Qtlinguist

Die Entwickler der Grafikbibliothek Qt spendieren sich ein ganz besonderes Übersetzungswerkzeug [5], das Sie in Ihrer Distribution zumeist in den Entwicklerpaketen zu Qt finden. Beim Start von Qtlinguist mit einer Po-Datei zeigt sich nicht sofort, dass das Programm in mancher Hinsicht seinen Mitbewerbern einen Schritt voraus ist. Es beherrscht außerdem das Format sogenannter TS-Dateien. Dabei handelt es sich nicht um Teile der Struktur einer Video-DVD, sondern um spezielle Dateien, die nur in Qt-Software zum Einsatz kommen.

Sofern sich die TS-Datei am korrekten Ort innerhalb der Quelltexthierarchie des Programms befindet, zeigt QtLinguist nicht nur die zu übersetzenden Zeichenketten an, sondern auch die den jeweiligen String umgebenden Teile der Quelltextdatei sowie, als besonderes Feature, denjenigen Teil des Programmfensters der zugehörigen Software, in dem der Text später erscheint (Abbildung 5). Das funktioniert allerdings nur, wenn der Programmierer konsequent mit Qt-Werkzeugen gearbeitet hat, und klappt mit Po-Dateien generell nicht.

Abbildung 5: QtLinguist bringt einige spezifische Features mit, die beim Übersetzen Qt-basierter Programme helfen.

Zwar wirken die Funktionsvielfalt und das entsprechend etwas überfüllt erscheinende Programmfenster zunächst verwirrend, doch nach etwas Eingewöhnung arbeiten Sie sehr effektiv mit der Software. Den guten Eindruck trübt lediglich, dass einige der Funktionen nur bei einem sehr begrenzten Programmkreis nutzen. Doch selbst als reiner Gettext-Editor macht die Applikation eine gute Figur.

Installation

Da Übersetzungswerkzeuge mittlerweile zu den Brot-und-Butter-Applikationen einer Distribution gehören, brauchen Sie in aller Regel nur über den Paketmanager nach dem Namen des jeweiligen Programms zu suchen, und schon wandert es auf die Festplatte und ins Menü.

Einige Besonderheiten gibt es dennoch: Poedit und Gtranslator finden Sie bei Ubuntu im Universe-Repository, das Sie im Zweifelsfall erst in der Paketverwaltung aktivieren müssen. QtLinguist gibt es nicht als separates Paket, sondern als Teil der qt4-dev-tools. OpenSuse versteckt es im Paket libqt4-devel, aber das Abspalten in ein eigenes Paket steht auf dem Plan. Poedit und Gtranslator hält YaST dagegen ohne Aktivieren zusätzlicher Quellen bereit.

Online-Plattformen

Wäre es nicht pfiffig, wenn Sie zum Übersetzen gar kein Programm brauchen würden? Kein Problem: Im Web finden sich einige browserbasierte Lösungen, für die Sie keine Software brauchen, sondern nur einen Internet-Anschluss mit einem nahezu beliebigen Endgerät. Gleichgültig, ob es sich dabei um einen iMac mit 24-Zoll-Display oder ein nicht mehr ganz taufrisches Smartphone handelt – auf Plattformen wie Launchpad oder Transifex dürfen Sie Ihren Ambitionen freien Lauf lassen.

Wollen Sie vorwiegend oder ausschließlich für Ubuntu oder dessen Derivate übersetzen, vermag Launchpad [6] unter Umständen dauerhaft ein Offline-Tool zu ersetzen. Sämtliche Po-Dateien der Ubuntu-Kernpakete (und darüber hinaus vieler zusätzlicher Programme) stehen dort zum Bearbeiten bereit. Doch hier offenbart sich schon ein entscheidender Nachteil der Online-Versionen: Zwar steht auch hier ein Übersetzungsspeicher zur Verfügung, neben einigen anderen Features, die Sie auch von den Offline-Werkzeugen kennen. Eine Gesamtübersicht über eine Po-Datei ist auf Grund der begrenzten Möglichkeiten eines Browser-Fensters nicht möglich.

Distributionen wie Fedora oder Mandriva setzen auf Transifex [7]. Diese Plattform wurde zwar vor einigen Monaten runderneuert, reicht aber an die Möglichkeiten von Launchpad noch immer nicht heran – geschweige denn an jene der Offline-Tools. Dafür liefert Transifex eine Po-Datei auf Anfrage praktisch in Echtzeit zum Download aus, während Launchpad sich für die gleiche Aktion im besten Fall einige Minuten gönnt, unter Umständen aber auch eine Stunde Zeit herumtrödelt, bis es endlich eine E-Mail mit dem Download-Link liefert.

Beiden Plattformen verfügen über Grundfunktionen wie das direkte Gegenüberstellen von Original-String und Übersetzung (Abbildung 6), das Platzieren geeigneter Vorschläge und eine Plausibilitätsprüfung, die grobe Schnitzer in der Formatierung der übersetzten Strings direkt ausbügelt.

Abbildung 6: Die Übersetzung des Backup-Werkzeugs Déjà Dup in Launchpad.

Transifex und Launchpad sind mehr als nur Hilfskonstruktionen für Leute, die die üblichen grafischen Werkzeuge nicht mögen. Ein ganz entscheidender Vorteil liegt in der Möglichkeit zur Teamarbeit. Jemand übersetzt einige Strings, markiert diese zur Revision, und ein weiterer Übersetzer schaut über kurz oder lang nach dem Rechten. Die Versionsverwaltung im Unterbau der Online-Plattformen macht dies möglich, ein umständlicher Austausch kompletter Dateien über Mailinglisten entfällt.

Allerdings implementieren beide Systeme das Markieren von unklaren Strings, die einer Überarbeitung bedürfen, nur sehr spärlich bis gar nicht. Das macht mitunter den Zeitgewinn durch das kollaborative Arbeiten wieder zunichte.

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Kommentare
pootle
foobar (unangemeldet), Mittwoch, 22. Februar 2012 22:21:46
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Pootle ist auch ein nettes Tool für die Onlineübersetzung


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Re: pootle
mariobl (unangemeldet), Dienstag, 28. Februar 2012 22:36:59
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Stimmt, es ist auch eine Online-Plattform wie Transifex oder Launchpad. Es ist aber nicht so universell, da es keine globale Webpräsenz gibt, sondern einzelne Projekte (auch größere wie LXDE) sich eine eigene Impementation des Pootle-Frameworks ins Netz stellen.

Der Artikel erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er sollte einige Offline-Werkzeuge und Online-Plattformen vorstellen und einem Einsteiger eine erste Orientierung in diesem Metier ermöglichen.


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