AA_mate-cinnamon_123rf-11193070_LeonidYastremskiy.jpg

© Leonid Yastremskiy, 123rf.com

Gnome 2 reloaded: Maté und Cinnamon

Tee oder Zimt?

Mit seinem neuartigen Bedienkonzept stößt Gnome 3 auf herbe Kritik. Zwei junge Projekte reanimieren deshalb die Arbeitsweise von Gnome 2 – jedes mit einer ganz eigenen Strategie.

Als das Gnome-Projekt die runderneuerte Version 3 seiner beliebten Desktop-Umgebung vorstellte, ging ein Aufschrei durch die Nutzerschaft. Viele Anwender kamen mit dem ungewöhnlichen und neuartigen Bedienkonzept nicht zurecht. Statt eines Startmenüs und einer Fensterleiste gab es nun einen separaten Aktivitäten-Bildschirm. Kritiker bemängelten die weiten Mauswege, die umständliche Bedienung und die offensichtliche Fokussierung der Entwickler auf die Touchscreen-Oberflächen von mobilen Geräten. Sogar Linus Torvalds bezeichnete Gnome 3 öffentlich als "verrückten Mist" ("crazy crap") und verlangte nach einer verbesserten Variante (Fork), die sich am alten Gnome 2 orientieren sollte [1].

Maté

Ein offenbar ebenfalls genervter argentinischer Arch-Linux-Nutzer namens Perberos griff im Juni 2011 kurzerhand zur Selbsthilfe: Er setzte auf den letzten Stand des mittlerweile fallen gelassenen Gnome 2 auf und entwickelte ihn einfach unter der Bezeichnung Maté weiter [2]. Der Name verweist auf die südamerikanische Maté-Pflanze, die man bei uns vor allem durch den gleichnamigen Tee kennt. Perberos' erste Aufgabe bestand darin, den Desktop (Abbildung 1) so zu modifizieren, dass er sich problemlos neben Gnome 3 installieren ließ. Dazu benannte er in erster Linie sämtliche Programme und Bibliotheken um und machte sie mit den nun jeweils anders heißenden Kollegen bekannt. Einen Überblick über die bis zum Redaktionsschluss portierten Kernanwendungen gibt die Tabelle "Gnome-2-Pendants in Maté"; einige populäre Gnome-Anwendungen fehlen noch.

Abbildung 1: Sieht aus wie Nautilus – unter Maté heißt der Dateimanager aber Caja.

Wenn Sie Maté selbst ausprobieren möchten, klappt das derzeit am einfachsten unter Arch Linux, Linux Mint 12, Debian "Wheezy"/"Sid" und Ubuntu 11.10. Für diese Distributionen stehen Repositories mit fertigen Paketen bereit (siehe Kasten "Frisch aufgebrüht"). Nutzer von anderen Distributionen müssen entweder noch etwas warten oder Maté aus dem Quellcode selbst übersetzen. Aufgrund des Code-Umfangs erweist sich das jedoch als ziemlich steiniger Weg – wer es dennoch probieren möchte, findet das komplette Quellmaterial unter [3].

Liegt die Desktop-Umgebung erst einmal betriebsfertig auf der Platte, müssen Sie lediglich noch im Anmeldebildschirm auf Maté umschalten. Bei Ubuntu und Mint geschieht das über das Zahnradsymbol, bei Debian nach der Auswahl des Benutzers in der entsprechenden Ausklappliste (Systemvorgabe).

Gnome-2-Pendants in Maté

Funktion Gnome 2 Maté
Menü-Editor Alacarte Mozo
Dokumentenbetrachter Evince Atril
Bildbetrachter Eye of Gnome Eye of Maté
Archivmanager File Roller Engrampa
Taschenrechner Gcalctool Matecalc
Konfiguration/Systemeinstellungen GConf Mateconf
Display-Manager (Login) GDM MDM
Texteditor Gedit Pluma
Fenstermanager Metacity Marco
Dateimanager Nautilus Caja
GTK+-Dialogfenster für Kommandozeilenanwendungen Zenity Matedialog

Frisch aufgebrüht

Linux Mint 12 installiert Maté von Haus aus. Sofern Sie Mint allerdings in der CD-Variante installiert haben, müssen Sie erst noch über den Paketmanager das Paket mint-meta-mate nachholen.

Debian-, Ubuntu- und Arch-Linux-Nutzer binden zunächst das Tridex-Repository ein. Das funktioniert unter Debian 6 "Wheezy" beispielsweise als Benutzer root in einem Terminal via:

# echo "deb http://tridex.net/repo/debian wheezy main" >> /etc/apt/sources.list

Unter Ubuntu 11.10 "Oneiric Ozelot" setzen Sie hingegen auf der Kommandozeile folgenden Befehl ab:

$ sudo add-apt-repository "deb http://tridex.net/repo/ubuntu oneiric main"

Anschließend müssen Sie nur noch die Pakete mate-archive-keyring und mate-core einspielen. Das gelingt unter Debian und Ubuntu am schnellsten auf der Kommandozeile:

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install mate-archive-keyring
$ sudo apt-get install mate-core

Unter Arch Linux tragen Sie in die Datei /etc/pacman.conf die folgenden beiden Zeilen ein:

[mate]
Server = ftp://tridex.net/repo/archlinux/mate/$arch

Anschließend installieren Sie dann Maté via pacman -Sy mate. Weitere Informationen zu Arch Linux liefert die entsprechende Wiki-Seite [4].

