Systemrettung

Grml liefert alle wichtigen Werkzeuge zur Systemrettung mit, insbesondere chroot leistet hier gute Dienste. Im ersten Schritt gilt es herauszufinden, mit welcher Bezeichnung der Grml-Kernel die Festplatte versehen hat, auf der das zu rettende System liegt.

Befindet sich dieses auf einer LVM2- oder Software-RAID-Partition, starten Sie mit /etc/init.d/lvm2 start beziehungsweise /etc/init.d/mdadm start die benötigten Dienste. Grml sucht dann automatisch nach LVM/Mdadm-Laufwerken und aktiviert sie. Das Finden der passenden Partition kann sich dennoch schwierig gestalten. Sind weder LVM2 noch Mdadm beteiligt, liegt die Partition vermutlich auf der Platte /dev/sda. Der Befehl fdisk -p /dev/sda verschafft Ihnen einen Überblick über die vorhandenen Partitionen.

Haben Sie die richtige Partition gefunden, gilt es diese in das Dateisystem von Grml einzuhängen. Das folgende Beispiel geht davon aus, dass es sich um /dev/sda2 handelt. Dann hängt die Befehlsfolge

# mkdir /mnt/rescue && mount -t auto /dev/sda2 /mnt/rescue

das Dateisystem ein. Mittels Bind-Mount (Listing 1) sorgen Sie nun dafür, dass die Inhalte der Ordner /dev, /sys und /proc im Rettungssystem identisch mit denen von Grml sind.

Listing 1

# mount --bind /dev /mnt/rescue/dev
# mount --bind /proc /mnt/rescue/proc
# mount --bind /sys /mnt/rescue/sys

Schließlich wechseln Sie in eine Art virtuelles System mit den Inhalten des Rettungssystems. Das Kommando chroot /mnt/rescue katapultiert Sie in das zu rettende System, ganz so, als würde es tatsächlich laufen (Abbildung 5). Der Vorteil: Das System hat keinen Boot-Vorgang hinter sich bringen müssen, bei dem üblicherweise die meisten Fehler auftreten.

Abbildung 5: Aus dem laufenden Grml-System heraus erfolgt mittels Chroot der Zugriff auf eine OpenSuse-Partition.

In der Chroot-Umgebung können Sie nun den "Übeltäter" deaktivieren oder auch andere Probleme lösen (Abbildung 6). Im Anschluss starten Sie wie gehabt in das reparierte System und nehmen notwendige weitere Maßnahmen dort direkt vor. Um welche es sich handelt, hängt vom Einzelfall ab. Eine grundsätzliche Erläuterung möglicher Rettungsmaßnahmen für alle gängigen Distributionen würde den Artikel an dieser Stelle aber sprengen.

Abbildung 6: Das Programm vermittelt in kürzester Zeit einen Überblick über jeden Chip, der im Host-System verbaut ist.

Das gewisse Etwas

Unter der Haube werkelt bei Grml ein Snapshot von Debian GNU/Linux, der im Augenblick auf dem testing-Zweig aufsetzt. Im Alltag macht sich das insbesondere dadurch bemerkbar, dass sich in einem laufenden Grml-System die Installation von Debian-Paketen für testing problemlos per Apt-get oder Aptitude bewerkstelligen lässt.

Rund um das Debian-System haben Michael Prokop und sein Team jede Menge nützliche Zusatzfunktionen gebaut: So eignet sich Grml mittlerweile auch, um das vollautomatische Ausrollen ("Deployment") von vielen Systemen gleichzeitig anzustoßen. Mittels des Netscript-Cheatcodes (siehe Kasten "Grml-Killerfeatures") teilen Sie dem Grml-Kernel beim Booten mit, wo er ein entsprechendes Skript findet – um den Rest kümmert Grml sich automatisch. Enthält das Skript alle dazu notwendigen Befehle, lassen sich sich so auf diversen Systemen gleichzeitig die selben Befehle absetzen. Das kann unter anderem dann sehr nützlich sein, wenn es auf den Zielsystemen Änderungen am Partitionslayout vorzunehmen gilt, die sich im laufenden Betrieb nicht erledigen lassen.

Grml gibt sich auch sehr flexibel, wenn es um modifizierte Boot-Medien und ISO-Dateien geht. Oft stören bloß einige Default-Werte beim Boot-Vorgang, nicht aber der eigentliche Funktionsumfang der Distribution. Das Projekt bietet die Tools grml2usb und grml2iso an, um modifizierte Grml-Varianten mit eigenen Default-Boot-Parametern herzustellen. Bei grml2usb lassen sich sogar mehrere Grml-Images auf einen USB-Stick packen und aus dem Boot-Menü starten. Eine ausführliche Anleitung zum Erstellen eines modifizierten USB-Sticks mit grml2usb finden Sie auf der Dokumentationsseite [4].

Die Möglichkeit, Grml als echtes System mit einzelnen Partitionen auf die Festplatte zu installieren, haben die Entwickler mittlerweile verworfen. Wer die Vorzüge von Grml dauerhaft benutzen möchte, greift idealerweise zu Debian – auch, weil Michael Prokop selbst Debian-Entwickler ist und viele Grml-Verbesserungen direkt an die Mutterdistribution zurückfließen. Diverse Grml-Pakete finden sich schon jetzt im Debian-Paketarchiv.

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