Der kleine Hunger

Ein Blick auf den Speicherverbrauch mittels free -m unter Ubuntu zeigt: Mit weniger als 150 MByte aktivem Speicher verbraucht Fluxbox 100 MByte weniger als XFCE auf dem gleichen System. Da XFCE ganze 8 Sekunden für den Start und dann noch mal eine Schrecksekunde für das Öffnen des Menüs benötigt, erweist sich Fluxbox auf diesem System eindeutig als der schnellere Desktop mit dem niedrigeren Speicherverbrauch. Unter OpenSuse fällt das Ergebnis noch extremer aus: Dort belegt das ganze System nach dem Fluxbox-Start lediglich 87 MByte Arbeitsspeicher. Nun ist es kein übliches Szenario, sich am schnellen Ausklappen des Menüs zu erfreuen und im Xterm free aufzurufen. Also ermittelten wir, bei welchen Anwendungen und mit nur 1 GByte RAM auch unter Fluxbox das System auf die SWAP-Partition ausweicht.

Für eine Surfkiste auf der Grundlage von Ubuntu mit Fluxbox als Fenstermanager und komfortablem Dateimanager kommen Sie mit 512 MByte Arbeitsspeicher aus: Nicht einmal 350 MByte verbrauchen Firefox und Dolphin. Dabei zeigt Firefox ein Dutzend Tabs mit diversen modernen Webseiten an und außer Dolphin sind auch noch der Editor Kwrite und der KDE-Bildschirmfotograf aktiv (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der Speicherverbrauch gemessen mit free -m weist Fluxbox als echten Sparfuchs aus: Nur 147 MByte direkt nach dem Start inklusive XFCE-Panel.

Ironischerweise bringt der Start des XFCE-4-Panels unter Fluxbox den Speicherverbrauch kaum in die Nähe des Verbrauchs, den eine komplette XFCE-4-Sitzung beansprucht. So stehen unter Fluxbox bei Bedarf die Funktionen von XFCE-4 bei erheblich geringerem Ressourcenverbrauch bereit. Dabei funktionieren das Panel und seine Applets genauso problemlos.

Unter OpenSuse gleichen sich die Ergebnisse nach dem Bestwert am Anfang schnell an die Werte in Ubuntu an. Zwar steigt der Verbrauch schneller an, ähnelt aber bei gleichem Nutzungsszenario den Werten Ubuntu und bleibt ebenfalls unter 700 MByte. Die Frage nach dem Warum klärt ein Blick auf den Verbrauch einzelner Anwendungen (Abbildung 8).

Abbildung 8: Firefox, Gwenview, Dolphin, Jackdbus und einige andere Programme sorgen für Produktivität und fressen insgesamt 500 MByte Speicher. Sogar ein Xterm nutzt mehr Ressourcen als Fluxbox.

Der Fluxbox-Prozess selbst verbraucht auf beiden Systemen nie mehr als 3 bis 5 MByte. Das Ubuntu im Test war aber mit Installation des KXStudio-Layers für den Audiobetrieb optimiert, dazu starteten bei der Anmeldung Jack und Pulseaudio automatisch im Hintergrund. OpenSuse ist an sich schlanker und weniger komfortabel eingestellt.

Fluxbox tut also tatsächlich alles, was ein Desktop zum Schonen der Ressourcen beitragen kann: Es hält sich zurück. Praktisch jeder Prozess, der in einer Sitzung den Verbrauch erhöht, stammt vom Nutzer selbst oder wird von der Konfiguration der Distribution gestartet.

Eleganz und Alltag

Die wichtigsten Aktionen in Fluxbox sind der Rechtsklick und der Klick mit der mittleren Maustaste. Mit der rechten Maustaste rufen Sie das Anwendungsmenü auf der Arbeitsfläche und die Konfigurationsmenüs der Toolbar auf. Die mittlere Maustaste öffnet eine Liste der virtuellen Desktops mit den dort gestarteten Anwendungen. Alle geöffneten Menüs schließen sich beim Ausführen einer Aktion oder bei Rechtsklick auf ihre Kopfzeile.

Angenehm fällt auf, dass sich Fluxbox keinerlei bevormundende Automatismen beim Umgang mit den virtuellen Desktops leistet. Kein Fenster wechselt den Desktop, wenn Sie das nicht ausdrücklich anweisen. Die Desktops wechseln Sie durch Auswahl im besagten Menü oder durch Drehen am Mausrad. Mit gehaltenem Linksklick oder aus einem Menü im Fensterrahmen, das Sie mit einem Rechtsklick aufrufen, verschieben Sie Fenster auf andere Desktops. Wie es sich für einen Profi-Desktop gehört, bietet Fluxbox für all diese Aktionen auch Tastenkürzel, die Sie bei Bedarf über die Textdatei ~/.fluxbox/keys anpassen.

Grafische Werkzeuge zum Konfigurieren finden sich in Fluxbox nur wenige. Lediglich einfache Anpassungen des Aussehens und Verhaltens lassen sich in Rechtsklickmenüs einstellen. Vor einiger Zeit konnte man noch eine grafische Oberfläche mit mehr Einstellungsmöglichkeiten nachinstallieren. Das Werkzeug ist aber inzwischen aus den gängigen Paketquellen verschwunden, weil niemand es weiterentwickelt – gut funktioniert hat es ohnehin nie. Wer das volle Potenzial des Fenstermanagers ausschöpfen möchte, der greift ohnehin zum Editor.

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