Zurück in die Zukunft?

Sowohl bei Maté wie auch bei Cinnamon handelt es sich derzeit noch im Wesentlichen um Einmann-Projekte in einem recht frühen Entwicklungsstadium. Perberos nahm die Arbeit an Maté im Juni 2011 auf, das Cinnamon-Projekt startete erst im Dezember des selben Jahrs. Die Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit beider Desktopumgebungen hängt nicht zuletzt auch davon ab, in welche Distributionen sie Eingang finden.

Gegen Maté spricht, dass es auf veralteten Bibliotheken und Techniken aufsetzt und krampfhaft versucht, diese weiter zu pflegen. Kritiker halten das denn auch für Energieverschwendung und plädieren dafür, stattdessen den Fallback-Modus aus Gnome 3 aufzubohren [18]: Dies hätte den Vorteil einer modernen, stabilen Basis und einen hielte den Arbeitsaufwand erheblich niedriger. Erste Schritte in diese Richtung gibt es sogar schon [19].

Die Distributionen behandeln Maté zumindest derzeit noch recht stiefmütterlich. Liegt es denn überhaupt als Paket vor, muss man es explizit aus den Repositories nachinstallieren – außer natürlich bei Linux Mint 12. Ubuntu-Anwender dürften vermutlich auch zukünftig nicht in den Genuss der von Canonical ins Leben gerufenen Erweiterungen kommen – die werden die wenigen Maté-Entwickler sehr wahrscheinlich nicht auch noch (weiter-)pflegen.

Als Anwender stößt man in Maté im Moment auf viele kleine Baustellen. So hinterlassen beispielsweise geschlossenen Anwendungen gelegentlich einen irritierenden Eintrag in der Fensterleiste. Auch die fertig geschnürten Pakete erweisen sich alles andere als perfekt, wie das fehlende Screenshot-Programm unter Ubuntu und die doppelten Einträge im Anwendungen-Menü zeigen.

Zimtstern

Cinnamon wird hingegen Bestandteil von Linux Mint, das immer mehr Fans gewinnt und sogar auf Distrowatch immer öfter als beliebteste Distribution rangiert [20]. Cinnamon dürfte somit vom Stand weg eine große Benutzerzahl erreichen. Für den Anwender geht die tägliche Arbeit unter Cinnamon äußerst flüssig von der Hand, Mausschubser mit vielen Fenstern dürften sich wohlfühlen. Die Reaktionen auf Cinnamon in den Foren fallen denn auch durchweg positiv aus. Auf Anregungen will Clement Lefebvre eingehen und hat sich selbst das ambitionierte Ziel gesteckt, einen Desktop zu schaffen, "von dem die Leute sagen: 'Das ist besser als Gnome 2'" [10].

Cinnamon basiert in großen Teilen auf Gnome 3.2, erfindet das Rad also nicht komplett neu – zumindest bislang. Denn aller Voraussicht nach bleibt es nicht nur beim Fork der Gnome-Shell. Zukünftige Cinnamon-Versionen sollen offenbar auch noch eine eigene veränderte Variante des Fenstermanagers Mutter unter dem Namen Muffin mitbringen. Das Komplettsystem wäre dann ein Cinnamon Muffin ("Zimt-Muffin"), wie einige Nutzer im Linux Mint-Forum entzückt feststellten.

Dass es an Cinnamon noch einiges zu tun gibt, bemerkt man vor allem an den arg limitierten Einstellungsmöglichkeiten. So bleibt das Panel einfach nur ein recht kleiner Strich in der Landschaft, vergrößern lässt es nicht – egal, wie viele Fenster sich in ihm drängeln und welche Auflösung der Monitor hat. Diese Kinderkrankheiten dürften jedoch bald kuriert sein, denn die Entwicklung an Cinnamon schreitet momentan äußerst zügig voran. Unter dem Strich hat Cinnamon gute Voraussetzungen, sich neben den anderen bekannten Desktopumgebungen zu etablieren – und vielleicht sogar Gnome 3 den Rang abzulaufen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 8 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Projekt des Linux-Mint-Gründers

