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© Steve Cukrov, 123rf.com

Flinkes Surfbrett

Im Web unterwegs mit dem Browser Dillo

22.02.2012 Dillo ist die erste Wahl für einen flinken Desktop. Sein hohes Arbeitstempo und kurze Ladezeiten trösten über einige Mankos hinweg.

Obwohl sich Firefox immer noch großer Beliebtheit und Verbreitung erfreut, stört viele Anwender der zunehmende Ressourcenverbrauch, den die Applikation selbst beim Anzeigen von einfachsten Websites an den Tag legt. Erweitern man den Funktionsumfang von Mozillas Browser um einige Plugins, verwandelt sich die einst schlanke Software erst recht in ein behäbiges Schlachtschiff.

Wer seine alte Hardware nicht auf dem Dachboden verstauben lassen möchte oder gar kann, der sollte sich genau überlegen, wie er ein halbwegs aktuelles Linux betreibt. Zum einen gehört dazu ein schlankes Desktopsystem, wie zum Beispiel Razor-Qt oder XFCE. Im zweiten Schritt geht es dann an die Auswahl der geeigneten Tools. Für den Part des Browsers bietet sich Dillo [1] als schlanke und schnelle Alternative an (Abbildung 1) – minimalistischer geht es nur noch mit Textbrowsern wie zum Beispiel Lynx [2].

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Leichtgewicht Dillo stellt mehrere Websites über Reiter dar und bietet sicheres, schnelles Surfen.

Die Installation des Browsers erweist sich unter Fedora als sehr einfach, da Dillo dort über den Paketmanager bereit steht. Setzen Sie dagegen Ubuntu oder Linux Mint ein, müssen Sie Dillo selbst aus den Quellen übersetzen (siehe Kasten "Installation unter Ubuntu und Linux Mint").

Installation unter Ubuntu und Linux Mint

Damit Sie Dillo unter Linux Mint oder Ubuntu kompilieren können, müssen Sie vorab die Pakete build-essential, libglu1-mesa-dev, libjpeg62-dev, libpng12-dev, libx11-dev, libxft-dev sowie mesa-common-dev einspielen. Anschließend laden Sie die Quelldateien von der Dillo-Homepage [3] oder der Heft-DVD herunter. Außerdem benötigen Sie noch zwingend das so genannte Fast Light Toolkit (FLTK) in Version 1.3.0. Sie finden es auf der Download-Seite des Projekts [4], wo Sie denEintrag fltk-1.3.0-source.tar.gz auswählen.

Nun gilt es, zuerst FLTK zu installieren. Dazu entpacken Sie dieses zunächst mit dem Befehl tar zxvf fltk-1.3.0-source.tar.gz und wechseln danach mit dem Befehl cd fltk-1.3.0 ins neue Verzeichnis. Führen Sie nun den Befehl make aus. Anschließend richten Sie FLTK mittels des Befehls sudo make install ein.

Jetzt ist Dillo selbst an der Reihe: Entpacken Sie den Tarball mit tar jxvf dillo-3.0.2.tar.bz2 und wechseln Sie mit cd dillo-3.0.2 ins erzeugte Verzeichnis. Führen Sie nun mit ./configure eine Konfiguration durch. Anschließend kompilieren Sie Dillo mittels make. Zu guter Letzt installieren Sie den Browser mit dem Befehl sudo make install-strip. Anschließend können Sie Dillo über das Kommando dillo starten.

Funktionen

Dillo unterstützt das Surfen auf verschiedenen Websites über Reiter ("Tabbed Browsing") und enthält eine Verwaltung für Lesezeichen. Seit Dezember 2011 liegt das Programm in der Version 3.0.2 vor. Sie surfen, wie von gängigen Browsern gewohnt, indem Sie eine URL in die Adresszeile eintragen. Über [Strg]+[T] oder File | New Tab öffnen Sie einen neuen Reiter, der sich oberhalb der Adresszeile anordnet. Im Gegensatz zu Firefox oder Chrome bietet Dillo keine Möglichkeit, die Reiter zu verschieben. Um jederzeit wieder in die Adresszeile zu springen, verwenden Sie die Tastenkombination [Strg]+[L].

