Themes

Dass gerade Fluxbox zu den beliebtesten unter den schlanken Desktops zählt, hat viele Gründe. Einer davon ist sicher, dass er trotz minimalem Ressourcenverbrauch sehr gut aussieht. Wo andere Minimalisten mit matten Pastellfarben und verschwommenen Schriften daherkommen, glänzt Fluxbox mit gestochen scharfen Konturen und sauber gerenderten Farbverläufen.

Fluxbox verwendet eine Schnittstelle, die Kommandos zum Darstellen der Elemente Kommandos aus einer einfachen Textdatei entgegennimmt. Diese Style-Dateien liegen standardmäßig unter /usr/share/fluxbox/styles oder in einem Unterverzeichnis davon, das auch Grafiken im XPM-Format zur Dekoration enthalten darf.

Die Syntax der Style-Dateien erinnert etwas an die CSS-Dateien, mit denen Sie Webseiten formatieren. Links steht ein Selektor, der den Namen des Elements von Fluxbox angibt. Dieser enthält bei einigen Elementen Zustände wie "gedrückt" bei Knöpfen. Die Elemente und den Zustand trennen Sie über Punkte, rechts davon folgt ein Tabulator und danach auf der gleichen Zeile eine Wertangabe (Listing 3).

Listing 3

toolbar.button.pressed: Flat Gradient CrossDiagonal
toolbar.button.pressed.color: #60747d
toolbar.windowLabel.pixmap: toolbar_label.xpm

Das Beispiel formatiert in der ersten Zeile einen in der Toolbar gedrückten Knopf mit einem in Fluxbox eingebauten Gradienten. In der Zeile danach folgt die Farbangabe für diesen Gradienten. In Zeile 3 bekommt schließlich die Titelzeile der Toolbar ein Hintergrundbild. Für die Grafik brauchen Sie nur den Namen einer Datei anzugeben, die im Style-Ordner im Unterverzeichnis pixmaps liegen muss.

Fluxbox ändert beim Laden eines Styles nur diejenigen Werte, die es explizit im Style findet. Eigenschaften, die dort nicht festgelegt sind, bleiben so, wie sie im vorher aktiven Style eingestellt waren. Befehle, die Fehler enthalten oder auf nicht vorhandene Bilder oder Schriften zeigen, ignoriert die Software. Dadurch kommt es schon einmal vor, dass im Menü weiße Schrift auf weißem Grund erscheint, weil Sie im neuen Style die Schriftfarbe nicht ausdrücklich festgelegt haben.

Möchten Sie einen eigenen Style bauen, kopieren Sie dazu am besten eine vorhandene Datei aus /usr/share/fluxbox nach ~/.fluxbox/styles. Die Liste der Elemente fällt weitgehend selbsterklärend aus. Für Farben eignen sich Hexadezimal-Werte, wie etwa #000000 für Schwarz, RGB-Angaben wie RGB(0, 0, 5) für dunkles Blau oder Farbnamen wie black. Einzelne Zahlen stehen meist für Breitenangaben und Abstände in Pixeln. Sobald Sie die Datei nach ~/.fluxbox/styles kopiert haben, erscheint sie im Menü unter Styles am Ende der Liste. Änderungen aktivieren Sie mit Menü | Restart.

Natürlich müssen Sie Ihr Theme für Fluxbox nicht selbst entwickeln (Abbildung 12). Auf verschiedenen Webseiten stehen Hunderte von fertigen Designs bereit. Eine große Sammlung finden Sie auf Box-look.org [4]. Einige dieser Themes benutzen zusätzlich zur Style-Datei Tricks in der Datei init, um beispielsweise spezielle Schriftarten auf die Oberfläche zu bringen.

Abbildung 12: Strenges Blaugrau und minimale Speichernutzung: Mit dem Style DebianBlue und dem schlanken Dateimanager PCmanFM bleibt Fluxbox unter 160 MByte Speicherverbrauch, ohne dabei altmodisch zu wirken.

Fazit

Fluxbox hält, was es verspricht. Neben Enlightenment ist es wohl der Spar-Desktop für Linux, der am besten zeigt, dass Minimalismus nicht altmodisch auszusehen braucht. Das gut durchdachte Konzept zum Konfigurieren und Bedienen macht nach kurzer Eingewöhnung richtig Spaß, und so denkt der Autor jetzt schon eine Weile darüber nach, warum er eigentlich zu einem der größeren Desktops zurückkehren soll. 

Glossar

OBS

OpenSuse Build Service. OpenSuse hat in den letzten Jahren seine Haupt-Repositories verschlankt und dafür ein System kleiner Paketquellen geschaffen. In diesem System bieten einzelne Projekte Installationspakete an.

Markup

engl. "to mark up": etwas (in einem Text) markieren. Markup-Sprachen erlauben keine komplexe Logik, sondern dienen nur dazu, einem Anzeigesystem zu erklären, was ein Stück Text zu bedeuten hat. Die wohl bekannteste Markup-Sprache ist HTML.

Der Autor

Hartmut Noack arbeitet in Berlin als Dozent, Autor und Musiker. Er fand schon immer, dass freie Software und selbst gemachte Musik prima zusammenpassen. Wenn er nicht gerade vor seiner Linux-Audio-Workstation sitzt, treibt er sich auf Webservern herum. Auf seinem eigenen (http://lapoc.de) stehen einige CC-lizenzierte klingende Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware zum Download bereit.

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