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© zina ss, sxc.hu

Arbeit am Text

Grafische Werkzeuge zum Lokalisieren im Vergleich

22.02.2012 Damit eine Software in der Landessprache erscheint, muss Sie jemand übersetzen. Leistungsfähige Tools machen es jedermann leicht, einen ganz persönlichen Beitrag zur Open-Source-Welt zu leisten.

Seit über zwanzig Jahren gibt es Linux – ein stolzes Alter, das etliche andere Betriebssysteme nicht einmal annähernd erreicht haben, bevor sie wieder von der Bildfläche verschwanden. Noch älter als Linux ist das GNU-Projekt, das sich bereits seit 1985 der proprietären Computerwelt mit einer quelloffenen Alternative entgegenstemmt.

Wie schaffen es freie Projekte, ein solches Alter zu erreichen? Gerade in den Anfängen gab es noch nicht einmal Denkansätze, das Konzept in irgendeiner Form kommerziell zu verwerten und damit auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Neben echten Sponsoren, die entsprechende Ressourcen bereit stellen, war freie Software stets auf den Enthusiasmus und Idealismus von Freiwilligen angewiesen.

Freie Software lebt also vom Mitmachen. Dabei gehörten und gehören Übersetzungen zu den Favoriten der Benutzer, die ihren Teil zum Fortbestand des Betriebssystems beitragen wollen. Vielleicht suchen ja auch Sie nach einem Einstieg? Die Hürden für Übersetzungen liegen angenehm tief: Sie brauchen dazu keineswegs Quelltexte zu durchforsten und zu bearbeiten. Englischkenntisse sind natürlich notwendig (siehe Kasten "Do You Speak Denglish?").

Die Gettext-Suite

Die meisten Entwickler setzen auf die Werkzeuge des Gettext-Pakets [1]. Diese Programmsammlung stellt Hilfsmittel bereit, die in den Quelltexten die zu übersetzenden Teile ermitteln, diese herauslösen und in eine Vorlagendatei mit der Endung .pot schreiben. Im weiteren Verlauf nutzen Sie als Übersetzer diese Vorlage, um daraus eine sprachspezifische Datei zu erstellen, die für Deutsch dann üblicherweise de.po heißt. Eine Po-Datei besteht im Wesentlichen aus aneinander gereihten, übersetzbaren Zeichenketten. Listing 1 zeigt ein Beispiel.

Listing 1

#: src/gdbmerrno.c:46
#: src/testgdbm.c:387
#, c-format
msgid "Item not found"
msgstr "Objekt nicht gefunden"
...

Die Kommentarzeilen am Anfang verweisen darauf, aus welchen Quelldateien und aus welcher Zeile Gettext den String extrahiert hat. Bei Bedarf stehen hier zusätzlich spezielle Anforderungen an das Formatieren, abhängig von der Programmiersprache. Häufig steht dort außerdem das Wort fuzzy, das darauf hinweist, dass die Bedeutung der entsprechenden Zeichenkette unklar ist und es am besten wäre, diese zu überarbeiten. Nach dem Berichtigen müssen Sie nur noch die Zeile mit der Fuzzy-Marke entfernen, um dafür zu sorgen, dass der String beim späteren Erstellen des Programms mit einfließt.

Natürlich können Sie einen gewöhnlichen Texteditor heranziehen, um die Strings zu bearbeiten. Viele Editoren beherrschen das farbliche Hervorheben der typischen Syntax. Vim und Emacs bieten sogar diverse Extras, wie das Einfügen von Übersetzernamen, Datum und Zeit sowie weiterer Meta-Daten. Doch mit den im Folgenden vorgestellten grafischen Werkzeugen geht das oft eleganter: Sie bieten ganz spezielle Funktionen an, die Ihnen die Arbeit erleichtern.

Do You Speak Denglish?

Überhaupt eine Übersetzung in Angriff zu nehmen, setzt selbstverständlich Englischkenntnisse voraus. Auch wenn bei Ihnen nicht das Cambridge First Certificate in English an der Wand hängt, ist noch nicht alles verloren: Schließlich gibt es Wörterbücher – nicht nur die universellen gedruckten und Online-Versionen, sondern auch spezielle, von diversen Übersetzungsteams zusammengestellte Listen. Diese dienen vorrangig dazu, englische Begriffe programmübergreifend konsistent ins Deutsche zu übertragen, um den Benutzer nicht unnötig zu verwirren.

Außerdem sollten Sie einige grammatische und syntaktische Grundregeln beachten, bevor Sie mit Ihrem ersten Projekt beginnen. Entsprechende Hinweise finden Sie ebenfalls in den Webauftritten der jeweiligen Teams, zum Beispiel auf den Wiki-Seiten der deutschen Gnome-Übersetzer, deren Regeln sich unter anderem auch die Launchpad German Translators [8] verschrieben haben.

