2 handelt. Dann hängt die Befehlsfolge

# mkdir /mnt/rescue && mount -t auto /dev/sda2 /mnt/rescue

das Dateisystem ein. Mittels Bind-Mount (Listing 1) sorgen Sie nun dafür, dass die Inhalte der Ordner /dev, /sys und /proc im Rettungssystem identisch mit denen von Grml sind.

Listing 1

# mount --bind /dev /mnt/rescue/dev
# mount --bind /proc /mnt/rescue/proc
# mount --bind /sys /mnt/rescue/sys

Schließlich wechseln Sie in eine Art virtuelles System mit den Inhalten des Rettungssystems. Das Kommando chroot /mnt/rescue katapultiert Sie in das zu rettende System, ganz so, als würde es tatsächlich laufen (Abbildung 5). Der Vorteil: Das System hat keinen Boot-Vorgang hinter sich bringen müssen, bei dem üblicherweise die meisten Fehler auftreten.

Abbildung 5

Abbildung 5: Aus dem laufenden Grml-System heraus erfolgt mittels Chroot der Zugriff auf eine OpenSuse-Partition.

In der Chroot-Umgebung können Sie nun den "Übeltäter" deaktivieren oder auch andere Probleme lösen (Abbildung 6). Im Anschluss starten Sie wie gehabt in das reparierte System und nehmen notwendige weitere Maßnahmen dort direkt vor. Um welche es sich handelt, hängt vom Einzelfall ab. Eine grundsätzliche Erläuterung möglicher Rettungsmaßnahmen für alle gängigen Distributionen würde den Artikel an dieser Stelle aber sprengen.

Abbildung 6

Abbildung 6: Das Programm vermittelt in kürzester Zeit einen Überblick über jeden Chip, der im Host-System verbaut ist.

Das gewisse Etwas

Unter der Haube werkelt bei Grml ein Snapshot von Debian GNU/Linux, der im Augenblick auf dem testing-Zweig aufsetzt. Im Alltag macht sich das insbesondere dadurch bemerkbar, dass sich in einem laufenden Grml-System die Installation von Debian-Paketen für testing problemlos per Apt-get oder Aptitude bewerkstelligen lässt.

Rund um das Debian-System haben Michael Prokop und sein Team jede Menge nützliche Zusatzfunktionen gebaut: So eignet sich Grml mittlerweile auch, um das vollautomatische Ausrollen ("Deployment") von vielen Systemen gleichzeitig anzustoßen. Mittels des Netscript-Cheatcodes (siehe Kasten "Grml-Killerfeatures") teilen Sie dem Grml-Kernel beim Booten mit, wo er ein entsprechendes Skript findet – um den Rest kümmert Grml sich automatisch. Enthält das Skript alle dazu notwendigen Befehle, lassen sich sich so auf diversen Systemen gleichzeitig die selben Befehle absetzen. Das kann unter anderem dann sehr nützlich sein, wenn es auf den Zielsystemen Änderungen am Partitionslayout vorzunehmen gilt, die sich im laufenden Betrieb nicht erledigen lassen.

Grml gibt sich auch sehr flexibel, wenn es um modifizierte Boot-Medien und ISO-Dateien geht. Oft stören bloß einige Default-Werte beim Boot-Vorgang, nicht aber der eigentliche Funktionsumfang der Distribution. Das Projekt bietet die Tools grml2usb und grml2iso an, um modifizierte Grml-Varianten mit eigenen Default-Boot-Parametern herzustellen. Bei grml2usb lassen sich sogar mehrere Grml-Images auf einen USB-Stick packen und aus dem Boot-Menü starten. Eine ausführliche Anleitung zum Erstellen eines modifizierten USB-Sticks mit grml2usb finden Sie auf der Dokumentationsseite [4].

Die Möglichkeit, Grml als echtes System mit einzelnen Partitionen auf die Festplatte zu installieren, haben die Entwickler mittlerweile verworfen. Wer die Vorzüge von Grml dauerhaft benutzen möchte, greift idealerweise zu Debian – auch, weil Michael Prokop selbst Debian-Entwickler ist und viele Grml-Verbesserungen direkt an die Mutterdistribution zurückfließen. Diverse Grml-Pakete finden sich schon jetzt im Debian-Paketarchiv.

Tip a friend    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare

Hits
Wertung: 92 Punkte (3 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 05/2014

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,95 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 60,60) können Sie im Medialinx-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Bilder vergleichen mit diffimg
Bilder vergleichen mit diffimg
Tim Schürmann, 01.04.2014 12:40, 1 Kommentare

Das kleine Werkzeug diffimg kann zwei (scheinbar) identische Bilder miteinander vergleichen und die Unterschiede optisch hervorheben. Damit lassen sich nicht nur Rätsel a la „Orignial und Fäls...

Aktuelle Fragen

programm suche
Hans-Joachim Köpke, 13.04.2014 10:43, 8 Antworten
suche noch programme die zu windows gibt, die auch unter linux laufen bzw sich ähneln sozusagen a...
Funknetz (Web-Stick)
Hans-Joachim Köpke, 04.04.2014 07:31, 2 Antworten
Bei Windows7 brauche ich den Stick nur ins USB-Fach schieben dann erkennt Windows7 Automatisch, a...
Ubuntu 13.10 überschreibt immer Windows 8 Bootmanager
Thomas Weiss, 15.03.2014 19:20, 8 Antworten
Hallo Leute, ich hoffe das ich richtig bin. Ich habe einen Dell Insipron 660 Ich möchte gerne Ub...
USB-PTP-Class Kamera wird nicht erkannt (Windows-only)
Wimpy *, 14.03.2014 13:04, 15 Antworten
ich habe meiner Frau eine Digitalkamera, AGFA Optima 103, gekauft und wir sind sehr zufrieden dam...
Treiber
Michael Kristahn, 12.03.2014 08:28, 5 Antworten
Habe mir ein Scanner gebraucht gekauft von Canon CanoScan LiDE 70 kein Treiber wie bekomme ich de...