Tee oder Zimt?
Gnome 2 reloaded: Maté und Cinnamon
Rührteig
Cinnamon selbst wirkt wie eine Mischung aus Gnome 2, Gnome 3 und den Linux Mint Shell Extensions (Abbildung 8). In der zum Redaktionsschluss aktuellen Version 1.1.3 liegt am unteren Rand das sogenannte Panel. Über diese Leiste wechseln Sie wie gewohnt zwischen allen geöffneten Fenstern.
Links unten in der Ecke wartet ein Menu-Knopf, über den sich das Mint-typische Startmenü öffnet. Es fasst die Anwendungen in den gewohnten Gruppen zusammen, deren Inhalte automatisch ausklappen, sobald Sie mit dem Mauszeiger darüber fahren. Für einen Programmstart genügen also zwei Mausklicks. Wählen Sie eine Anwendung mit der rechten Maustaste an, dürfen Sie ihr Symbol auf dem Desktop, im Schnellstartbereich des Panels (direkt neben dem Menüknopf) oder am linken Rand des Startmenüs bei den "Favoriten" ablegen.
Auf der rechten Seite des Panel warten die Aktualisierungsverwaltung, eine verbesserte Lautstärkeregelung, der Network-Manager, ein Kalender und der Umschalter für die virtuellen Desktops. In zukünftigen Versionen soll man mehrere Panels aktivieren und frei platzieren dürfen. Schon jetzt blendet sich die Leiste auf Wunsch automatisch aus. Dazu müssen Sie allerdings den dconf-editor aus dem Paket dconf-tools nachinstallieren. Dort aktivieren Sie dann den Punkt panel-autohide im Schlüssel org | cinnamon (Abbildung 9). Danach erscheint das Panel erst, wenn Sie mit dem Mauszeiger den unteren Bildschirmrand berühren.
Weitere Tipps und Tricks zu Cinnamon hat Major Grubert in einem eigenen Foren-Beitrag zusammengetragen [15]. Der nächsten Cinnamon-Version, die bei Erscheinen dieser Ausgabe bereits vorliegen dürfte, spendieren die Entwickler übrigens ein eigenes Kontrollzentrum namens Cinnamon Settings, über das Sie etwas bequemer an allen Einstellungen drehen. Dessen Aussehen ähnelt den Einstellungen von Firefox, wie einige vorab veröffentlichte Vorschaubilder verraten [16].
Versteckspiel
Wer sich abmelden oder den Computer neustarten möchte, muss ein wenig suchen: Die entsprechenden Schaltflächen verstecken sich hinter den unteren drei Symbolen am linken Rand des Startmenüs. Ebenfalls genau hinschauen muss man, um das Unendlichkeitssymbol links oben in der Bildschirmecke zu entdecken. Dieses Erbe der Gnome-Shell führt nicht mehr zur Aktivitäten-Anzeige, sondern schlicht zu einer Übersicht aller geöffneten Fenster (Abbildung 10).
Am rechten Rand verbirgt sich die von Gnome 3 bekannte Liste mit den virtuellen Desktops. Einen neuen erstellen Sie, indem Sie einfach ein Fenster auf den leeren Eintrag (mit dem Hintergrundbild) ziehen. In der Fenster-Ansicht gibt es noch einen Themes-Reiter. Er listet alle vorhandenen Cinnamon-Themen auf, mit einem Mausklick stülpen Sie dem Desktop ein neues Aussehen über. Da diese Ansicht jedoch vielen Anwendern überflüssig erscheint, verschwindet sie voraussichtlich in der kommenden Cinnamon-Version.
Gnome-3-Themes funktionieren ebenfalls mit Cinnamon, Sie müssen sie aber derzeit noch über die herkömmlichen Systemeinstellungen (System Settings) aktivieren. Anders als in der Gnome-Shell "springen" eintrudelnde Nachrichten vom unteren rechten Rand einmal schnell an den oberen und blenden sich dann langsam aus.
Die von Cinnamon ansonsten angebotenen Anwendungen stammen allesamt aus Gnome 3 – angefangen bei Nautilus als Dateiverwalter bis hin zu den Systemeinstellungen. Für die Gnome-Shell geschriebene Erweiterungen funktionieren unter Cinnamon allerdings nicht mehr. Clement Lefebvre verspricht jedoch, dass sie sich mit wenigen Handgriffen portieren lassen. Wie die Gnome-Shell funktioniert auch Cinnamon nur mit aktivierter 3D-Grafik. Andernfalls bekommt man den aus Gnome 3 bekannten Fallback-Modus zu Gesicht (Abbildung 11). Er ähnelt stark dem alten Gnome 2 mit den Menüs am oberen Bildschirmrand.
Eine ausführliche Dokumentation zu Cinnamon sucht man bislang vergebens. Einzig die News halten auf der Projekt-Homepage über den Funktionsumfang auf dem Laufenden [11]. Das verwundert allerdings nicht weiter, befindet sich die Entwicklung doch immer noch in einer starken Experimentierphase. Die Entwickler raten denn auch noch von einem produktiven Einsatz ab. Wer Hilfe sucht, findet diese im Linux Mint-Forum [17].



