Kontrolle ohne Klicks

Alle für das Verhalten von Fluxbox relevanten Optionen finden Sie im Ordner ~/.fluxbox (Abbildung 9). Die Datei init enthält die Konfiguration, über startup starten Sie externe Programme zusammen mit dem Desktop, und im Verzeichnis styles finden Sie Ihre Theme-Dateien. Außerdem legen Sie in keys Tastaturkürzel fest und bauen in menu ein eigenes Menü.

Abbildung 9: In ~/.fluxbox/init steht neben vielen andern Optionen auch der einstellbare Pfad zur Menü-Datei.

Die Syntax der Dateien erweist sich als simpel, lediglich bei startup handelt es sich um ein Shell-Skript. In der Konfiguration finden sich weitgehend selbsterklärende Anweisungen aus Element und Wert. Zu den Elementen gehören Bedienelemente und Zustände von Werkzeugen. Werte umfassen Reihenfolgen, Namen, Pfade, Wahr/Falsch-Schalter oder Zahlen.

Die sogenannte Slit ("Blende") von Fluxbox nimmt Desktop-Applets wie Uhr oder Wetteranzeige auf. Der Befehl aus Listing 1, Zeile 1 legt fest, dass dieses Dock sich nicht automatisch versteckt. Die folgende Zeile legt den Pfad zur Menüdatei fest. Als etwas raffinierter und sehr nützlich erweisen sich die zwei Zeilen 3 und 4: Sie konfigurieren die virtuellen Desktops.

Listing 1

session.screen0.slit.autoHide: false
session.menuFile: ~/.fluxbox/menu
session.screen0.workspaceNames: port,app,app2,ff,snd2,mix,mail,
session.screen0.workspaces: 7

Die dritte Zeile legt die Namen der Desktops fest, die vierte deren Anzahl. Fluxbox löscht bei Bedarf Namen, die über die in der folgenden Zeile definierte Anzahl hinausgehen. Darüber hinaus überwacht die Software die Datei init fortwährend und reagiert sofort auf Änderungen. Einstellungen, die Sie mit den Konfigurationswerkzeugen der Menüs vornehmen, schreibt das Programm sofort in diese Datei – allerdings ohne per Hand gemachte Änderungen automatisch zu überschreiben. Löschen Sie absichtlich einen Desktop über einen Klick im Menü unter der mittleren Maustaste, verschwindet er in init ebenfalls.

Was andere Desktops automatisch machen, lässt Fluxbox Sie selbst entscheiden: Außer Fluxbox selbst startet erst einmal gar nichts. Um Ihre Lieblingsprogramme automatisch anlaufen zu lassen, tragen Sie diese in ~/.fluxbox/startup Mit den Zeilen aus Listing 2 startet beim Anmelden immer ein Xterm. Beachten Sie dabei besonders die kaufmännischen Und-Zeichen und die Zeilen, in denen fbpid steht. Das Wait-Kommando und die Zeichen & sorgen dafür, dass Fluxbox tatsächlich weiterläuft, bis Sie sich abmelden. Weitere Informationen finden Sie im Fluxbox-Wiki [3].

Listing 2

exec fluxbox &
fbpid=$!
sleep 1
{
 exec xterm &
} &
wait $fbpid

Ergänzend zu Fluxbox gibt es kleine Zusatzwerkzeuge, die dem Desktop Funktionen hinzufügen. Mit Fbdesk bekommen Sie Starter auf den Desktop, die Sie ähnlich wie unter Gnome oder KDE einrichten. Da Fluxbox sich nach wie vor kompatibel zu seinem Vorgänger Blackbox verhält, funktionieren alle Erweiterungen für Blackbox auch unter Fluxbox.

Die Rolle von Desktop-Applets übernehmen in Fluxbox Programme, die Sie in das Slit genannte Dock von Fluxbox ablegen (Abbildung 10). Dazu eignen sich vor allem Applets für das Dock der Desktop-Umgebung Windowmaker.

Abbildung 10: Vom Slit sehen Sie nur die Miniprogramme, die es anzeigt. Hier die Windowmaker Applets Wmcpuload, Wmweather und die Mondphasenuhr Wmmoonclock.

Aus anderen Welten

Wenn die ausdrücklich für Fluxbox gedachten Erweiterungen nicht ausreichen, schaffen Sie mit Werkzeugen aus anderen Welten Abhilfe. Bei vielen der Panels, Menüs und Applets, die andere Desktop-Umgebungen aufbauen, handelt es sich um eigenständige Programme, und einige davon laufen tadellos außerhalb ihrer Heimatwelt.

Besonders gut funktioniert das natürlich mit Anwendungen, die von Haus aus eigene Fenster nutzen. Das ermöglicht beispielsweise den Einsatz des KDE-Dateimanagers Dolphin unter Fluxbox. Lediglich das automatische Aktualisieren der Ordneransicht im laufenden Betrieb klappt nicht. Das bedeutet, dass Sie nach Dateitransfers den Fensterinhalt manuell auffrischen müssen. Die KDE-Brieftasche für Passwörter ruft Dolphin jedoch bei Bedarf problemlos auf.

Wer den Dateimanager Nautilus bevorzugt, sollte diesen mit der Option --no-desktop starten. Ohne diese Option kommt die Desktop-Oberfläche von Gnome mit hoch und versperrt dann den Zugriff auf das Menü von Fluxbox – das Rechtsklickmenü des zusätzlichen Desktops bietet keine Programmstarts an. Dann bleibt nur noch der Ausweg über [Alt]+[F2] oder eine Konsole.

Sehr ähnlich wie Nautilus, aber ohne Bindungen an Gnome, arbeiten der völlig eigenständige Dateimanager PCmanFM und der aus XFCE stammende Thunar. Letzterer ist nicht der einzige XFCE-Bestandteil, der sich für den Einsatz unter Fluxbox eignet. Das XFCE-Panel bietet deutlich mehr Funktionen als die schmale Toolbar von Fluxbox, und das Programm schert zudem herzlich wenig darum, dass es nicht unter XFCE läuft. Im Terminal gestartet, gibt es zwar vereinzelt Warnungen bezüglich der Sitzungsverwaltung aus, aber ansonsten funktioniert es wie erwartet.

Damit stehen Ihnen alle unterstützten Applets und die vom Systemabschnitt akzeptierten Tray-Icons bereit. Dazu zählen fast alle aus Gnome und KDE bekannten Helferlein, von der Netzwerkverwaltung bis zum Wetterbericht. Viele davon unterstützt auch der Tray von Fluxbox. Einige nisten sich beim Start in beiden Leisten gleichzeitig ein, was jedoch im Test keinerlei Schwierigkeiten verursachte (Abbildung 11).

Abbildung 11: Ob Orage-Kalender und Panel von XFCE oder die Fernbedienung von Qjackctl im Systemabschnitt der Toolbar – in Fluxbox fühlen sich Tools aus aller Herren Desktops wohl.

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