Behalten Sie vor allem die Zielgruppe der Software im Auge. Die Oberfläche eines Debugging-Programms richtet sich vorrangig an Entwickler, die entsprechendes Know-how hinsichtlich der speziellen Begriffswelt mitbringen – ein einfacher Dateimanager muss aber auch ohne tiefgreifende Vorkenntnisse zu bewältigen sein.

Mindestens ebenso wichtig wie Englisch ist auf jeden Fall Deutsch. Das mag banal klingen, aber gerade bei den Übersetzungen von Hilfetexten fallen Defizite oft unschön auf. Die Originale wurden oft nicht von Englisch-Muttersprachlern geschrieben und erschweren es dadurch den Übersetzern, möglichst nahe am Original zu bleiben. Oft lässt es sich nicht vermeiden, etwas auszuschweifen, um den Ursprungstext in eine verständliche deutsche Form zu bringen.

Behalten Sie immer die Benutzer der unterschiedlichsten Niveaus im Auge – sie alle müssen die eingedeutschten Programmoberflächen und Handbücher verstehen können. Eine holprige, schwer verständliche Übersetzung wirkt auf den Benutzer wenig anziehend – in dem Fall wird er wahrscheinlich das englischsprachige Original vorziehen.

Universaltalent Poedit

Falls Sie als Wanderer zwischen den Welten häufig das Betriebssystem wechseln (müssen), bietet sich Poedit [2] an: Da es auf wxWidgets basiert, gibt es das Programm in verschiedenen Geschmacksrichtungen für alle Plattformen, auf denen diese spezielle Grafikbibliothek bereit steht. Zudem passt es sich optisch nahezu perfekt in die jeweilige Umgebung ein, ohne wie ein Fremdkörper zu wirken.

Das Hauptfenster von Poedit (Abbildung 1) wirkt nach dem ersten Start mit einer geöffneten Po-Datei etwas spartanisch. Im oberen Bereich sehen sie die einzelnen Zeichenketten in einer zweigeteilten Übersicht: links die Originale, rechts die übersetzten Versionen. Diese sortiert Poedit nach übersetzten, unklaren und nicht übersetzten Strings. Darunter befinden sich zwei Fenster, die detailliertere Informationen bieten. Im untersten Bereich bearbeiten Sie die Übersetzungen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Poedit wirkt auf den ersten Blick spartanisch, erweist sich bei genauerem Hinsehen aber als durchaus praxisgerecht.

Im Grundzustand fehlen zwei weitere Ansichten: Eine davon zeigt die vom Entwickler eingefügten Kommentare. Die andere dient dem gleichen Zweck, nur haben Sie dort die Möglichkeit, eigene Hinweise und Notizen zu hinterlassen, die das Programm später im Fließtext als Kommentar dem jeweiligen String zuordnet. Diese zusätzlichen Fenster aktivieren Sie im Menü Ansicht. Eine Suchfunktion findet sich ebenfalls: Über [Strg]+[F] oder über das Menü Bearbeiten öffnen Sie einen entsprechenden Dialog, der einige Optionen zum Filtern anbietet und seinen Zweck recht gut erfüllt.

Der wohl wichtigste Helfer ist der Speicher für Übersetzungen. Die Strings aus sämtlichen eingelesenen und wieder gespeicherten Dateien landen in einer Datenbank, sofern Sie die Sprache im Menü Katalog | Optionen richtig gesetzt haben. Im laufenden Betrieb fügt das Programm dann auf Wunsch einen kompletten Übersetzungskatalog mit Vorschlägen aus der Datenbank hinzu, oder Sie rufen durch einen Rechtsklick auf eine Zeichenkette in der obersten Ansicht ein Kontextmenü auf, das diverse Vorschläge anzeigt.

Zwar arbeitet Poedit grundsätzlich recht zuverlässig, doch fehlen einige Basisfunktionen – zum Beispiel Funktionen wie Rückgängigmachen oder Wiederholen – die helfen, kleine Fehler beim Editieren auszubügeln. Vorsicht und Sorgfalt sind also angesagt. Außerdem vergisst das Programm oft die nach Ihren Wünschen vorgenommene Einteilung des Hauptfensters wieder, sodass Sie nach dem Start erst einmal die Größen der einzelnen Ansichten nachbessern müssen. Gelegentlich stört auch das separate Suchfenster, weil es im maximierten Modus stets einen Teil des Hauptfensters verdeckt.

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Kommentare
pootle
foobar (unangemeldet), Mittwoch, 22. Februar 2012 22:21:46
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Pootle ist auch ein nettes Tool für die Onlineübersetzung


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Re: pootle
mariobl (unangemeldet), Dienstag, 28. Februar 2012 22:36:59
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Stimmt, es ist auch eine Online-Plattform wie Transifex oder Launchpad. Es ist aber nicht so universell, da es keine globale Webpräsenz gibt, sondern einzelne Projekte (auch größere wie LXDE) sich eine eigene Impementation des Pootle-Frameworks ins Netz stellen.

Der Artikel erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er sollte einige Offline-Werkzeuge und Online-Plattformen vorstellen und einem Einsteiger eine erste Orientierung in diesem Metier ermöglichen.


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