    Meldungen zufolge arbeitet Clement Lefebvre, Hauptentwickler von Linux Mint an einem Fork von Gnome 3 namens Cinnamon, der einen Gnome-2-Look mitbringt.
  • Erste Mirrors bestückt

    Im Linux-Mint-Blog hat Clement Lefebvre die Veröffentlichung der Version 18 von Linux Mint für diese Woche bekannt gegeben. Der letzte Qualitätscheck sei durchlaufen. Einige Spiegelserver des Projekts sind schon mit der neuen Ausgabe für Cinnamon und Mate bestückt.
  • Mint-Gründer legt seine Pläne dar
    Der Umstieg der Distribution Linux Mint auf eine selbstentwickelte Desktopumgebung hat für Diskussionen gesorgt. Hauptentwickler Clement Lefebvre erläutert nun die Planung zu Cinnamon.
  • Kein Schnickschnack
    Mit seinem Doppelpack an Desktops geht Linux Mint in eine neue Runde. Langfrist-Unterstützung, große Software-Auswahl und einige clevere Innovationen beim Paketmanagement machen die Ausgabe für den Alltag attraktiv.
  • Linux Mint 13
    Rund einen Monat nach Ubuntu 12.04 ist Linux Mint 13 erschienen, das auf der aktuellen Ubuntu-Version basiert. Es verspricht einen Gnome-Desktop nach alter Bauart und hinterlässt einen guten Eindruck.
Kommentare
Cinnamom 2.8
Detlef (unangemeldet), Sonntag, 15. November 2015 13:13:42
Ein/Ausklappen

Also ich muss nun doch mal meine Bug Erfahrungen unter Cinnamon schildern, den die Anzahl ist bei mir seit ich LMDE2 (Linux Mint debian edition 2) mit diesen Zimt-Desktop nutze gleich 0! Ich glaube, das sagt alles, was ein durchaus gutes Linux ausmacht. Für mich nicht umsonst Nimmer 1 in der Bestenliste von Distrowatch.


Bewertung: 269 Punkte bei 78 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
Absturz wo...???
Fritz A. (unangemeldet), Sonntag, 17. November 2013 07:18:43
Ein/Ausklappen

Ich benutze Linux Mint Debian Edition, 32-bit mit MATE.
Guter Bericht, aber auf der letzten Seite konnte ich nicht nachvollziehen, was mit "gelegentliche Abstürze zu rechnen haben" gemeint ist.
Noch nie ist mir irgend was mit LMDE abgestürzt.


Bewertung: 326 Punkte bei 147 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 04/2017: SPEZIAL-DISTRIBUTIONEN

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

WLAN lässt sich nicht einrichten
Werner Hahn, 21.03.2017 14:16, 0 Antworten
Dell Latitude E6510, Ubuntu 16.4, Kabelbox von Telecolumbus. Nach Anklicken des Doppelpfeiles (o...
"Mit Gwenview importieren" funktioniert seit openSuse 42.2 nicht mehr
Wimpy *, 20.03.2017 13:34, 2 Antworten
Bisher konnte ich von Digitalkamera oder SD-Karte oder USB-Stick Fotos mit Gwenview importieren....
Ich habe eine awk Aufgabe und bekomme es nicht so Recht hin
Dennis Hamacher, 10.03.2017 18:27, 1 Antworten
Ich hoffe Ihr könnt mir dabei helfen oder mir zeigen wie der Befehl richtig geschrieben wird. Ich...
Unter Linux Open Suse Leap 42.1 einen Windows Boot/ ISO USB Stick erstellen...
Tim Koetsier, 07.03.2017 15:26, 1 Antworten
Hallo, weiß jemand wie ich oben genanntes Vorhaben in die Tat umsetzen kann ? Wäre echt dankba...
Druckertreiber installieren OpenSuse42.1
Tim Koetsier, 07.03.2017 15:22, 1 Antworten
hallo, kann mir BITTE jemand helfen ich verzweifel so langsam. Habe einen Super Toner von Canon...