Lesezeichen setzen Sie, indem Sie mit der rechten Maustaste auf den Inhalt der geladenen Website und dann auf Bookmark this page klicken. Über den Button Book haben Sie einen Überblick über die gesammelten Lesezeichen (Abbildung 2). Diese öffnet das Programm dann in einem neuen Reiter. Eine noch bessere Übersicht der Bookmarks erhalten Sie, wenn Sie rechts auf modify klicken: Nun steht vor jedem Eintrag ein Kontrollkästchen. Über die Auswahlliste neben Select an operation wählen Sie bei Bedarf Add Section aus, um eine neue Lesezeichen-Kategorie zu erstellen. Klicken Sie anschließend auf submit. Nun müssen Sie die Kategorie nur noch benennen und auf den neuen submit-Button klicken.

Abbildung 2

Abbildung 2: Dillo enthält auch eine einfache, aber übersichtliche Lesezeichenverwaltung.

Um Booksmarks in die neue Kategorie zu verschieben, markieren Sie zuerst die zu verschiebenden Lesezeichen selbst sowie die gewünschte Kategorie. Anschließend wählen Sie aus der Auswahlliste Select an operation den Eintrag Move. Nach einem Klick auf submit wandern die Lesezeichen in die ausgesuchte Kategorie.

Cookies sind aus Gründen der Privatsphäre standardmäßig deaktiviert. Wollen Sie Webseiten nutzen, die die kleinen Kekse voraussetzen, passen Sie die Datei cookiesrc an, die sich im Benutzerordner im Unterordner .Dillo befindet. Die folgenden zwei Zeilen zeigen ein Beispiel:

fltk.org ACCEPT
.host.com ACCEPT_SESSION

Die erste Zeile weist den Browser an, alle Cookies der Domain fltk.org zu akzeptieren. Aufgrund der zweiten nimmt die Software die Cookies von host.com nur für die Dauer einer Session an.

Problemchen

Einige Fehler Dillos, die zu Problemen beim Darstellen von Websites führen, sind dem Entwicklerteam bekannt. So unterstützt der Browser zum Beispiel keine Frames, wobei heutzutage der Einsatz solcher Elemente in Webseiten ohnehin nicht mehr zum guten Ton gehört.

Ein gravierendes Problem stellt dagegen der fehlende Support der CSS-Eigenschaft float dar, mit deren Hilfe Sie zum Beispiel Textumläufe definieren. Da diese Eigenschaft im Web 2.0 rege Verwendung findet, erzeugt der Browser hier mitunter merkwürdige Ergebnisse. Immerhin steht das Problem bei den Entwicklern mit hoher Priorität auf der Todo-Liste [5].

Es empfiehlt sich nicht, mit Dillo Mail-Konten über deren Webfrontend zu lesen, denn das Programm beherrscht das HTTPS-Protokoll für die verschlüsselte Übertragung von Daten zwischen Webserver und Browser derzeit nicht richtig. zwar lässt sich diese Funktion aktivieren, befindet sich allerdings noch im Alpha-Stadium [6].

Darüber hinaus unterstützt Dillo kein Javascript, was viele moderne Funktionen außer Kraft setzt. Daher bietet es sich an – sofern vorhanden – auf Website-Versionen zu wechseln, die eigentlich für mobile Endgeräte gedacht sind, wie zum Beispiel m.spiegel.de. Diese kommen in der Regel ohne Javascript aus.

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Kommentare
Dillo und Ubuntu
Axel Beckert (unangemeldet), Montag, 12. März 2012 21:00:40
Ein/Ausklappen

Debian hat seit einiger Zeit wieder Dillo-Paket in Testing und Unstable. Entsprechend hat das in einem Monat erscheinende Ubuntu 12.04 LTS ebenfalls wieder ein aktuelles Dillo-Paket.

Und im ältesten, (zumindest in der Server-Version) noch unterstützten Ubuntu, Codename Hardy (8.04 LTS) ist Dillo ebenfalls enthalten, allerdings die Version 0.8.x auf Basis von FLTK 1.1


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