Fremde Heimat

Nach der Anmeldung an Maté präsentiert sich die vertraute Umgebung von Gnome 2. Wie diese genau aussieht, hängt von der jeweiligen Distribution ab – an das ursprüngliche, unveränderte Gnome 2 kommt am ehesten noch Maté unter Ubuntu heran (Abbildung 2).

Abbildung 2: Maté unter Ubuntu wirkt für Gnome-2-Nutzer vertraut.

Links oben thronen die Menüs Anwendungen, Orte und System, rechts daneben sammeln sich alle eingerichteten Applets. Am unteren Rand gibt es die Fensterliste mit dem Umschalter für die virtuellen Desktops. Langjährige Ubuntu-Anwender müssen allerdings etwas umdenken. So fehlt beispielsweise ganz rechts oben in der Ecke das vertraute Me-Menü. Seine Aufgaben übernimmt jetzt teilweise das Menü System. An der Stelle des Me-Menüs sitzt jetzt rechts oben in der Ecke ein weiterer Fensterumschalter.

Darüber hinaus präsentieren sich die Systemwerkzeuge unter System | Einstellungen und System | Systemverwaltung gegenüber früheren Ubuntu-Versionen etwas merkwürdig sortiert. Auch Unity hinterlässt noch ein paar Spuren, beispielsweise in Form der sehr schmalen Bildlaufleisten. Standardmäßig kommt Maté in einer hellblauen Clearlooks-Optik daher. Möchten Sie zum Ubuntu-Braun wechseln, erledigen Sie das wie gewohnt unter System | Einstellungen | Erscheinungsbild.

Unter Ubuntu und Debian wartet noch eine kleine Stolperfalle: Bei der Installation wandern nicht alle zu Maté gehörenden Pakete auf die Festplatte. Beispielsweise fehlt mate-utils, das unter anderem das Screenshot-Programm enthält. Wer die Tastenkombination [Alt]+[Druck] betätigt, erhält daher nur eine Fehlermeldung. Da es kein (Meta-)Paket gibt, das automatisch alle anderen Maté-Komponenten nachzieht, gilt es selbst Hand anzulegen. Eine Liste aller derzeit vorhandenen Maté-Pakete zeigt die Seite unter [5], alternativ hilft eine Suche nach "mate" im Paketmanager Synaptic.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 8 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Projekt des Linux-Mint-Gründers

    Meldungen zufolge arbeitet Clement Lefebvre, Hauptentwickler von Linux Mint an einem Fork von Gnome 3 namens Cinnamon, der einen Gnome-2-Look mitbringt.
  • Kein Schnickschnack
    Mit seinem Doppelpack an Desktops geht Linux Mint in eine neue Runde. Langfrist-Unterstützung, große Software-Auswahl und einige clevere Innovationen beim Paketmanagement machen die Ausgabe für den Alltag attraktiv.
  • Die nächste Mint-Version will sich besser mit Gnome integrieren

    Mint 14 ist gerade mal wenige Tage auf dem Markt, schon erklärt Mastermind Clement Lefebvre, was auf der Roadmap für die Ausgabe 15 stehen soll. Die wird wohl vor allem die Konfiguration vereinfachen und vieles mit Gnome vereinheitlichen.
  • Linux Mint 15 ist fertig

    Die auf Ubuntu aufbauende Distribution Linux Mint ist in Version 15 mit vielen Neuerungen verfügbar.
  • Erste Mirrors bestückt

    Im Linux-Mint-Blog hat Clement Lefebvre die Veröffentlichung der Version 18 von Linux Mint für diese Woche bekannt gegeben. Der letzte Qualitätscheck sei durchlaufen. Einige Spiegelserver des Projekts sind schon mit der neuen Ausgabe für Cinnamon und Mate bestückt.
Kommentare
Cinnamom 2.8
Detlef (unangemeldet), Sonntag, 15. November 2015 13:13:42
Ein/Ausklappen

Also ich muss nun doch mal meine Bug Erfahrungen unter Cinnamon schildern, den die Anzahl ist bei mir seit ich LMDE2 (Linux Mint debian edition 2) mit diesen Zimt-Desktop nutze gleich 0! Ich glaube, das sagt alles, was ein durchaus gutes Linux ausmacht. Für mich nicht umsonst Nimmer 1 in der Bestenliste von Distrowatch.


Bewertung: 252 Punkte bei 50 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
Absturz wo...???
Fritz A. (unangemeldet), Sonntag, 17. November 2013 07:18:43
Ein/Ausklappen

Ich benutze Linux Mint Debian Edition, 32-bit mit MATE.
Guter Bericht, aber auf der letzten Seite konnte ich nicht nachvollziehen, was mit "gelegentliche Abstürze zu rechnen haben" gemeint ist.
Noch nie ist mir irgend was mit LMDE abgestürzt.


Bewertung: 308 Punkte bei 122 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...
Linux auf externe SSD installieren
Roland Seidl, 28.10.2016 20:44, 1 Antworten
Bin mit einem Mac unterwegs. Mac Mini 2012 i7. Würde gerne Linux parallel betreiben. Aber auf e...